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Der Roman „Angmar“
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Der Untergang Númenors
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Zeittafel




Ein Lauscher in der Königshalle

Zu Diensten“, sagte Griwin zu seiner Ablösung und nickte mit dem Kopf.
„Zu Diensten“, erwiderte nun auch der andere Zwerg mit höflichem Kopfnicken.
Griwin betrat den Silbergrund durch das große Haupttor. Er wollte mit dem König sprechen, um zu erfahren, was Larin jetzt vorhatte. Was sollten sie jetzt machen? Griwin machte sich auf den Weg zur Königshalle. Diesmal ging er nicht so schnell wie nur möglich und auf direktem Wege dorthin, sondern schlenderte auf langen Umwegen langsam zur goldenen Halle. Das machte er nur, weil er sich um das Gespräch drücken wollte, aber trotzdem wollte er unbedingt erfahren, was zu machen sei. Nun bummelte er gerade durch einen hell erleuchteten Stollen und betrachtete die an den Wänden hängenden Waffen und Musikinstrumente. Auch einige Panzer waren darunter, aus Mithril. Diese aber waren leider nur Geschenke vom König von Moria, denn Mithril gab es nur dort und nirgendwo anders. Der Stollen, in dem Griwin stand führte zur Königshalle und war auch ihr einziger Zugang. Plötzlich blieb Griwin stehen. Er hörte Stimmen aus der Halle. Also war der König nicht allein. Leise, immer darauf bedacht kein Geräusch von sich zu geben, schlich Griwin bis zur Biegung weiter, hinter der die goldene Halle lag. Dann blieb er abermals stehen. Griwin lauschte normalerweise nie - unter keinen Umständen - und erst recht nicht bei seinem König. Nachher bereute er es auch und kam sich richtig schäbig vor, aber er wollte seinem König, aus einem Grund, den er selber nicht genau wusste, nicht unter die Augen treten. Vielleicht, weil er wusste, er würde keine richtige Antwort erhalten, vielleicht auch, weil er es so wie so noch erfahren würde. Nun war wieder alles still. Griwin war enttäuscht und erleichtert zugleich. Enttäuscht, weil er nun doch nichts verstanden hatte, und unheimlich erleichtert, weil man nun nicht behaupten konnte, er habe gelauscht. Doch da ertönten die Stimmen von neuem und diesmal um einiges lauter, als zuvor. Und jetzt konnte er auch einige Bruchstücke verstehen, von dem was in der Halle gesprochen wurde.
„Was habt Ihr nun vor zu tun?“ vernahm Griwin eine ihm unbekannte Stimme. Vermutlich stammte sie von einem Boten des Königs.
Dann hörte er eine andere Stimme, die er als Larins erkannte: „Ich weiß es nicht, ich weiß es wirklich nicht.“ Seine Stimme klang sehr verzweifelt.
„Dann habe ich einmal einen Vorschlag. Wie wäre es zum Beispiel, wenn Ihr zu allererst einmal ein Heer aufstellen ließet?-“ Er brach jäh ab.
„Natürlich, natürlich. Was dachtet Ihr denn? Dachtet Ihr etwa ich würde hier seelenruhig auf meinem Thron sitzen bleiben und warten bis es hier von Orks nur so wimmelt?“
„Nein, selbstverständlich nicht“, entschuldigte dieser Zwerg sofort.
„Verbreitet die Nachricht, jeder Kampf taugliche Zwerg soll sich zum Kampfe rüsten. Was meint Ihr, mein Sohn, wie lange wird es dauern bis das Heer aufgestellt ist?“
„Drei Tage mindestens, ich meine es wird zuerst schon einige Zeit brauchen bis die Nachricht im ganzen Berg bekannt ist.“
„Dann eilt Euch und ruft alle Boten zu Euch!“
Griwin hatte genug gehört. Nun wusste er, was Larin vorhatte. Aber er fühlte sich schäbig und schäme sich, wie nie zuvor in seinem Leben. Er hatte den Zwerg hintergangen, den er am allermeisten verehrte. Er machte sich auf den Weg zu seiner Wohnhöhle. Diesmal schlenderte er noch langsamer, als er es auf dem Weg zur goldenen Halle gemacht hatte. Auf halbem Weg traf er seinen Adoptivbruder Lortak. Griwin bemerkte ihn gar nicht, so tief war er in seine Gedanken versunken.
„Na Griwin, was schaust du denn so traurig?“
Griwin hörte ihn gar nicht und ging einfach weiter bis Lortak im nacheilte und sich ihn in den Weg stellte. Da schreckte er dann doch aus seinen Gedanken hoch und sagte: „Oh, Lortak. Schön dich zu sehen.“
„Auch schön dich zu sehen, Griwin. Was schaust du denn so traurig?“
„Ach nichts. Ich hatte nur gerade einige nicht so schöne Gedanken.“
„Darf man erfahren, welche Gedanken so traurig sein können, dass man gar nicht mehr bemerkt, was um einen herum geschieht?“
„Nein, lieber nicht. Und, was macht der neue Stollen, an dem du gerade baust?“
„Nichts besonderes. Du weißt ja, meine Arbeit bietet kaum Abwechslung.“
„Ja, ich weiß. Bei mir war geschah heute auch nichts besonderes, nur eine Frau wollte mit Larin sprechen.“
„Eine Frau? Darf ich wissen, was sie wollte?“
„Du wirst es schon noch früh genug erfahren! Und nachher wünscht du dir, du würdest es doch nicht wissen.“ Zufrieden stellend war diese Antwort nicht, und das wusste Griwin auch. Aber natürlich durfte er nichts verraten, auch wenn sowieso bald alle wissen würden, was geschah.
„Mag sein.“
„Ich lege mich jetzt schlafen. So müde wie jetzt war ich schon seit langem nicht mehr.“
„Gut, auf baldiges Wiedersehen!“
„Auf Wiedersehen!“
Weiter ging es durch tiefe Stollen, bis er endlich in seinem Quartier war. Griwin setzte sich auf einen der hölzernen Stühle, die um den ebenfalls hölzernen Tisch standen. Leise seufzte er und vergrub sein Gesicht in tief seinen Händen. Lange saß er so da - zu lange, wie er später meinte. Doch dann hatte er einen Geistesblitz. Es war ihm nun völlig egal, ob er seinen König hintergangen hatte oder nicht. Will Larin jetzt etwa auf direktem Wege nach Angmar marschieren?, fragte sich Griwin in Gedanken. Welchen Sinn gibt denn das? Meint er etwa, er hätte Erfolg, wenn er einfach so ohne einen guten Schutz Angmar angreifen würde? Ich muss zu Ajienna, vielleicht weiß sie, was ich machen soll.
Seinen letzten Gedanken hatte Griwin noch nicht einmal ganz fertig gedacht, da sprang er schon auf, seinen Stuhl umwerfend, und rannte so schnell wie möglich nach draußen. Vielleicht kann ich Ajienna noch einholen! Die Hoffnung, die in Griwin durch diesen Gedanken in seinem Herzen zu lodern begann, ließ ihn noch schneller laufen und so hatte er in weniger als fünf Minuten den Weg von seiner Wohnhöhle zum Haupttor hinter sich gebracht. Doch kurz bevor er das Tor erreichte, bremste er seinen Lauf, um eine kleine Verschnaufpause ein zu legen. Es brauchte ja nicht jeder merken, dass er es eilig hatte!
Als er wieder zu Atem gekommen war, ging er weiter. Draußen war es inzwischen dämmrig geworden, das verminderte Griwins Chance Ajienna zu finden und er verlor ein wenig seiner Hoffnung. Trotzdem ließ er sich nicht aufhalten, sondern legte einen raschen Trab ein, gerade schnell genug, um Ajienna noch finden zu können und gerade langsam genug um nicht eilig zu erscheinen und um es in dieser Geschwindigkeit einige Zeit aushalten zu können. Als er an der Torwache vorbei kam entgegnete er: „Ich muss noch mal kurz weg.“ Die Wache öffnete bereits den Mund um eine Antwort zu erwidern, aber bis er seine Worte hervorbrachte, war Griwin schon längst hinter der Biegung verschwunden und konnte es nicht mehr hören.
Griwin marschierte durch den immer dunkler werdenden Abend. Eine halbe Stunde lang ging er den Weg entlang bis er seinen Gang bremste und vor sich hinmurmelte: „Hier muss er doch irgendwo sein.“ Damit meinte er einen Pfad, der nur den Zwergen der Eisenberge bekannt war und der eine Abkürzung des eigentlichen Weges war. Wenn man ihn betrat, konnte man von außen nicht gesehen werden, weil er versteckt unter Büschen und Bäumen lag. „Wo ist er denn? Bin ich etwa schon vorbei? Ach nein, da ist er ja endlich.“
Griwin bog nach links ab in den Pfad hinein und als er ihn betrat, wurde er von der Dunkelheit verschlungen. Er konnte kaum die Hand vor Augen erkennen. Zu seinem großen Glück war er diesen Weg aber schon oft entlang gewandert, deshalb fand er sich leicht zurecht. Nur ein paar Mal wäre er fast vom Weg abgekommen, aber dicke Bäume hinderten ihn daran, als er mit dem Kopf dagegen stieß und ein leises „Aua! Bei Aule, mag denn dieser Weg nie enden?“ von den Lippen abspielte. Als der Weg abrupt vor ihm endete, stellte er fest, dass es doch noch nicht völlig finster war. Er blickte zum Mond empor, der als Sichel am Himmel stand und konnte so die ungefähre Uhrzeit feststellen.
Griwin hatte mindestens eine drei viertel Stunde Zeit gewonnen und um sie nicht gleich wieder zu verlieren, ging er rasch weiter immer den Hang hinab in der Hoffnung Ajienna zu finden. Dann blieb er stehen und lauschte. Zuerst hörte er nichts als das Rauschen seines Blutes in den Ohren, aber dann vernahm er folgende Worte: „A Elbereth Gilthoniel.“
Es waren Bruchstücke eines Liedes der Elben, das eine klare Frauenstimme sang. Griwin war entzückt von der elbischen Sprache und der wunderbaren Melodie. Doch konnte er niemanden sehen, dem die Stimme gehörte. Ist das Ajienna? Soll ich es wagen? Er wagte es und rief: „Frau Ajienna, Frau Ajienna, seid Ihr es?“
Der Gesang brach eilig ab.
„Ich bin es, Griwin. Seid Ihr es, Ajienna?“ Griwin zog seine Axt aus dem Gürtel. Wenn es doch nicht Ajienna war, wollte er auf alle Fälle gefasst sein.
Einige schier endlose Momente geschah nichts, wirklich gar nichts, dann tippte jemand Griwin von hinten an die Schulter. Der fuhr sofort herum, die Axt zum Hieb erhoben und wollte sogleich zuschlagen, da sagte die Stimme, die er soeben singen hörte: „Nicht doch. Ich bin es, Ajienna. Ihr habt nach mir gerufen, da kam ich zu Euch. Ist es Eure Art nach jemandem zu rufen, um ihn dann zu erschlagen?“ Und sogleich trat sie einige Schritte zurück.
Griwin senkte seine Axt und entschuldigte sich bei Ajienna: „Nein, dies ist nicht meine Art. Ich hatte nur erwartet Euch von vorne kommen zu sehen. Schon einmal habt Ihr mich überrascht. Meine Nerven waren bis zum Zerreißen gespannt.“
„Nun, was führt Euch zu mir?“
„Ich brauche Eure Hilfe!“ Und Griwin erzählte ihr alles, was er gehört hatte und was er vermutete.
Danach erwiderte Ajienna: „Nun gut, ich werde Euch helfen, wie ich es versprach. Doch ich weiß noch nicht wie. Lasst uns zuerst das Nachtquartier aufsuchen. Ich habe vorher schon eines gefunden, als Ihr nach mir rieft. Es ist eine Höhle im Stein und geräumig genug für zwei. Beratschlagen wir im Morgengrauen darüber, was wir machen werden. Ich bin jetzt müde und möchte schlafen, und Ihr wahrscheinlich auch.“
Die Höhle war wirklich geräumig genug für zwei - sie war es sogar für drei. Ein wenig noch unterhielten sich die beiden bis sie hintereinander in einen tiefen wohltuenden Schlaf sanken.
(Katrin)