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Der Roman „Angmar“
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Der Untergang Númenors
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Zeittafel




Der Feuerstern

Ein kalter Wind trieb Schneeböen über den steinigen Boden. Der Winter war dieses Jahr früh gekommen, selbst für die Nordlande. Der Himmel war eine graue Wolkenmasse und verschmolz beim Zurückblicken zum südlichen Horizont mit der Erde. Im Norden jedoch, wo sich die Berge von Angmar als gewaltige, felsige Mauer erhoben, wuchs Carn Dûm, die rote Festung, langsam, doch unaufhaltsam, als ein drohender dunkler Schatten aus dem Schneetreiben empor und reckte ihre zinnenbewehrten Türme hoch über die Ebene. Dort, an der nordwestlichen Spitze des Nebelgebirges gelegen und mit der Aura der Uneinnehmbarkeit behaftet, war die Zitadelle des Hexenkönigs direkt in den Berg hinein geschlagen worden.
Schatten regten sich auf den Mauern und ein Horn ertönte mit lautem Klang, dessen Hall jedoch vom Wind fortgetragen wurde. Der Gruß galt der lang gezogenen Karawane von Kriegern, die sich auf der weißen Ebene der Stadt näherte. Heimkehrer. Eine kleine Gruppe von Männern ritt an der Spitze, während der größte Teil der übrigen zu Fuß über die zugewehte Straße marschierte. 200 mochten es insgesamt sein, weniger als vor drei Jahren ausgezogen waren, doch immer noch eine beachtliche Streitmacht. Der Anführer ritt an der Spitze der Reitergruppe, sein schwarzes Pferd war frisch und ausgeruht, denn er hatte es die ganze Reise über geschont damit seine Männer Schritt halten konnten. Ein langer brauner Kapuzenmantel schützte ihn vor der Kälte, und ein um gewickelter Schal verdeckte die untere Gesichtshälfte. Aus der oberen blitzten zwei wintergraue Augen hervor, deren Blick das Schneetreiben leicht durchdrang. Seinen Kopf wendend winkte er den hinter ihm reitenden Bannerträger zu sich. Es war Brauch mit hoch erhobenem Banner vor an in die Stadt einzuziehen, und sie kehrten als Sieger zurück, die diesen Ruhm für sich beanspruchen konnten. So kurz vor dem Ziel richteten sich auch die vom Marsch erschöpften Krieger wieder auf und beschleunigten ihren Schritt, und selbst die Reiter hatten Mühe ihre Ungeduld zu bezähmen anstatt ihre Pferden anzuspornen. Doch sie waren lange und gründlich ausgebildet worden, und keiner brach aus der Marschordnung aus. Unter seinem Schal lächelte der Anführer zufrieden und schlug seine Kapuze zurück. Unter einem eisernen Helm kam langes schwarzes Haar hervor und flatterte im Wind. Ein Lachen ertönte und Fanfaren schmetterten. Eine gewaltige Zugbrücke wurde heruntergelassen und überspannte einen breiten Abgrund, ein eisernes Tor öffnete sich und Rufe wurden laut. Sie waren zurückgekehrt.
In einer langen Reihe marschierten sie in die Stadt ein, das stolze Banner mit dem spitzen Wolfskopf vor einem weißen Mond voran, und Jubel ergoss sich von allen Seiten über sie, Jubel für die Beute beladenen, Jubel für die Sieger. Rufe stiegen auf, aus rauen Orkkehlen und von hellen Menschenzungen, und hüllten die Heimkehrer ein. In sekundenschnelle fielen drei Jahre in der Wildnis von ihren müden Gesichtern ab. Den Siegern gehörte das Leben, und heute Nacht würden die Stadt, in der sonst nur harte Befehle und Kommandos ertönten, von Wein trunkenen Soldaten erfüllt sein.
Und von allen Seiten ertönte seine Name: Shara-Sard - Schwertmensch. Es war ein Ehrenname. Sich selbst aber nannte er Ishar, und auch seine Soldaten kannten ihn so auf den Kriegszügen. Weiter ging der Zug entlang der breiten Hauptstraße, der schwer beladene Maultiertross folgend, dessen Kostbarkeiten wieder einmal die großen Handelskarawanen aus dem Osten herbeiführen würde. Diese erhielten mit ihren Handelsgütern die große, stets vom Hunger bedrohte Bevölkerung des unfruchtbaren und wie ein Soldatenlager verwalteten Landes von Angmar am Leben.
Ishar genoss das rauschhafte Gefühl des Triumphes. Doch wichtiger noch als selbst die reiche Kriegsbeute waren die Taten die seine Männer in den nun 4 Jahren, die sie unter seinem Befehl standen, und in denen er sie unablässig für den Kampf gegen die Reiche der Dunedain, der Menschen des Westens, ausgebildet hatte, vollbracht hatten: Sie hatten die Handelsrouten zu den Zwergenmienen des Nebelgebirges geplündert um den Feind des harten Stahls und wertvollen Goldes aus jener Quelle zu berauben, waren nach Rhudaur gezogen um Rebellen zu jagen und die letzten der sich dort noch aufhaltenden Dunedain abzuschlachten, hatten sich im Wildniskampf mit den Elben gemessen und waren selbst vor einem Vorstoß in die Grenzmarken des Feindeslandes nicht zurückgeschreckt. Wie ein Wolfsrudel immer unentdeckt durch die Wildnis ziehend, lautlos im Anschleichen an den Feind, schnell und tödlich im Biss. Eine Streitmacht die im bevorstehenden Krieg zum Einsatz kommen würde. Bald schon. Bald...
Ishar biss die Zähne zusammen und ritt weiter voran an der Spitze des Zuges, bis sie auf den großen Platz vor dem Kriegstempel von Zanra gelangten und dort in einer lang gestreckten Reihe Aufstellung nahmen um den Gruß und den Segen des Hohepriesters Lugoth zu empfangen. Machtvoll hallten seine Worte zwischen den Steinmauern, und Ishar spürte dass die Priesterschaft zufrieden mit ihm war. Er hatte sich als ein treuer Sohn und gelehriger Schüler des Tempels erwiesen. Nachdem die Zeremonie beendet war führte er die Soldaten zu ihrer Kaserne wo sie Lohn und Unterkunft erwartete und erteilte ihnen Urlaub für 13 Tage in denen sie von allen Verpflichtungen entbunden waren bevor sie sich wieder bei den Offizieren zu melden hatten.
Ihn aber geleiteten zur Begrüßung entsandte Tempelkrieger durch die Stadt in sein Zuhause zurück. Den Kriegstempel. Dort war er seit seinem 17. Lebensjahr zum Mann gereift und erzogen worden, dort hatte man ihm Körper und Geist gestählt, dort waren seine Blutsbrüder und auf alle Zeit seine Heimat und Bestimmung.
Zum Ruhme des Königs von Angmar zu kämpfen und zu töten, seine Feinde zu Tode zu hetzen und ihre Reiche unter den eisenbeschlagenen Stiefeln von Soldaten zu zermalmen. Diesem Ziel war er ergeben, für dieses Ziel lebte er und würde er freudig sterben. Und noch für ein weiteres...
Eine Gruppe junger Novizen starrte ihn neugierig an als er die steinernen Pforten des Tempels durchschritt und den Innenhof überquerte. Bewundernd betrachteten sie seine Waffen und flüsterten einander etwas zu. Ishar musste lächeln. Genauso hatte auch geschaut wann immer ein berühmter Anführer von einem Feldzug heimgekehrt war. Damals war er der Novize gewesen.
Er hielt inne und rief den vordersten, der besonders laut seinen Freunden etwas zuflüsterte zu sich. Der Junge zuckte zusammen und erbleichte. Doch er gehorchte und kam eilig heran. Alles andere hätte auch Auspeitschung nach sich gezogen. „Ihr wünscht, Herr?“, fragte der Junge und verneigte sich. Ishar musterte ihn. Er konnte höchstens 16 Jahre alt sein. „Wie heißt du?“ „Mein Name ist Jarnan, Herr“, antwortete der junge Novize. „Du wirst mich in den nächsten Tagen bedienen und verschiedene Botengänge für mich erledigen. Sag deinem Lehrmeister dass ich deine Dienste für mich eingefordert habe und melde dich zum Abend hin auf meinem Zimmer.“ „Ja, Herr!“ Der Junge hatte Mühe seine Freude zu verbergen und zeigte deshalb nur seine Verblüffung. Wahrscheinlich würde er den ganzen Tag über rätseln warum ein so berühmter Krieger gerade ihn zum Leibdiener gemacht hatte. Für Ishar war das Motiv einfach nur Vergnügen: Es würde Spaß machen dem Milchgesicht ein wenig beizubringen und es als Trainingsobjekt für den Schwertkampf zu benutzen. Am Ende der Zeit würde er zwar um einige blaue Flecke aber auch um einige Erfahrungen reicher sein.
Ishar setzte seinen Weg fort und betrat das Innere des Tempels, der tief bis in den Berg hineinreichte. Doch zu seinem Erstaunen führten ihn seine Begleiter nicht zu den Schlafgemächern sondern in eine völlig andere Richtung. „Was hat das zu bedeuten?“ erkundigte er sich. Der älteste, ein narbiger, kahlköpfiger Hüne antwortete ihm: „Verzeiht Herr, ihr müsst müde von der langen Reise sein, doch der Hohepriester selbst wünscht euch zu sprechen. Wir haben den Befehl euch zu ihm zu bringen.“ Eine Unterredung die keinen Aufschub duldete? Was hatte das zu bedeuten? Er hatte kaum Zeit gefunden sich an einem warmen Feuer die Kälte aus den Knochen zu vertreiben und saubere Kleidung anzulegen. Plötzlich fiel ihm auf das das Innere des Tempels wie leergefegt war. Auf den Gängen war ihnen noch nicht ein einziges mal jemand entgegengekommen. Und sie gingen nun schon eine ganze Zeitspanne einen Weg der nicht in die Haupthalle sondern tief, tief in den Berg hineinführte, in die innersten Gewölbe, das Herz Carn Dûms. An einer großen Tür aus massivem Runen beschriftetem Stahl blieben sie stehen. Sie öffnete sich, und ein Mann in roter Rüstung und einem Drachenhelm, der ein Langschwert in einer edelsteinbesetzten Scheide an der Seite trug, trat heraus. Hinter ihm folgten acht Soldaten von gleichem Äußeren. Die Leibwache des Königs von Angmar! Seine Begleiter verneigten sich und gingen ohne ein Wort. Der Anführer der Elitekämpfer trat vor. Kein Muskel zuckte in Ishars Gesicht, noch flackerte sein Blick einen Moment. Selbst sein alter Lehrmeister hätte nicht die Überraschung wahrgenommen die ihm dieser Anblick bereitet hatte. Doch etwas stieg in ihm auf. Eine unbestimmte, erwartungsvolle, spannungsgeladene Gewissheit.
„Ich grüße euch im Namen meines Herrn, des Königs von Angmar, Shara-Sard! Mir wurde befohlen euch zu einer Audienz in die unterirdischen Hallen zu geleiten.“ Die Stimme unter dem Helm hatte wie Bronze gedröhnt, und war dennoch wohlklingend gewesen. Doch es war der Inhalt ihrer Worte der Ishar in seinen Bann schlug. Nach all den Jahren der Bewährungen war die Zeit also endlich gekommen...
Die nächsten Stunden vergingen wie ein unwirklicher Traum, wie eine berauschende Droge die sein Blut zum Kochen brachte und ihn in Fieberschauer tauchte. Frauen in dunkelroten Gewändern und mit katzenhaften Gesichtern kamen die ihn in einem kleinen, Weihrauch erfüllten Saal seiner zerschlissenen Kleidung entledigten, ihn mit heißem Wasser wuschen und mit duftenden Ölen einrieben, sein Gesicht mit Rot und Gold bemalten und ihn in Purpur und Seide hüllten. Männer in schwarzen Kutten säumten den Gang, den er durchschritt, und erfüllten ihn mit einem düsteren Gesang. Finstere, beängstigende Steinreliefs begannen die Wände und Decken der von ihnen durchschrittenen Gewölbe zu säumen, meisterhaft geformt doch Furcht einflößende Kreaturen wie aus Albträumen darstellend.
Schließlich betraten sie eine gewaltige Halle, an den Wänden gesäumt mit Statuen derselben Wesenheiten. Feuerschalen tauchten das steinerne Gewölbe in lodernden Schein. Priester in blutroten Kutten standen mit wie zum Gebet aneinander gelegten Händen an der gegenüberliegende Seite des Saals. Und in der Mitte befand sich ein schwarzer Thron, auf dem sich in einer schwarzen Kutte, Eisen gekrönt und Schatten umhüllt, der Hexenkönig in grausamer Majestät erhob.
Er trug eine Maske aus Gold in Form eines Raben vor dem Gesicht, und ließ seinen feurig heißen Blick auf Ishar ruhen. Ishar fühlte sich einen Ewigkeiten währenden Moment so, als ob ihn lodernde Flammen streiften und verzehren wollten, und spürte nur noch wie er „Mein Herr und mein König!“ ausrief und sich dann zu Boden warf und den Blick gesenkt hielt.
Dann ertönte die Stimme des Titanen: ERHEBE DICH MEIN SOHN, DENN ICH HABE MEINE HÄNDE FEST AUF DICH GELEGT UND DICH ZU MEINEM BESITZ GEMACHT! ALL DIE JAHRE IN DENEN DU KÄMPFTES HABE ICH DICH GESEHEN UND DICH GEPRÜFT! ALL DIE JAHRE HINDURCH, IN DENEN DU RUHM ERWARBST, WAR ICH STETS AN DEINER SEITE. ALL DIE JAHRE HINDURCH, IN DENEN DU VON RACHE AN DEN MÖRDERN DEINER SIPPE TRÄUMTEST UND VOM TRIUMPH ÜBER DEINE FEINDE HABE ICH DICH GELEITET. DENN ICH BIN DEIN HERRR DER DICH ZUM WERKZEUG DER RACHE GESCHMIEDET HAT. DENN DEINE VERGELTUNG SOLL AUCH DIE MEINE SEIN, UND DEIN ENDGÜLTIGER SIEG GLEICHZEITIG DER MEINE.
ERHEBE DICH, DENN HEUTE SOLLST DU ERHOBEN WERDEN.ZU MEINEM STREITER WILL ICH DICH MACHEN, DER WIE DRACHENFEUER IN DER SCHLACHT DEN FEIND VERBRENNEN SOLL. MEIN BIST DU AUF JETZT UND IMMERDAR!
Ishar kniete vor dem Schattentrohn.“Befehlt Herr und ich gehorche!“
SHARA-SARD WURDEST DU GENANNT, DEINER SCHWERTKUNST WEGEN, UND ISHAR NENNST DU DICH SELBST AUF DEINEN WANDERUNGEN, DOCH VON NUN AN SEI DEIN NAME RA-GASHVIR, DIE KLAUE DES ROTEN FEUERSTERNS, UND SO SOLLST DU IM KRIEGSRAT UND VON DEN PRIESTERN GEHEIßEN WERDEN. DENN DIE TRUPPEN DIE DU ANFÜHRST WERDEN DIE KLAUEN SEIN, DIE CARDOLANS FAULES FLEISCH ZERREISSEN UND ALL DIES LAND IN MEINE HAND LIEFERN. DU SOLLST ALS GESALBTER HERRSCHER IN MEINEM NAMEN ÜBER DEN SÜDEN, DEINE HEIMAT, TROHNEN. DIE IST DEINE BESTIMMUNG, DAFÜR HAST DU GEFOCHTEN.
Ishar wurde schwindelig. Alles was er sich je erträumt hatte, alles worauf er selbst kaum je zu hoffen gewagt hätte lag nun plötzlich zum greifen nah vor ihm. Endlich, nach all den Jahren in der Verbannung... Nun würde er als siegreicher Eroberer zurückkehren. Tränen traten ihm in die Augen, zum ersten Mal, seit vielen Jahren... seit die Burg seines Vaters in Flammen aufging... seit er dem Herrscher Cardolans ewige Rache schwor...
DIE ZEIT IST FAST REIF FÜR DEN UNTERGANG DER WESTREICHE, BALD SCHON, BALD WERDEN SICH UNSERE ARMEEN ERHEBEN UND DIE MENSCHEN DES WESTENS IN EINEM MEER AUS BLUT HINWEGSPÜLEN. DU WIRST EINS MEINER WERKZEUGE DAZU SEIN. DU WIRST DICH VORBEREITEN AUF DEN RUHMREICHEN KRIEG UND DEN FEIND SCHWÄCHEN, BIS SEINE ZEIT GEKOMMEN IST! WENN DU NOCH NICHT IHN SELBST TREFFEN KANNST NIMM IHM SEINE VERBÜNDETEN! BRICH AUS SEINER VERTEIDIGUNG EINZELNE ECKSTEINE HERAUS BIS DIE GANZE BURG ZUSAMMENFÄLLT! SAMMLE GEFOLGSLEUTE IM HERZEN DES GEGNERS, UM IHM, BEVOR ER ES AUCH NUR WAHRNIMMT, DEN TÖDLICHEN STOß ZU VERSETZEN.
ICH STELLE DIR RHAOUL, EINEN MEINER VERTRAUTEN ZUR SEITE. ER WIRD DICH ANLEITEN UND FÜHREN, WO DU SEINES RATES BEDARFST. DURCH FEUER UND EIS SOLLST DU WANDELN BEVOR DU DICH MIT DER KRONE DES SÜDENS SCHMÜCKEN DARFST. GEH DEINEM SCHICKSAL ENTGEGEN!
„So sei es, mein Herr und Gebieter!“ Von Stolz und Ehrfurcht durchströmt verneigte sich Ishar lange und tief. Einer der Mönche in roter Kutte trat vor und zusammen verließen sie die Hallen der Macht, Angmars Klauen, die sich nun mit tödlicher Schärfe nach allen freien Völkern Mittelerdes auszustrecken begannen.
(Holger)