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Der Roman „Angmar“
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Der Untergang Númenors
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Zeittafel




Nachrichten mit Folgen

"Und Sauron teilte die Ringe der Macht unter den Völkern Mittelerdes auf", fuhr Elrond fort, "jedoch nicht die drei Ringe der Elben, welche allein von Celebrimbor dem berühmten Elbenschmied gemacht waren, und die Sauron nie angefasst hat. Sieben bekamen die Zwerge und neun die Menschen. Er wollte beide Völker an sich binden. Bei den Zwergen verfehlte er jedoch sein Ziel, denn sie benutzten die Ringe kaum und was aus ihnen geworden ist, weiß ich nicht genau, aber bei den Menschen erreichte Sauron, was er wollte, sie konnten seiner Macht nicht widerstehen und wurden zu den neun Ringgeistern, seinen schrecklichen und gefährlichsten Dienern. Für unsere Augen sind sie nicht sichtbar, außer wenn sie ihren Körper verhüllen, und auch dann wirst du nur ihre Verhüllung sehen, nicht aber ihr Gesicht oder ihren Körper, denn allein Sauron kann sie sehen und sie sind völlig unter seiner Gewalt und werden sich daraus auch nie befreien können."
Elrond machte eine nachdenkliche Pause und Maglin sah, dass sich Sorgenfalten auf der schönen Stirn des weisen Elben bildeten. Er war ganz verwirrt, so eine unheimliche Geschichte hatte er noch nie gehört. In seinem Kopf spukten verhüllte Gestalten ohne Gesicht und Körper, eine schauerliche Vorstellung und er mochte gar nicht daran denken, dass es so etwas Abscheuliches in dieser Welt gab, die er von Sonnenlicht durchflutet durch das Fenster sehen konnte. Nach längerem Nachdenken drängte sich ihm immer mehr eine Frage auf: "Wo sind die Ringgeister jetzt?" fragte er schließlich.
Elrond schaute auf: "Das weiß ich nicht, aber was ich weiß ist, dass sie unterwegs sind. Erst vor kurzem wurde wieder einer von ihnen gesehen. Verhüllt mit einem schwarzen Umhang und auf einem schwarzen Pferd reitend. - Das ist ein schlechtes Zeichen, irgendwas kommt auf uns zu.", fügte er leise hinzu.
Maglin schauderte. Elrond schaute ihn an und legte die Hand auf seine Schulter. "Aber genug für heute, Maglin. Ich fürchte du hast jetzt vieles worüber du nachdenken kannst."
"Du hast wie immer Recht, Meister Elrond. Diese Geschichte hat mich sehr erschüttert." Elrond lächelte und geleitete ihn zur Tür. Maglin beeilte sich in sein Schlafgemach zu kommen, jetzt musste es sich erstmal hinlegen und nachdenken.
In der Tat hatte er, seit er in Elronds Haus kam, noch nie etwas derartiges gehört, obwohl Elrond ihm schon viele Geschichten erzählt hat, gute und böse und er wusste schon viel über die Geschichte Mittelerdes und der Völker die dort leben. Das war auch das Ziel seines Vaters gewesen, als er ihn hierher brachte. Und sein Vater war kein geringerer als Arveleg, König von Arthedain, eines der drei Königreiche von Arnor. Maglin war sein zweiter Sohn und Maglins Bruder war Araphor. Arveleg war gut befreundet mit Elrond und der mächtige Elb hatte den aufgeweckten Maglin schon früh in sein Herz geschlossen. Als dieser 15 Jahre alt war, bat Arveleg Elrond ihn eine Weile in Bruchtal aufzunehmen und ihn in der Geschichte Mittelerdes zu unterrichten, denn Elrond war der beste Lehrer, den man sich denken konnte, und er willigte auch sofort ein.
"Nimm ihn bei dir auf und lehre ihn in der Geschichte Mittelerdes, denn neben meinem Ältesten ruht in ihm eine große Hoffnung meines Volkes." Dies sagte Arveleg eines Tages zu Elrond und so lebte Maglin jetzt schon vier Jahre in dem schönen Haus, dass die Elben Imladris nennen. Und viele seiner Verwandten lebten auch dort, denn in dieser Zeit waren viele vom Stamm der Dunedain in Elronds Haus beherbergt.
Für Maglin war es eine willkommene Abwechslung gewesen. Er mochte das im schönen Tal von Bruchtal gelegene Haus gerne und liebte dessen Bewohner, die vielen Geschichten, die dort erzählt wurden, und die Lieder, die dort gesungen wurden. Aber vor allem bewunderte er Elrond. Elrond war einer der mächtigsten und weisesten Elben die zu der Zeit in Mittelerde lebten und viele andere mächtige Elben hielten sich zu Zeiten in dem schönen Haus auf und manchmal kam sogar einer der Istari, der weisen Zauberer vorbei. Nie vergaß Maglin wie er zum ersten Mal einem von ihnen begegnete. Es war Gandalf gewesen, den die Elben Mithrandir nennen. Man konnte ihm geradezu ansehen, was für eine Macht und Weisheit er hatte und seine Augen funkelten in einem seltsamen Glanz.
Aber in all dem bunten Treiben dieses Hauses vergaß er nie ganz seine Heimat und er war etwas besorgt, denn lange hatte er keine Nachrichten mehr erhalten wie es in dem in drei Reiche geteilten Arnor stand. Die drei Königreiche lagen oft im Streit und Elronds Sorgenfalten und die leise Andeutung, dass noch etwas auf sie zukommen würde, hatte er natürlich bemerkt und nicht vergessen.
Er hatte Mühe an diesem Abend einzuschlafen. Tausend Gedanken schossen ihm durch den Kopf. Am meisten beschäftigten ihn die Gedanken an das Gespräch mit Elrond und seine Heimat und er rätselte, was wohl Elronds Andeutungen mit seinem Land zu tun haben könnten, denn sein Herz sagte ihm, dass es, was auch immer es sein mochte ihn und sein Land besonders betraf auch wenn es noch nicht so bald eintraf.
Am nächsten Morgen jedoch wachte er auf, die Sonne schien ihm ins Gesicht und seine trüben Gedanken verflogen schnell. Nach dem Frühstück beschloss er einen Spaziergang durch das Tal zu machen, er wanderte gerne im Tal umher und manchmal auch in den Ländern außerhalb, obwohl ihm diese Gegend nicht besonders geheuer war. Angst hatte er aber nicht, denn schon früh hatte er gelernt mit einer Waffe umzugehen und trug immer ein Messer bei sich. Orks oder Ähnlichem war er zwar noch nicht begegnet, aber er kannte sie aus Geschichten und wusste auch, dass es ganz in der Nähe der Grenzen seines Landes, in den nördlichen Gegenden welche gab. Man hatte ihm jedoch, bevor er zu Elrond kam, nie erlaubt dorthin zu gehen. Er war einfach noch zu jung gewesen. Es wird erzählt, dass in diesem Land, welches sie Angmar nannten, eine böse Macht hauste, was es aber genau war, wusste keiner so recht, noch nicht einmal Elrond. Er fragte sich, was aus den Orks geworden war. Seit dem Krieg, den sein Großvater gegen Rhudaur und Angmar geführt hatte, und bei dem er umgebracht wurde, war ihre Zahl gleich geblieben und nichts Großes hatte sich verändert. Wieder kamen ihm Elronds Andeutungen in den Sinn. Hatten sie etwas mit Angmar zu tun? Ihm wurde unwohl bei diesem Gedanken. Es drängte ihn zu erfahren wie es in seiner Heimat stand.
Es war ein schöner Morgen, die Sonne schien und im Tal stand alles in voller Blüte. Maglin zwang sich seinen Sorgen zu vergessen. Viele Elben traf er auf seinem Weg und alle grüßten ihn freundlich, wie immer. Er mochte Elben gerne, sie sangen so fröhliche Lieder und waren so schön anzusehen und ihr Haar und ihre Augen schimmerten in einem seltsam schönen Licht. Allmählich kam er an den Rand des Tales, er beschloss noch ein bisschen weiter zu gehen. Als er um eine Wegbiegung kam, sah er einen Mann der sein Pferd den steilen Pfad hinunter führte. Maglin blieb stehen und beobachtete den Mann, er war ganz in braun gekleidet. Als der Mann ihn erblickte rief er aus: "Ah, Maglin! Schön, dass ich dich treffe! Ich bin auf dem Weg zu Elrond!"
Maglin starrte den Fremden an, wer war dieser Mann? Und woher kannte er seinen Namen? Da kam ihm plötzlich die Erinnerung.
"Radagast!! Welch eine Ehre!" Er verbeugte sich. Natürlich, Elrond hatte ihm Radagast einmal vorgestellt, er war einer der Istari, wie hatte er das bloß vergessen können.
"Schön das du dich noch an mich erinnerst Maglin! Begleitest du mich zu Elrond? Ich bringe Nachrichten, sie betreffen übrigens auch in erster Linie dich!"
"Mich???" Maglin war überrascht, und plötzlich flammte Hoffnung im seinen Herzen auf. "Aus Arnor? Ich habe lange nichts mehr von meinem Vater gehört!"
Radagast lächelte: "Du wirst es bald erfahren. Bringe mich erst mal zu Elrond."
So marschierten sie den Weg zurück, den Maglin gekommen war und er brachte Radagast zu Elrond. Der war erfreut über den unerwarteten Besuch.
"Radagast!! Mae govannen! Was führt dich zu mir?"
"Mae govannen Elrond! Ich bringe Nachrichten aus Arnor und aus den Ländern östlich des Anduins", antwortete Radagast.
Maglin horchte auf und sein Herz begann zu klopfen.
"Komm herein und berichte!", forderte ihn Elrond auf und warf Maglin einen Blick zu und bedeutete ihm zu gehen aber Radagast, der dies bemerkte, sagte: „Lass den Jungen ruhig hier, ein großer Teil meiner Nachrichten betreffen ihn persönlich.“ Und so setzte sich Maglin zu den beiden und verfolgte gespannt das Gespräch.
"Es sind leider keine guten Nachrichten, aber das war ja auch zu erwarten. Du hast bestimmt schon von den Nazgûl gehört, sie sind wieder unterwegs."
"Das ist mir allerdings nicht neu. Es hat mir viele Sorgen bereitet in den letzten Wochen. Aber fahre fort Radagast!"
"Die Macht des Feindes in Angmar nimmt zu, er versammelt immer mehr Orks um sich. Einige von ihnen schickt er zu den Zwergenminen im Norden, sie haben den Auftrag die Zwerge zu vertreiben. Aber wenn du mich fragst Elrond, ich glaube es sind nicht nur Orks, die er dorthin schickt. Ich weiß zwar nicht welche Trümpfe er noch ausspielen wird, noch warum er die Zwerge aus ihren Minen vertreiben will, aber es passiert etwas." Radagast senkte die Stimme und er und Elrond warfen sich besorgte Blicke zu.
Das Gesicht des weisen Elben hatte sich zusehends verdunkelt.
Nach einer Weile fuhr er fort: "Natürlich bleibt Arnor auch nicht vom Feind verschont. Mehrmals wurden Arthedain und Cardolan schon von Orks angegriffen. König Arveleg macht sich schwere Sorgen und rechnet bald mit einem großen Angriff. Abgesehen davon hat er ja schon genug damit zu tun seine Grenzen gegen Rhudaur zu verteidigen und jetzt noch die Offensive aus Angmar...- Aber nun komme ich zu der Maglin! Ich habe auf meinem Weg einen Boten aus Fornost getroffen, der mir die Nachrichten übergeben hat."
Maglin hatte die ganze Zeit dagesessen und sah seine Vorahnungen in den Berichten Radagasts wahr werden. Er blickte Radagast mit sorgenvollem Gesicht an.
"Dein Vater bittet dich so schnell wie möglich nach Fornost zu kommen. Die Lage wird immer brenzlicher und er braucht Unterstützung. Du bist zwar noch sehr jung, aber er hat Vertrauen in dich."
Maglin fühlte sich keineswegs besser nach diesen Worten. Neben der Liebe zu seinem Vaterland und seinem Volk und dem Willen alles für sein Land zu tun, bekam er Selbstzweifel. Ihn erwarteten offensichtlich große Aufgaben und er war sich keineswegs sicher, ob er diese auch erfüllen konnte. Außerdem wurde er etwas traurig bei dem Gedanken dieses schöne Haus bald verlassen zu müssen.
Er blickte zu Elrond, der sah ihn ernst an und sagte: "Ich weiß, dass es nicht leicht für dich ist, Maglin, aber es wird Zeit, dass du auch lernst Verantwortung zu übernehmen und die Pflichten deines Landes wahrzunehmen. Und glaube mir, wenn dein Vater dir das nicht zutrauen würde, würde er dich auch jetzt noch nicht zurückholen. Es wird deine erste große Prüfung sein, aber sie war nicht länger aufzuschieben. Du bist jetzt 19 Jahre alt, es wird Zeit, dass du richtig erwachsen wirst. Auch wenn ich bedaure, dass es gerade in dieser Zeit ist, habe ich volles Vertrauen in dich, Maglin. Ich weiß zwar, dass du Geschichten und Weisheit höher schätzt als Krieg und Kampf, aber du wirst die andere Seite von dir bald kennen lernen."
Elronds Worte machten Maglin etwas zuversichtlicher, aber das Ganze musste er erst mal fassen. Er beschloss wieder hinaus zu gehen und auf einem langen Spaziergang durch eines der sichersten Täler von Mittelerde, alles noch mal gründlich zu durchdenken und er wunderte sich selbst etwas, dass er sich mit einem Mal mutiger fühlte.
(Irmela)