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Der Roman „Angmar“
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Der Untergang Númenors
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Zeittafel




Der Amon Sûl
Es war Maglin schwer gefallen sich nach so kurzer Zeit schon von dem Elben verabschieden zu müssen. Aber seine Reise konnte wirklich nicht warten.
"Hoffentlich sehe ich ihn irgendwann einmal wieder", dachte Maglin als er unter der langsam sinkenden Sonne dahin ritt. Glorfindel war der Name des Elben gewesen. Ihm kam dieser Name irgendwie bekannt vor. Aber dieser Gedanke war so vage, dass Maglin beschloss erstmal nicht weiter darüber nachzudenken, sondern er nahm sich vor, das Buch, was ihm Elrond geschenkt hatte bei Gelegenheit einmal durchzublättern und darin zu suchen. Er wusste zwar selbst nicht wie ihn das weiterbringen könnte, aber er erhoffte sich etwas davon.
Es war ein schöner Elb gewesen und irgendwie hatte Maglin gespürt, dass eine wundersame, aber nicht aufzuhaltende Macht von ihm ausging. So ähnlich wie bei Elrond. Aber Elrond war ja nur ein Halbelb. Sollte dies also ein richtiger Elb gewesen sein? Dann musste er schon ziemlich alt sein. Und doch, dieses seltsame Gefühl, dass er in seiner Gegenwart gespürt hatte, dies konnte kein gewöhnlicher Elb gewesen sein.
Und mit diesen Überlegungen wurde seine Hoffnung immer größer, den Namen in Elronds Buch zu finden.
Die Sonne sank immer tiefer, bald würde sie hinter seinem Rücken untergehen. Er hielt sich stetig nach Westen, immer die Straße entlang. Es ging rauf und runter, denn das Land war hügelig. Auch musste er sehr vorsichtig reiten, damit sein Pferd nicht in eines der zahlreichen Löcher trat und stolperte.
Am Rande der Straße waren immer noch hauptsächlich Tannenwälder und nur manchmal konnte man etwas weiter ins Land sehen. Jetzt in der nahenden Abenddämmerung waren die Wälder besonders unheimlich.
Plötzlich hörte er Hufgetrappel vor sich, jemand musste ihm entgegen kommen. Er konnte nicht weit sehen, denn die Straße machte an dieser Stelle viele Biegungen. Aber dann, das Hufgetrappel kam immer näher, sah er ein schwarzes Pferd um die Biegung reiten und auf ihm ein in schwarz gekleideter Mann. Maglin erschreckte bei dem Anblick, denn die Gesichtszüge waren noch härter als bei Dacar und die Augen noch schärfer und tiefschwarz. Der Fremde sah ihn prüfend und misstrauisch an, dabei zuckten seine Augen ein wenig. Sein Gesicht war zur Hälfte bedeckt von seinem Umhang und die Augen, die Augen funkelten trotz der Schwärze in einem bösen Glanz. Maglin kam es vor, während er den Reiter betrachtete, dass dieser größer wurde und die Gegend um ihn herum immer dunkler.
Aber da war er auch schon vorbei geritten ohne das noch etwas Nennenswertes geschehen war.
Als Maglin wieder zur Ruhe gekommen war, das Hufgetrappel immer leiser wurde, bis es nicht mehr zu hören war, begann er zu überlegen, was er da gerade eben gesehen hatte. Er war erleichtert, dass die Gegend die selbe geblieben war, nur noch ein bisschen dunkler.
Erschreckend schnell und ziemlich scharf schoss ihm der Gedanke durch den Kopf: War es ein Nazgûl gewesen? –
"Nein", sagte er zu sich selbst. "Haben die Diener Saurons Gesichter? Elrond hatte gesagt, sie sind nicht sichtbar, nur wenn sie ihre Umhänge tragen. Nun, zumindest muss der von eben mit ihnen irgendwie verwandt sein. Ganz in schwarz war er gekleidet, und diese Augen..."
Maglin konnte sich beim besten Willen nicht vorstellen, wie man diese Unheimlichkeit noch hätte steigern können.
"Vielleicht war es ein Diener des Hexenkönigs von Angmar. Der scheint mich irgendwie zu verfolgen", dachte er.
Schließlich kehrte er mit seinen Gedanken wieder auf die Straße zurück und stellte fest, dass es Abend geworden war. Es wurde langsam Zeit, sich über ein Lager für die Nacht Gedanken zu machen. Gab es Menschen und Siedlungen in dieser Gegend? Er musste ungefähr einen Tagesritt von der Grenze entfernt sein. Die Straße war leer und dunkel.
Sollter er alleine im Freien übernachten? Musste er das tun? Das war keine angenehme Vorstellung. "Was, wenn noch einer dieser dunklen Menschen vorbei geritten kommt?" fragte er sich. Außerdem hatte er keine Erfahrung mir der Wildnis und wusste nicht, was es hier für Tiere gab.
"Nein, wenn es irgendwie möglich ist, muss ich jemanden finden, der mich aufnimmt, ich habe ja auch ein bisschen Geld dabei."
Er nahm sich also vor, noch etwas weiter zu reiten, in der Hoffnung noch irgendwen zu finden.
Von Elrond wusste er, dass Dunländerstämme entlang der Oststraße lebten. Ihr Land lag weiter im Süden, südlich von Hulsten, dass in der Elbensprache Eregion heißt, aber einige waren nach Norden gezogen.
Eregion, diesen Namen hörte man oft, wenn man mit Elben zusammen war. Es war das einzig schöne Land im Süden, westlich der Nebelgebirge. Elben wohnten noch dort und hielten auf magische Weise das Böse fern. Aber Dunland war ein düsteres Land und seine Menschen waren unfreundlich. Sie hielten nicht viel von Elben oder den Dúnedain, eher wären sie bereit sich auf die Seite des Bösen zu stellen.
Einige Stämme hatten sich nun entlang der Oststraße angesiedelt und es war bekannt, dass sie hohe Zölle forderten. Aber das ging Maglin ja nichts an, er wollte ja keinen Handel mit ihnen treiben.

-

Es war aber dann schließlich doch soweit gekommen, dass er die Nacht im Freien verbringen musste. An einer lichteren Stelle, war er in den Wald geritten und hatte sich unter einer großen Tanne sein Lager bereitet. Viel geschlafen hatte er nicht. Es war ein beklemmendes Gefühl gewesen, so ganz allein in dem dunklen Wald.
Doch diese Gefühle verflogen schnell wieder, als es morgen wurde. Jetzt würde er nicht mehr weit reiten müssen, um zum Amon Sûl zu kommen.
Er war erst einmal dort gewesen, als Kind, zusammen mit seinem Vater. Wenn man vor dem Wachtturm stand, kam er einem gewaltig vor und von seiner Spitze konnte man sehr weit ins Land sehen. Er fand es damals ziemlich beeindruckend, unter diesem mächtigen Gemäuer zu stehen und den Kopf in den Nacken zu legen. Man hatte das Gefühl, als würde der Turm jeden Moment auf einen drauf stürzen.
Eine witzige Erfahrung war es auch gewesen, über den Palantir mit seinem Bruder in Fornost zu "sprechen".
Alles in allem freute er sich auf diese Stadt. Vor allem hoffte er dort jemanden zu finden, der ihm helfen würde, an den Palantir heranzukommen. Denn Arthedain und Cardolan teilten sich den Palantir und jeder beiden war der Meinung rechtmäßiger Besitzer zu sein. Zudem hatten die beiden Länder zu dieser Zeit auch nicht gerade das beste Verhältnis.
Wie auch immer, Maglin freute sich, endlich wieder seine eigenen Leute zu sehen. Dort war er kein Unbekannter mehr, der seinen Namen nicht verraten durfte, dort fühlte er sich geborgen.
Es wurde Mittag und Maglin setzte sich noch ein letztes Mal an den Rand des Weges um etwas zu essen und sein Pferd grasen zu lassen. Er legte sich auf den Rücken ins Gras und blinzelte der Sonne entgegen. Es wurde langsam wieder Frühling, das konnte man spüren.
Schließlich stand er wieder auf und machte sich wieder auf den Weg und als er eine Steigung empor ritt kam er langsam ins Blickfeld: Der Amon Sûl. Der mächtige, aus schwarzem Stein gemauerte Wachtturm auf der Wetterspitze, dem höchsten Berg in der Umgebung. Und unter dem Wachtturm waren Häuser an die Hänge des Berges gebaut.
Maglin war vorläufig am Ziel.
Er ließ sein Pferd schneller traben und ritt den Berg hinab und ein Stück die Wetterspitze hinauf, bis die Tore zur Stadt in Sicht kamen. Diese waren natürlich bewacht, aber Maglin konnte aus dieser Entfernung nicht erkennen, ob es Wächter aus Cardolan, Rhudaur oder Arthedain waren.
Als er näher geritten war, erkannte er, dass sie aus Rhudaur waren.
Als er am Tor angekommen war, stieg er ab und schaute in das Gesicht eines Mannes. Dieser schien nicht gerade erfreut zu sein, ihn zu sehen.
"Nun, Sohn des Königs von Arthedain, was führt dich in diese Stadt?"
"Ich bin auf der Heimreise nach Fornost und komme aus Bruchtal, aus Elronds Haus. Ich habe zwei lange Tage Wildnis hinter mir und freue mich nun darauf wieder ein festes Dach über dem Kopf zu haben."
"Dann trete ein!" Man konnte ziemlich deutlich das Widerstreben, den Sohn des Königs von Arthedain in die Stadt zu lassen, im Gesicht und in der Stimme des Wächtes hören, als er dieses sagte. Aber ihm blieb keine Wahl, die Stadt gehörte nunmal allen drei Völkern.
Maglin schwang sich also wieder in den Sattel und ritt in die Stadt hinein. Die Straße führte bergauf und immer wieder zweigten kleine Straßen ab, die um den Berg herumführten. Überall waren kleine Steinhäuser an den Hang gebaut. Der große Wachtturm warf seien Schatten auf die Straßen und man fühlte sich merkwürdig klein und hilflos, wenn man von hier unten zu ihm hinauf blickte.
Maglin wollte hochreiten und hoffte dort Wächter aus Arthedain anzutreffen, die er nach dem Palantir und einer Unterkunft für die Nacht fragen konnte.
In den Straßen herrschte reges Treiben. Zahlreiche Menschen liefen kreuz und quer durcheinander. Er bahnte sich einen Weg durch das Gedrängel. Einige grüßten ihn freundlich, wenn er vorbeiritt und Kinder starrten mit großen Augen zu ihm hinauf.
Schließlich konnte er die Wachen vor dem Turm erkennen... Und erblickte einen alten Bekannten.
"Maglin! Ich grüße dich!" Asad verbeugte sich. "Oder vielleicht sollte ich lieber sagen: Mae Govannen! Immerhin hast du ja so lange Zeit bei den Elben verbracht!" Und er lachte lange und sanft. "Welche Freude ist es, dich wiederzusehen!"
Und Maglin musste auch lachen, so plötzlich traf ihn die Freude und das warme Gefühl wieder zu Hause zu sein und alte Freunde wiederzutreffen. Er stieg ab und umarmte Asad. "Die Freude ist ganz auf meiner Seite! Du glaubst gar nicht wie ich mich meinerseits freue dich zu sehen, Asad! Wie ist es dir ergangen?"
"Na, das siehst du doch! Mich hat es in den Schatten des Amon Sûl verschlagen. Seit einiger Zeit schon bewache ich den Turm im Dienste des Königs. Meine Frau ist mitgekommen, aber Lasai haben wir zu Hause in Fornost gelassen. Aber dazu später mehr. Was wünscht du Maglin? Gleich in den Turm, oder dich erstmal von der Reise auszuruhen. Du sollst Gast in meinem Haus sein, bis du weiter nach Fornost reiten willst. Das ist doch dein Ziel, nehme ich an."
"Wie scharfsinnig du doch wieder bist!" Und wieder mussten beide laut lachen. "Danke für das Angebot. Ich nehme es gerne an, obwohl ich nicht so viel Zeit in deinem Haus verbringen kann, wie ich es gerne möchte. Aber heute kann ich eh nichts großes mehr unternehmen, denn der Tag neigt sich seinem Ende zu, bald wird die Sonne untergehen."
Asad lächelte. "Meine Frau wird dich empfangen, Maglin. Ich komme sobald mein Dienst hier beendet ist. Unser Haus ist das sechste auf der linken Seite, wenn du hier gleich in die erste Querstraße auf der rechten Seite einbiegst.
"Danke Asad! Bis später! Atenio"
"Atenio Maglin!"
Merlîn, die Frau von Asad, begrüßte Maglin ebenso herzlich wie es auch ihr Ehemann getan hatte. Maglin kannte diese Familie schon seit er ein kleiner Junge war.
Auch wenn Asad damals noch nicht so alt war, dass er so spannende und abenteuerliche Geschichten aus seinem Leben erzählen konnte wie die Alten in Fornost, so war er doch einer derjenigen aus dem Kreis der Männer, die König Arveleg am Hof dienten, mit denen sein Vater ein inniges freundschaftliches Verhältnis hatte. Und Asad war bewandert in der Geschichte von Mittelerde.
Merlîn und Asad hatten eine Tochter: Lasai. Sie war in Maglins Alter und die beiden waren als Kinder oft zusammen, bis Maglin älter geworden war und langsam als Sohn des Königs zur Verantwortung gezogen wurde. Seitdem hatten sie sich nur noch selten gesehen. Jetzt konnte er sich kaum noch an sie erinnern. Es interessierte ihn, was aus ihr geworden war.
Zum Abendessen kam Asad zurück und die drei saßen lange zusammen und redeten über die lange Zeit, in der sie sich nicht gesehen hatten. Maglin erzählte viel von Elrond und den Elben. Es war ein gutes Gefühl, diese Eindrücke und tiefen Empfindungen, die in seinem Herzen zurückgeblieben waren, jemanden mitteilen zu können und Merlîn und Asad waren offen für die Geschichten von einem Volk, dass dem ihrigen so fremd war.
"Es ist komisch", dachte Maglin, "es gibt Menschen, die igeln sich ein, in ihren Steinhäusern und brüten darüber, wie sie ihren nächsten Krieg führen und interessieren sich nur für ihre eigenen Belange. Sie legen keinen Wert auf Bekanntschaft, mit den Völkern, mit denen sie gemeinsam auf einer Erde leben. Und dann gibt es Menschen, die sind offen für Lebewesen, die ihnen fremd sind, weil sie sich mit der Geschichte ihrer Erde befasst haben und erkannt haben, dass nicht nur sie wichtig sind und dass sie viel von anderen Völkern lernen können. So ein Leben finde ich viel bewegter, viel interessanter, es ist ein ganz anderes Lebensgefühl!"
Merlîn und Asad erzählten von der Situation in Arnor. Es ging um das Verhältnis der drei Länder und um die Schwierigkeiten, die sich in der Zukunft verheerend auswirken konnten.
Asad bemerkte: "Du hast sicherlich die Torwächter bemerkt als du in die Stadt gekommen bist. Die Soldaten aus Rhudaur hatten heute Dienst. Ich sage dir, läge die Verantwortung für diese Stadt nicht in den Händen aller, dann hätten sie dich nicht rein gelassen."
Und weiter erzählten sie von den Nordländern und der wachsenden Bedrohung.
Da fielen Maglin wieder seine Erlebnisse mit den Menschen aus Rhudaur ein und das Gespräch, was er belauscht hatte. Aber er fühlte nicht das Verlangen es zu erzählen und so verschwieg er es.
Als die Kerze fast runtergebrannt war, es war sehr spät geworden, dachte Maglin sie würden nun alle zu Bett gehen. Er war auch ziemlich müde von der Reise, aber Asad nahm ihn nochmal zur Seite: "Maglin, bevor du morgen wieder verschwindest, muss ich dich noch einmal unter vier Augen sprechen."
Und er führte Maglin in ein kleines Zimmer. Er räusperte sich: "Nun, ich sage es dir jetzt schon weil ich nicht anders kann, Maglin. Um ehrlich zu sein, es drängt mich förmlich es dir mitzuteilen, denn es ist eine Angelegenheit, über die ich mich sehr freue. Du wirst bald heiraten Maglin. Dein Vater hat für dich eine Frau gefunden. Und wir beide sind übereingekommen, dass Lasai die richtige für dich wär."
Asad strahlte ihn an und wartete offensichtlich auf eine Reaktion, aber Maglin starrte ihn nur ungläubig und verwirrt an. Diese Worte hatten ihn wie ein Schlag getroffen. Das hatte er nicht erwartet. Sein Vater wollte ihn verheiraten!!! Sobald er nach Hause kommen würde, sollte er heiraten!
"Aber ich fühle mich noch gar nicht reif dafür! Ich fühle doch noch gar nicht sooo erwachsen... Und es ist nicht irgendeine Frau, es ist Lasai..." , dachte er.
Als er aus seinen Gedanken aufschreckte, sah er Asad, der ihn immer noch erwartungsvoll ansah. Die einzigen Worte, die er sagen konnte waren: "Das war das letzte was ich von dir zu hören erwartete, mein Freund. Ich bin total verwirrt, ich hoffe, es macht dir nichts aus, wenn ich jetzt zu Bett gehe."
Und damit ging er auf sein Zimmer, zu verwirrt und aufgewühlt um vernünftig schlafen zu können.
(Irmela)