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Der Roman „Angmar“
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Der Untergang Númenors
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Zeittafel




Der Felsgarten

Der Schnee knirschte unter den Füßen Ishars, als er den Hang hinauf stapfte. Es schneite wieder und die Luft war von trockener Kälte. Kein Windhauch regte sich und die Sonne schien hell durch breite Risse in den Wolken. Zehn Männer folgten Ishar in einer unregelmäßigen, schräg abfallenden Reihe in weitem Abstand.
Ihre Pferde hatten sie am Fuße des Abhanges bei hundert weiteren Angmarim zurückgelassen. Nur ein einzelner schwarzer Vogel kreiste irgendwo in der Ferne.
Als Ishar sich dem Kamm des Hügels näherte tauchten einzelne kahle Sträucher auf, die sich vom blauen Hintergrund abhoben und verkohlt waren. Während vorne der einzelne Mann stehen blieb und die schwarzen Sträucher betastete kamen seine Gefährten heran und gruppierten sich in einem Kreis um ihn herum.
Ishar beugte sich herunter und kratzte mit den Fingernägeln am Geäst. Es zerbröselte ihm unter den Händen. Er nahm eine Hand, die nun vom schwarzen Staub bedeckt war, in den Mund. Selbst jetzt noch fühlte sich der Staub warm an.
Der gedrungene, in Stahl und Pelze gekleidete Mann direkt hinter ihm blähte die Flügel seiner flachen Nase und sog schnüffelnd die Luft ein. In einer Geste des Abscheus machte er nur eine merkwürdige Bewegung mit der rechten Hand, bei der er den kleinen und den Ringfinger weit abspreizte. In seinem breiten Gesicht mit der gelblich-braunen Haut und dem struppig schwarzen Haar unter der Fellmütze regte sich trotzdem kaum ein Muskel. Nur die schmalen Augen verengten sich noch weiter, und sein wuchernder, auf der Brust spitz zulaufender Bart wurde von der linken Hand gestrichen.
Ishar spie aus und blickte sich um.
Der Sarkajan nickte ihm nur knapp zu.
Die beiden links und rechts neben ihm stehenden, hoch gewachsenen Männer mit den Streitäxten in ihren Händen traten auf Ishar zu. Als ihr Feldherr aufstand, deutete er auf die am Fuße des Hügels zurückgebliebenen restlichen Krieger. Die beiden drehten sich um und machten sich an den Abstieg.
Unter den unten Wartenden befand sich einer, den man zu Boden geworfen und die Hände auf den Rücken gebunden hatte. Sein Kopf wurde immer wieder von einem Pelzstiefel in den Schnee gedrückt. Manchmal versetzte man ihm auch Tritte in die Seite .Der Blondschopf wand sich und versuchte immer wieder vergeblich auf die Beine zu kommen und aufzuspringen, um seinen Bewachern zu entfliehen. Aber es gelang ihm nicht einmal den Oberkörper richtig aufzurichten, und kaum hatte er einen Fuß auf die Erde gesetzt, wurde er ihm auch schon wieder weggeschlagen und ein Knie in die Magengrube gerammt. So blieb er mehrmals stöhnend liegen bis er es aufgab und sich stumm in den frostigen Schnee sinken ließ.
Als er das letzte Mal den Kopf aufrichtete sah er die zwei schwarzen Punkte von weitem den Abhang wieder herunterkommen, und während er den metallischen Geschmack von Blut in seinem Mund spürte wurden diese Punkte aus der hohen weiß-kalten Ferne des weiten Hanges zu Gestalten von Menschen. Und als er das dünne Sickern von Blut aus seiner gebrochenen Nase wahrnahm, wurden diese Menschen zu zwei hoch gewachsenen Dunedain-Kriegern mit langstieligen Äxten in beiden Händen. Und als er in der Kälte des Schnees und der Luft und der spärlichen Wärme der fernen Sonne wieder Klarheit in seinem von den Schlägen dröhnendem Kopf hatte, kamen diese Vertrauten des Feldherren aus Carn Dum noch immer geradewegs auf ihn zu und verkürzten die Entfernung mit jedem Schritt. Da begann das Blut in seinen Adern an den Schläfen zu pochen. Und immer noch hielten sie die furchtbaren Waffen von großer Schmiedekunst mit den glänzenden Axt-Blättern mit von beiden Händen weit gefassten Stielen quer vor ihren Körper. Kein Mann stand zwischen Ihnen und IHM! Und die Bewacher an seiner Seite traten zurück.
Nur einer hinter ihm packte ihn mit kräftigen Händen im Haar und riss seinen Kopf zurück bis er ihm diesen fast auf den Rücken bog, während er ihm seine schweren, eisenbeschlagenen Stiefel ins Kreuz drückte. Nun sah der Nordmensch aus dem Reihen des Lagerkommandanten Gadar nur noch den Himmel aus dem ihm der Schnee direkt ins Gesicht fiel und in den weit geöffneten Mund, aus dem der Atem stoßweise hervor drang. Vor sich hörte er einen Ruf, den er nicht verstand, weil der alte, bereits graubärtige aber sehnig-harte Krieger, der ihn hielt, ihm in diesem Moment nocheinmal einen besonders schmerzhaften Tritt ins Kreuz versetzte, das unter dem anhaltenden Druck zu knacken anfing und er so von rasendem Schmerz durchzuckt wurde. Sein Röcheln verriet nichts vom Brand im Fleisch seines Körpers, wo seine Haut aufgerissen worden war.
Seine Oberbekleidung und Pelze waren heruntergerissen und im umgebenden Schnee verstreut. Seine Mütze lag schräg-links von ihm und Kälte hätte ihn sehr gequält wenn er die ganze Zeit seit seiner Entdeckung, seit er halbnackt im Schnee lag, nicht andere Dinge zu erdulden gehabt hätte. Nur hinter sich konnte er nun den Antwortruf vernehmen, der sein Blut noch schneller rasen und den Atem stoßweise hervor keuchen ließ. Rote Schlieren begannen vor seinen Augen aufzusteigen. „Dann tötet den dreckigen Spion eben!“
Sein Haarschopf wurde losgelassen und ein weiterer schmerzhafter Tritt in den Rücken schleuderte ihn aus seiner knieenden Position wieder ein Stück nach vorne, so dass er kopfüber in den Schnee fiel, direkt vor die Füße von Ulbar und Sakalthor. Ächzend versuchte er noch einmal zu ihnen hochzusehen, nicht mehr um sie davon zu überzeugen das er nur auf Jagd in dieser Gegend gewesen sei, sondern um im Angesicht des Feindes zu sterben wie es einem Krieger gebührte. Doch bevor seine Blicke hoch genug wandern konnten hatte das Schneiden der Äxte schon die Luft zerrissen und trennte ihm den Kopf doppelt vom Rumpf. Beide Äxte hatten den Hals durchschnitten.
Ulbar, der zur Linken des Gerichteten stand, nahm, nachdem das knackende Geräusch von der sauberen Durchtrennung von Genick und Hals zeugte, den Fuß vom Schulterblatt und wischte ihn verächtlich im Schnee ab. Sakalthor trat noch einmal gegen den Kopf des Toten so dass er ein Stück weit wegflog und mit den offenen Augen nach oben gerichtet im Schnee liegenblieb. „Begrabt den Leichnam tief. Wir wollen weder Wölfe noch andere Kreaturen oder weitere Späher anlocken!“
Doch Ulbar schüttelte den Kopf. „Nein! Der Körper hier ist genau das richtige Stück Fleisch das wir jetzt gebrauchen können. Und den Kopf sollte unser Herr diesem aufsässigen Hund Gadar überreichen bevor er ihm auch seinen eigenen abschlägt.“
Sakalthor zögerte und sein eckiges Gesicht verzog sich, zuletzt nickte er jedoch langsam: „Vielleicht... aber ich weiß nicht ob es klug ist sie auf den Geschmack von gerade dieser Art von Fleisch zu bringen!“
Er wandte sich um und ging einige Schritte bis zum abgetrennten Kopf. Sakalthor packte ihn im dichten blonden Haar und hob ihn an, bis er ihn in Gesichtshöhe direkt vor sich hielt.
Blut strömte aus dem dicht unterhalb des Halsansatzes abgetrennten Stumpf nach unten. Es würde nach einer Weile aufgrund der Kälte aufhören, die dafür sorgte, dass sich Adern zusammenzögen und Wunden schlössen, dachte Sakalthor. „Wäre es wärmer könnte er noch Stunden bluten, obwohl er tot ist.“
Er versuchte im überraschten Antlitz das vor ihm an den eigenen Haaren hing zu erkennen was der Mann wohl gedacht haben mochte als ihn der tödliche Streich traf.
Aber da war nur Leere in den aufgerissenen Augen. Ernüchtert ließ Sakalthor los und wandte sich ab.


Auf der höchsten Höhe des in Wellen ansteigenden Hügelkammes jenseits der Sträucher bot sich eine weite Aussicht auf ein felsblockübersätes Stück Land. Grau ragten große Findlinge aus dem weißen Untergrund, und braun lagen Brocken der Berge abgesprengt auf erstarrten Bächen. Auffällig viele braune Stellen waren zu sehen wo sich die Decke gerade erst wieder zu schließen begann, im Schatten der hohen Steilzähne denen gleich die Felsen sich vielfach und drohend in die Lüfte reckten, aber nicht klar und gerade sondern wild wie sie Zeit, Ströme des Wassers und Elemente geschliffen und gesetzt hatten. Da war viel freier Raum mit trügerischem Eis über schmalen Rinnsalen, und da waren Reihen aus kleinen Granittürmen die dem Horizont mit den lockend großen Bergen entgegenliefen. Dem Tal entsprungen schienen flache Platten, die übereinander geschichtet in der Mitte der Ebene etwa eine Art Insel im Schnee- und Zinnenmeer bildeten. Dort, in der Mitte, wo die Zähne als steil-starre Auswüchse aus der Ebene hervorsprangen, umstürzten und aneinander lehnten um schließlich wieder in weit auseinanderstehender Folge eine sich entfernende Kolonne zu Paaren oder einzeln hintereinander gereihten Felsnadeln zu bilden, waren die Platten aneinander geschoben und übereinander geschichtet. Eine Art Treppe die dunkelbraun immer mehr in sich selbst hineinwachsend von allen Seiten an Höhe gewann und sich spiralförmig-kegelnd mit natürlichen Unregelmäßigkeiten und Vorsprüngen von den Monolithen umzingelt inmitten dieser weiten Fläche massierte. Zuoberst auf dieser sich schließlich über die wohl fünf Schritt hohen Monolithen noch einige Armlängen erhebenden Formation lag ein Plateau von vielleicht 200 Schritt Durchmesser, welches kahl und flach war. Eine leere dunkelbraune Handfläche inmitten hunderter und aberhunderter grauer Finger gleichsam. Irgendwo in weiter Ferne war Knirschen von Eis zu hören, und das Geräusch abbrechende Steins, der auf anderen Stein aufschlug. Von den fernen Bergen auf der anderen Seite des Tal drangen schwache Echos von Geröllpoltern zurück.


Es war Felsenland. Pferde hassend, Fuß brechend und Männer leitend über Straßen aus Fels, Brücken bauend und Fallen stellend.
So war es nicht leicht zu erkennen ob hier in letzter Zeit jemand gewesen war, im Gegensatz zu dem offenen Landstrich davor, wo man auch den in weitem Abstand folgenden angeblichen Jäger aufgespürt und eingekreist hatte. Als sie das Lager verlassen hatten war nicht gesagt worden wo ihr Ziel lag. Ishar indes hatte einige seiner Männer in weiterem Umkreis um die Hauptgruppe herum verteilt und ihnen nur weiße Pferde und helle Pelze gegeben. Als sich ihr heimlicher Verfolger umgesehen und bemerkt hatte, dass er seinerseits verfolgt wurde war es zu spät gewesen. Ein Horn-Signal hatte die anderen Fährtensucher herbeigerufen, die ihn zur steil aufragenden Gebirgswand abdrängten und ihm so den Weg abschnitten. Sein Pferd wurde von einem Pfeil verwundet und er abgeworfen. Damit war sein Schicksal besiegelt.
Doch hier, in dieser Gegend, war das Gelände für Reiter unwegsam und der Untergrund tückisch. Die Schneedecke war trügerisch, denn manchmal gab es Spalten, die mit Tiefschnee gefüllt waren.
Deshalb ließ Ishar seine Leute hintereinander gehen, den Sarkaja-Fährtensucher mit dem Köcherbogen auf dem Rücken und dem Kurzspeer in der linken Hand voran.
Direkt hinter ihm ging Ishar selbst, dann folgten die anderen in Zweierpaaren. So wand sich die Gruppe wie ein großer Wurm hinein in die Felslandschaft aus Schnee und großen Blöcken, die wie hingeschleudert dalagen oder halb-stehend, halb-kippend aneinander gelehnt bizarre Zäune und Tore formten, während zähe Sträucher in ihrem Windschatten kauerten. Je mehr man ins Innere der Felsebene vordrang desto mehr ließ man die Geröllfelder des äußersten Randes hinter sich und begann zwischen Toren aus Felsnadeln hindurchzuschreiten. Je weiter man nach vorne durchdrang, desto mehr richteten sich die Blöcke auch zu schräg oder fast gerade empor zeigenden oben abgekanteten Monolithen auf. Doch immer noch blieben Brückenreigen die aneinandergestützt und flach über der Erde schwebend, nur mit dem Grundsockel in sie eingegraben, fortweisende Wege bildeten.
Weit hinten fluchte ein Mann in der Kolonne, als sein Fuß durch das Eis eines zugefrorenen Baches brach und er nach vorne stolperte. Fast hätte er jemanden mit zu Boden gerissen, doch der Sarkajan aus den Bergtälern südlich des Massivs, in dem dieses große Tal lag, fand Halt an einem verwitterten Stein. Wie ein Habicht krallte er sich in den Rillen fest und sprang geschickt hinauf. Sein Volk war das erste gewesen, das diese Hochplateaus durchquert hatte. Zumindest behaupteten das die sehnigen und ausdauernden Söhne Ulwainas stets von sich.
Die braunhäutigen Sarkajan mit den dunklen Augen unter Ishars Männern wichen am besten den Schneewehen im zunehmend labyrinthisch werdenden Steinwald mit trügerischen Flächen als Unterbrechung aus. Die fast achtzig Männer, die der Feldherr mitgenommen hatte, sprangen über Risse im Boden, umgingen Schlammlöcher und liefen zeitweise über sich aneinander anschließende Findlingsketten, großen Schädeln gleich, die jemand aneinander geschmettert und liegen gelassen hatte.
Durch ein Dreieck aus zwei Felsnadeln, die sich mit den Spitzen berührten, hindurch schreitend, führte der Späher an der Spitze die Krieger über einen flachen Findling auf eine dem Boden zugeneigte Steinrampe die nur ein Schritt breit war, aber sehr lang.
So gelangten die Angmarim mit ihrem Anführer auf das sich aneinander anschließende Hochnetz, auf dem sie balancierend und kletternd auf kruden Straßen und bröckelnden Wegen vorankamen. Dort, wo das braune Plateau lag, machten sie schließlich halt.


Sie standen nun in der Mitte des Felsgartens...
(Holger)