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Der Roman „Angmar“
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Der Untergang Númenors
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Zeittafel




In Dorwinion

Der nächste Morgen graute und die Sonne erklomm langsam den Horizont im Osten. Griwin saß versteckt zwischen einigen Büschen im Wald, wo sie für diese Nacht Schutz gesucht hatten. Neben ihm lag Ajienna noch in tiefem Schlaf, doch Griwin war schon seit etwa einer Stunde wach. Wegen einem Geräusch war er aufgewacht und seither hatte er keine Ruhe mehr gefunden.
Es war noch zu früh um Ajienna zu wecken, schließlich waren sie gestern bis spät die Nacht in Dorwinion umher gewandert auf der Suche nach Elben – doch in den drei Tagen, die sie nun in diesem Land waren, waren sie auf keinen einzigen Elben gestoßen. Darum hatte Griwin schon die Hoffnung verloren, hier Elben zu finden, und er hatte Ajienna auch jeden Morgen darauf angesprochen, doch Ajienna blieb stur. Vermutlich waren die beiden schon unzählige Male an welchen vorbei gerannt ohne sie zu bemerken.
Ajienna seufzte leise im Schlaf, dann drehte sie sich auf die andere Seite, so dass Griwin ihr Gesicht erblicken konnte. Es sah ängstlich aus, vermutlich hatte sie einen schlechten Traum. Plötzlich schrie sie auf, öffnete ihre Augen und sprang auf die Füße. Dann sah sie sich erstaunt um.
„Was ist denn, Ajienna“, fragte Griwin und stand nun ebenfalls auf.
„Ich glaube... ich... ich hatte... einen Traum“, stammelte Ajienna leise vor sich hin.
„Was hast du denn geträumt?“ Griwin sah Ajienna tief in die Augen. „Es ist wieder vorbei – es war alles nur ein Traum.“
„Alles nur ein Traum“, wiederholte Ajienna „Ich träumte, dass ich wieder verfolgt wurde.“ Dann setzte sie sich auf den Boden, und Griwin neben sie. „Es war wieder ein schwarz gekleideter Mann, aber nur einer. Diesmal war ich allein und wollte vor ihm wegrennen,“ Ajienna schluckte „aber er holte mich ein und warf mich zu Boden, und dann setzte er mir ein Messer an die Kehle. Dann erwachte ich, Eru sei Dank!“
„Es ist vorbei – es war nur ein Traum“, wiederholte Griwin noch einmal. Schweigend saßen sie einige Minuten da, dann entgegnete Griwin: „Willst du immer noch nach Elben suchen? Wir irren jetzt schon seit drei Tagen hier herum, und haben bisher nicht einen einzigen dieses Volkes hier gesehen. Und doch sind wir an mindestens sieben Menschendörfern vorbei gekommen, und sogar an einer Stadt, wenn auch einer kleinen.“
„Menschen – als würden die sich bereit erklären dir zu helfen, die kämpfen doch nur auf der anderen Seite!“
„Oh doch, das tun sie wohl, denke doch an deine Eltern, halfen die auch zur anderen Seite?“
„Das ist etwas anderes“, sprach Ajienna mit ehrlicher Überzeugung. „Das sind... meine Eltern. Von meiner Mutter weiß ich ja nicht viel, aber mein Vater war ein großartiger Mensch.“
„Warum sollte es in dieser Stadt nicht auch großartige Menschen geben? Ist dir das jetzt etwa wichtiger als das Leben hunderter Zwerge von Zîrak-Dûsh?“
„Nein natürlich nicht!“ Ihre Stimme klang verzweifelt. „Ich will euch doch nur eine taugliche Hilfe verschaffen. Männer, die zu nichts fähig sind, können euch auch nicht helfen.“
„Also gut, diesen einen Tag gebe ich dir noch, sonst kehren wir um und gehen zu dieser Stadt! Mir egal, ob wir bis dahin Elben gefunden haben oder nicht.“


Der Tag neigte sich seinem Ende zu, und noch immer hatten sie keine Elben gefunden. Sie waren den ganzen Tag über umher marschiert, und hatten nur eine kleine Pause gemacht, um Mittag zu essen. Doch Ajienna wollte nicht aufgeben.
Griwin erwiderte: „Lass‘ uns aufhören, es hat keinen Zweck mehr, bald sehen nicht mal mehr unsere Hand vor Augen, es wird eine dunkle Nacht, es ist Neumond.“
„Eine Stunde noch, bitte Griwin, nur diese eine Stunde noch, ich bin mir sicher, es wird klappen!“
Da seufzte Griwin laut: „Einverstanden, diese einzige Stunde noch, aber dann ist es genug, dann werden wir uns ein Versteck für die Nacht suchen und etwas essen. Dann werden wir schlafen und am nächsten Morgen werden wir...“
„...zu dieser kleinen Stadt zurückgehen“, vollendete Ajienna den Satz. „Ich habe schon verstanden, obwohl ich immer noch nicht daran glaube, dass diese Menschen zu etwas taugen.“
Also wanderten sie weiter, durch einen Wald kamen sie und auch an einem See kamen sie vorbei – doch nirgendswo war auch nur eine kleinste Spur von Elben zu sehen. Da sprach Griwin: „Lass‘ uns aufhören, es hat keinen Zweck in der Dunkelheit zu suchen, die Stunde ist vorbei.“
Diesmal willigte Ajienna ein und sie gaben sie auf, obwohl Ajienna gerne doch noch weitergesucht hätte, aber versprochen war versprochen. Sie suchten sich ein Versteck im Wald, was im Finstern gar nicht so einfach war, dann aßen sie etwas Lembas, weil es zu dunkel war um zu jagen und fielen nacheinander in tiefen Schlaf.


Es war noch dunkel, als Griwin dadurch erwachte, dass Ajienna ihn heftig schüttelte. Er fuhr auf. „Was ist los? Ist etwas passiert?“ „Nein. Lass' uns zu deiner Stadt gehen. Ich werde versuchen, nicht allzu böse zu gucken, aber du kannst von mir nicht erwarten, dass ich mit einem der Menschen dort rede.“ Sie klang ein wenig verbittert.
Griwin rieb seine Augen, dann blickte er auf die schemenhaften Umrisse der Freundin, die sich im Dunkeln noch kaum von den Bäumen abhoben. Sie war wieder ein Stück von ihrem Schlafplatz weggegangen, während sie geredet hatte. Selbstsicher stand sie jetzt da. Griwin konnte ihre Augen nicht erkennen, aber sie schien durch den Wald hindurch zu blicken. Sie lehnte an einem Baum und hatte die Hände in die Hüften gestemmt. Er setzte sich auf und erhob seine Stimme: „Siehst du denn nicht, dass noch nicht einmal die Sonne am Himmel steht? Der Tag hat noch nicht begonnen...“
„Aber die Nacht bereits geendet.“ unterbrach ihn Ajienna. „Hör' zu, Griwin. Es mag nicht die richtige Tageszeit sein, aber jetzt habe ich mich durchgerungen. Ich bin bereit, den Menschen gegenüberzutreten - aber wenn ich es jetzt nicht tue, ändere ich meine Meinung vielleicht wieder.“
Griwin musste lächeln. „Du tust immer so stark, aber in Wirklichkeit bist du auch nur ein kleines Mädchen mit Ängsten wie alle anderen auch. Komm‘, dann lass' uns gehen!“ rief er, bevor Ajienna etwas erwidern konnte, „wenn wir uns beeilen, können wir die Stadt im Morgengrauen erreichen!“
Nachdem Ajienna und Griwin ein wenig Lembas zu sich genommen hatten, gingen sie schnellsten Weges zurück in die Richtung, wo die Stadt lag.. Und tatsächlich: Sie erreichten sie spät im Morgengrauen ohne besondere Zwischenfälle oder Gefahren. Als sie über einen kleinen Hügel vor der Stadt stiegen, blieb Ajienna stehen. „Ich warte hier auf dich. Geh‘ du in die Stadt und spreche mit dem Herrscher. Ich sagte ja bereits: ich werde mit dir gehen, aber mit diesen Menschen werde ich nicht sprechen.“
Griwin atmete noch einmal tief durch, dann trat er aus dem Gebüsch und begann den Hügel herab zu steigen. Er hielt geradewegs auf das große Tor zu und schon von weitem wurde er gesehen.
(Katrin)