Allgemein
Homepage | Aktuell | faq | Tolkiens Romane | Jacksons Verfilmung | Bilder | Musik | Spaß in Mittelerde | Links | Gedichte | Geschichten | Suchen in der website | Chat | Forum |
Gästebuch

Der Roman „Angmar“
Spielregeln | Romanvorgabe | Die Autoren | Eigennamen | Entwürfe (zeitlich) | Entwürfe (nach Personen) | Stand des Romans | Zeittafel

Der Untergang Númenors
Spielregeln | Romanvorgabe | Die Autoren | Eigennamen | Entwürfe (zeitlich) | Entwürfe (nach Personen) | Stand des Romans |
Zeittafel




Auf dem Weg zum Amon Sûl
Den restlichen Tag verbrachte Maglin damit, seine Sachen zusammen zu packen. Elrond führte ihn in den Stall und zeigte ihm sein Pferd. Es war ein schönes Tier und die beiden schienen sich von Anfang an zu verstehen. Viele Sachen besaß er nicht, nur seine Kleider, einige Bücher über die Geschichte Mittelerdes und hinzu kamen Verpflegung und eine Trinkflasche. Sein Messer steckte er in den Gürtel. Als er wieder ins Haus zurückgehen wollte, kam ihm Elrond entgegen. "Hallo Maglin. Gut, dass ich dich hier treffe, ich wollte zu dem, was ich dir gestern über deinen Weg gesagt habe noch einige Dinge hinzufügen. Komm mit, wir gehen wieder zu der steinernen Bank auf der Ostseite, da sind wir ungestört."
Als sie dort angekommen waren, setzten sie sich nebeneinander und der weise Elb ließ seinen Blick eine Weile auf Maglin ruhen, bevor er anfing zu sprechen: "Ich war gestern zu tief in Gedanken, daran zu denken, dir noch einige wichtige Dinge zu sagen. Der erste Abschnitt deiner Reise zum Amon Sûl, wird der schwierigste und gefährlichste werden, denn er führt dich durch das Land Rhudaur. Du wirst vor vier Jahren sicherlich bemerkt haben, dass es ein sehr raues Land ist. Sowohl seine Landschaft als auch seine Bewohner. Die Menschen die dort leben, stehen, wie man weiß, nicht unbedingt auf freundlichem Fuß mit deinem Volk und unsereins. Ich weiß nicht wieviel du von ihnen weißt, aber sie leben zum größten Teil als Nomaden und es wird gesagt, sie hätten dunkle Verbindungen mit den gefährlichen Ländern im Norden und trieben Handel mit diesen. Sei auf der Hut Maglin, denn seit 1355 der letzte Dunedain-Herrscher starb und 1352 der Krieg ausbrach, ist dieses Land immer gefährlicher geworden. Deswegen rate ich dir, deinen wahren Namen und deine Herkunft nicht zu erwähnen, solltest du den Menschen begegnen. Ich glaube dann werden sie dir auch ein Lager für die Nacht anbieten. Gut, das wichtigste ist, dass du es durch dieses Land schaffst. Sobald du die Grenzen zu Arthedain überschritten hast, wirst du den schwierigsten Teil deiner Reise überstanden haben. Es wird glaube ich ungefähr drei Tage dauern, bis du zum Amon Sûl gelangst."
"Danke Elrond, für deinen Warnungen. Sie lassen meine Reise zwar in einem dunklen Licht erscheinen, doch ich denke, dass ich trotzdem guten Mutes sein kann."
-
Am Abend rief ihn Elrond in die große Halle. Dort stand ein langer, reich gedeckter Tisch und fast alle aus Elronds Haus waren versammelt. Sogar Radagast war noch geblieben. Als alle saßen, Maglin saß neben Elrond, was eine große Ehre sein musste, erhob sich Elrond. "Wir haben uns heute abend versammelt, um deinen Abschied zu feiern, Maglin. Du warst jetzt vier Jahre in diesem Haus und ich glaube, alle hier haben dich in ihr Herz geschlossen. Es leben ja auch viele aus deinem Volk hier. Wir sind alle traurig, dass du uns jetzt verlässt, verstehen aber nur zu gut, warum diese Trennung jetzt sein muss. Vier Jahre in denen unsere Freundschaft mit jedem neuen Tag größer wurde und das Verständnis zwischen Elben und Menschen wuchs. Du hast an unseren Festen teilgenommen, mit uns gesungen und gelacht und zu guter Letzt warst du mein Schüler und es hat mir selten soviel Spaß gemacht ein Menschenkind zu unterrichten.
Ich hoffe, dass du diese Zeit lange in Erinnerung behalten wirst, und möchte dir ein Buch überreichen, in dem viele Lieder in elbischer Sprache geschrieben stehen, viele wirst du kennen, damit du dich auch an das erinnerst, was wir Elben am liebsten tun: Singen. Lieder die unsere endlos lange Vergangenheit beschreiben.
Und nun lasst uns unsere Gläser erheben und auf dein Wohl und unsere gemeinsame Zeit trinken." Als sich Elrond wieder hingesetzt hatte, und alle ihre Gläser erhoben und getrunken hatten, stand Maglin auf, der Elronds Worten ehrfürchtig gefolgt war. Nun war es an ihm "Danke" zu sagen. "Meine lieben Freunde, Meister Elrond, nun ist die Reihe an mir, mich zu bedanken. Für vier tolle Jahre, in denen ich viel gelernt habe und die ich genossen habe. Denn mit Elben zusammen zu sein, ist glaube ich die beste Gesellschaft, die man sich denken kann und ich freue mich hier gewesen zu sein und das erlebt zu haben.
Auch ich bin traurig euch nun verlassen zu müssen und gehe nicht mit trockenen Augen, aber mir steht ein neuer Abschnitt meines Lebens bevor, indem ich mein Herz wieder meinem Vaterland zuwenden muss. Aber wenn ich irgendwann die Möglichkeit bekommen sollte, hier wieder herzukommen, werde ich es gewiss tun. Ich hoffe, dass Imladris noch lange bestehen bleibt, denn es tut gut in diesem Haus zu weilen und ein Tag hilft schon, neuen Mut und Zuversicht zu fassen. Und vor euch verneige ich mich Meister Elrond, denn einen besseren Lehrer kann man in Mittelerde nicht finden und ich bedanke mich für das Buch. Es wird mich in manchen schweren Stunden an euch und an die Fröhlichkeit in eurem Haus erinnern."
Dann verbeugte er sich und die versammelten Elben und Menschen klatschten lange, bevor sie anfingen zu essen.
Es war ein Abend, so schön, wie ihn Maglin selten erlebt hatte. Er ging spät zu Bett, aber mit einem Lächeln auf dem Gesicht und Freude in seinem Herzen, einen so schönen Abschied gehabt zu haben.
-
Am nächsten Tag schien die Sonne warm und hell von einem blauen Himmel herunter. Maglin war früh aufgestanden, hatte sein Pferd gesattelt, es mit all seinen Sachen beladen und hatte ein kurzes Frühstück zu sich genommen. Jetzt stand er vor Elronds Haus. Viele Elben und auch viele aus seinem Volk hatten sich noch mal versammelt um ihm ein letztes Mal "Lebe wohl" zu sagen. Elrond sah ihn lange an, dann trat er vor, umarmte ihn und sagte: "Lebe wohl Maglin. Du hast jetzt eine lange Reise vor dir, bis du in deine Heimat kommst. Ich wünsche dir viel Glück und hoffe, dass du irgendwann mal wieder zurückkommst. Möge der Segen von Elbereth und allen Elben und Menschen dich begleiten."
"Lebe wohl Elrond! Gerne war ich in deiner Gesellschaft!", antwortete Maglin. Mehr brachte er nicht heraus. Er bestieg sein Pferd und trabte den Pfad entlang zur Brücke über den kleinen Bach, der das Tal von Bruchtal durchfloss. Lange würde er reiten müssen, bis er nach Bree kommen, und den Nordweg nach Fornost einschlagen würde. Mehr als 5 Tage bestimmt.
Der erste Abschnitt durch Rhudaur würde, wie Elrond gesagt hatte der schwierigste sein. Bis zum Amon Sûl würde er durch dieses unfreundliche Land reisen müssen, dessen Hügel mit dichten Tannen bewachsen waren. Der Zustand der Straße war auch nicht gerade gut, aber wenn er durch dieses Land erst einmal durch war, würde er zur Wetterspitze kommen, auf dessen Gipfel Amon Sûl, der gewaltige Wachtturm thronte, der den Palantir seines Volkes beherbergte. Seine Vorfahren hatten ihn vor endlos vielen Jahren gebaut, und noch immer wurde er als Festung benutzt. Die drei Länder waren ständig im Streit darüber, wem er gehörte, denn er markierte genau die Grenzen der drei Länder. Seid langen Jahren schon war in diesem Turm ein Palantir aufgehoben. Über ihn konnte man Kontakt nach Fornost aufnehmen. Maglin fragte sich, ob es nicht gut wäre, schon vor seiner Ankunft in Fornost Kontakt zu seinem Vater aufzunehmen. Er hielt es für keine schlechte Idee.
Eine Stimme riss ihn aus seinen Gedanken: "Na Maglin, geht es auf große Reise?" Es war ein Elb, der im Baum über ihm saß.
Maglin hielt sein Pferd an. "Ja!", sagte er. "Ihr habt es gut, so guter Laune zu sein. Ich hingegen bin betrübt."
"So ist es, wenn man etwas Geliebtes zurücklassen muss und in etwas Neues und Ungewisses geführt wird", sagte der Elb, "Aber mach dir keine Sorgen, Maglin. Sei voller Zuversicht und schlage deinen neuen Weg ein. Der Trennungsschmerz wird verflogen sein, wenn du Abstand genommen hast und neuen Aufgaben gegenüberstehst. Lebe wohl, und wenn du des Nachts die Sterne betrachtest, sollen deine Gedanken zu uns Elben zurückkehren und du wirst mit Freuden, nicht mit Trauer, an deine Zeit unter uns zurückdenken."
"Ich danke dir für deine weisen Worte und werde sie im einer Kammer meines Herzens einschließen. Aber nun muss ich weiter reiten. Lebe wohl!"
Und während er durch das Tal ritt, klangen ihm die süßen Lieder der Elben in den Ohren, bis er an den Rand kam und absteigen musste, um sein Pferd den steilen Pfad hoch zu führen. Als er schon eine ganze Weile marschiert war und fast oben war, drehte er sich noch einmal um und ließ seinen Blick noch ein letztes Mal über das Tal schweifen, dann bestieg er sein Pferd und trabte den Weg entlang, der ihn zur Furt von Bruchtal führen würde.
Er ritt unter kahlen Laubbäumen, denn es war Winter und nur die Nadelbäume erfüllten den Wald ringsrum mit dunklem Grün. Während er ritt, fing Maglin wieder an, über seine Reise nachzudenken. Noch nie war er so weit alleine geritten. Angst hatte er aber nicht, denn der Weg war eigentlich einfach, immer nur der Straße folgen, außerdem kannte er ihn ja schon. Er war aufregend so ganz allein durch die Wildnis zu reiten und ein Gefühl von Freiheit entstand in seinem Herzen. "Schade, dass es nicht Frühling ist!", dachte er. "Es wäre angenehmer, die Landschaft schöner und das Wetter nicht so rau. Zum Glück liegt kein Schnee, denn dann wäre die Reise beschwerlicher."
Heute würde er durch die Furt reiten, die durch den Fluss Lautwasser führte. In der Elbensprache hieß er Bruinen. Er würde an den Trollwäldern vorbei reiten, bis kurz vor die Brücke über den Weißquell, der auf elbisch Mitheitel genannt wurde. Sie wurde auch "Die letzte Brücke" genannt, denn es war die letzte Brücke vor dem Nebelgebirge. In der Nähe des Flusses hoffte er auf die ersten Siedlungen oder Nomadenlager zu stoßen. "Vielleicht finde ich ja etwas freundliche Menschen, die mir ein Lager für die Nacht gewähren", dachte er sich. Was die Trollwälder anging, wusste er nicht, ob dort überhaupt noch Trolle lebten. Elrond hatte gesagt, sie seien schon seit einiger Zeit ins Gebirge gewandert. Er schaute sich um und sah die Nebelberge wie eine graue Wand aufragen. Es sah viel bedrohlicher aus, als es ausgesehen hatte, wenn er es aus dem Tal betrachtet hatte. "Da leben bestimmt noch schlimmere Wesen, als Trolle", dachte er bei sich. "Gut, dass ich in die andere Richtung reiten muss." Er blickte wieder nach vorne. Mittlerweile bestand der Wald fast nur noch aus Nadelbäumen. Und als er um eine Biegung ritt, sah er die Furt von Bruchtal vor sich und hörte das Rauschen des Flusses. Er verlangsamte den Trab seines Pferdes und ritt die Böschung hinab, stieg ab, und ließ sein Pferd trinken, bevor es ihn durch das Wasser trug. Nun war er endgültig außerhalb der Reichweite Bruchtals und in der Wildnis. Er ritt den Weg weiter, der sich durch den Wald schlängelte. Bald hatte er das Rauschen des Flusses aus den Ohren verloren. Das Land begann nun hügeliger zu werden.
Als es Mittag wurde, führte er sein Pferd an den Rand des Weges und ließ es grasen, während er sich hinsetzte und etwas von seinem Proviant aß, das Elrond ihm mitgegeben hatte.
Der weitere Weg verlief problemlos. Kein einziger Troll ließ sich blicken und Maglin gab Elrond recht. Sie waren wohl wirklich ins Nebelgebirge gezogen. Jedoch hatte er auch noch kein anderes Lebewesen, Mensch oder Tier, auf der Straße gesehen.
Als eine weitere Stunde vergangen war, brach die Dämmerung herein und plötzlich sah er eine Gruppe Reiter auf ihn zureiten. Sie sahen tatsächlich aus wie Nomaden, aber als sie näher kamen, sah Maglin, dass ihre Gesichter unfreundlich waren. Inzwischen hatten auch sie ihn bemerkt. Er beschloss sie trotzdem anzusprechen. Er wartete bis sie näher gekommen waren. "Guten Abend, Fremde!"
"Guten Abend, Reisender, der du durch unser Land reitest. Wünscht Ihr etwas?" Der Mann blieb höflich, aber Maglin sah wie sich sein Gesicht verdüsterte, als er ihn betrachtete.
"Ich suche ein Lager für die Nacht. Denn lange schon musste ich im Freien schlafen. Ich wollte Euch fragen, wo Ihr lagert und ob ihr mir ein Platz an Eurem Feuer gewähren wollt."
"Höfliche Bitte, Fremder. Normalerweise, nehmen wir keinen auf, aber darf ich fragen was Euch in unser Land führt und wer Ihr seid?"
"Ich bin ein Reisender von der anderen Seite der Nebelberge und auf dem Weg in die westlichen Länder."
"Darf ich fragen, was genau Ihr hier wollt?" Die Stimme des Mannes klang nun ziemlich rau.
"Ach lass doch die Fragerei, Dacar! Wozu soll das denn gut sein?" Ein anderer Mann kam nun vorgeritten.
"Ich glaube seinen Worten nicht, Ibir. Er sieht mir nicht aus, wie ein gewöhnlicher Reisender von der anderen Seite der Nebelberge. Eher wie einer dieser verhassten Dunedain aus Cardolan oder Arthedain!"
"Du hast doch gehört, was er gesagt hat. Ich sehe keinen Grund ihn nicht für eine Nacht aufzunehmen, er ist doch noch so jung. Außerdem verschwenden wir unsere Zeit mit der Fragerei, die anderen warten!"
"Gut, gut Ibir. Ich traue ihm zwar nicht, aber nimm ihn mit, wenn du willst. Lass uns jetzt eilen!" Seine Augen blitzten.
Maglin fühlte sich unwohl unter diesen unfreundlichen Leuten. Aber innerlich dankte er Ibir für seine Einsicht. Er hatte schon Angst gekriegt, seine Rolle nicht mehr lange spielen zu können. Wenn sie wüssten, dass er der Sohn des Königs von Arthedain war... Sie schienen tatsächlich seinem Land feindlich gesinnt zu sein.
Die Nacht war mittlerweile hereingebrochen. Sie ritten durch den dunklen Wald, bis Maglin das Licht eines Feuers durch die Bäume sah. Zelte waren in einem großen Kreis um das Feuer gestellt worden. Als sie angekommen waren, führte ihn Ibir zu seinem Zelt, sein Pferd wurde zu den anderen Tieren auf eine Wiese hinter die Zelte gebracht. Maglin aß noch mit den anderen am Feuer, es wurde fast kein Wort gesprochen, bis er sich in sein Zelt zurückzog.
Maglin rollte die geflochtene Reisigmatte auf dem Boden aus und nahm das Fell, das daneben gelegen hatte. Dann ließ er sich auf der harten Lagerstatt nieder. Er hatte zwar schon einige Male im Freien übernachtet, wo der Boden um einiges härter war als hier, aber jetzt dachte er wehmütig an das weiche Bett in Elronds Haus zurück. Wie gern hätte er heute auch mit den Elben an einem Feuer gesessen als mit diesen fremden Männern mit den harten Gesichtern und den scharfen Blicken. Besonders Dacar war ihm immer unfreundlicher, je länger er ihn betrachtet hatte. Er hatte schwarze, stechende Augen und wüstes Haar, das ebenfalls schwarz war. Sein Gesicht war hart, wettergegärbt und zerfurcht.
Maglin hatte Angst vor diesem unfreundlichen Menschen, auch wenn er das nie zugegeben hätte, weil er sich schämte so ängstlich zu sein.
Er schloss die Augen und lauschte auf die Geräusche der Nacht. Der Wind rauschte in den Kiefern und Maglin stellte sich vor, wie sie sich sachte im Wind wiegten. Irgendwo schrie ein Waldkauz.
Er konnte die Stimmen der Männer hören, die offenbar immer noch am Feuer saßen.
Er war eigentlich viel zu müde um sich auf die Unterhaltung zu konzentrieren, doch er horchte auf, als einer der Männer sagte: "In Angmar haben sie offenbar Großes vor, wahrscheinlich will der Hexenkönig einen Krieg beginnen!"
Angmar? Hexenkönig? Maglin schlug die Augen auf. Allmählich kamen ihm Elronds Worte wieder in den Sinn... "Es wird gesagt, sie hätten dunkle Verbindungen zu den gefährlichen Ländern im Norden und trieben Handel mit diesen!" Angmar war der Name für dieses Land und alle wussten, dass in ihm eine böse Macht hauste. Hexenkönig, hatte der Mann gerade eben gesagt. So nannten sie die dunkle Macht wahrscheinlich. Maglin lief ein Schauer über den Rücken. Er versuchte sich den Hexenkönig vorzustellen, ihm fiel aber beim besten Willen keine Gestalt für ein solches Wesen ein.
"Was bringt dich zu dieser Annahme, Zarko?"
Wieder wurde Maglin aus seinen Gedanken gerissen, diesmal war es Ibir, der gesprochen hatte.
"Als ich das letzte Mal in die rauen Lande im Norden ritt, um mit einigen anderen die Waffen abzugeben, die wir gegen Fälle tauschen wollten, sah ich mindestens zwei Gruppen Orks, sie waren bestimmt so viele wie ein ganzes Heer, durch die Lande ziehen. Und als wir dann zu der Festung kamen, in der das Tauschgeschäft stattfinden sollte, konnte ich zufällig in den Raum blicken, indem die Gefolgsleute des Hexenkönigs die Waffen verstauten. Es war ein sehr großer Raum und alles war voll mit Schwertern, Speeren, Pfeilen, Bögen, Rüstungen und anderem Kriegsgerät. Naja, wenn man sich nun überlegt, dass es noch mehr Festungen dieser Art in den weiten Landen gibt, dann haben sie genug um mehr als zwei Heere auszurüsten!"
"Das klingt sehr beunruhigend... Ich mache mir ernste Sorgen!", sagte Ibir nach einer nachdenklichen Pause.
Da lachte Dacar auf einmal laut auf. Es war ein sehr kaltes Lachen, was Maglin erstarren ließ.
"Du glaubst doch nicht im Ernst, der Hexenkönig würde uns angreifen, Ibir! Wir pflegen immerhin gute Beziehungen und treiben Handel! Nein, wenn der Hexenkönig wirklich vorhat Krieg zu führen, dann werden zuerst diese Dunedain dran glauben müssen. Aber wenn ihr mich fragt, geschieht es ihnen nur zu recht!"
Danach sagte keiner mehr ein Wort, auch Ibir nicht, bis Dacar sagte: "Lasst und nun zu Bett gehen, Männer!"
Maglin musste tief durchatmen um sich wieder zu beruhigen. Dann merkte er, dass ihn die Müdigkeit übermannte und hatte keine Zeit mehr sich über das eben gehörte noch große Gedanken zu machen. Und er träumte schwer:


Es war dunkel um ihn und plötzlich schreckte er hoch. Es war wieder diese kalte Stimme, die grausam lachte und dann rief: "In welchem Zelt schläft dieser Dunedain, Ibir?"
Einen Moment später lugten Dacars blitzende Augen durch die Zelttür. "Ah, da bist du ja, kleiner dreckiger Dunedainsohn! Ich wusste von Anfang an, dass du von diesem verhassten Volk abstammst, aber Ibir wollte mir ja nicht glauben. Wir werden dich jetzt dem Hexenkönig übergeben, der kann mit dir machen was er will!"


Schweißgebadet wachte Maglin auf. Es war kurz vor Tagesanbruch, langsam setzte sich draußen das Licht gegen die Dunkelheit durch.
Als er sich etwas gesammelt hatte, beschloss er den schlechten Traum zu vergessen.
Er würde diese Männer heute verlassen und bald diesem Land den Rücken kehren und dann würde er wieder in seiner Heimat sein.
(Irmela)