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Der Roman „Angmar“
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Der Untergang Númenors
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Zeittafel




In der Menschenstadt

Als Griwin beim Tor angekommen war rief eine der beiden Wachen, die je links und rechts des Tores standen: „Halt! Was wollt Ihr?“
„Ich bin Griwin Griwans Sohn, ein Zwerg aus den Eisenbergen, und ich bitte Euch, mich zu eurem Herrn zu führen!“
„Meint ihr den Dorfältesten? Was wollt Ihr von unserem Herrn“, fragte diesmal der andere Wächter.
„Von mir aus auch den Dorfältesten. Ich möchte mit ihm allein darüber sprechen.“ Griwin war schon nervös gewesen, als er auf dem Weg hierher war, und er hatte auch keine Lust, sich mit den Wächtern auf ein ewiges Gespräch einzulassen.
„Kennt Ihr denn das Losungswort?“
„Das Losungswort? Nein, aber ich will die Hilfe eures Herrn erbitten! Ich muss mit ihm sprechen!“
„Tut mir leid: Kein Losungswort, kein Einlaß.“
„Wißt Ihr was? Das ist eine wichtige Angelegenheit! Nicht nur für die Zwerge, sondern früher oder später auch für euch!“
„Ich sagte bereits, wenn Ihr das Wort nicht kennt, dürft Ihr auch nicht herein.“ Er stellte sich Griwin in den Weg und umklammerte das Heft seines Schwerts stärker, als würde er einen Angriff von Griwin erwarten.
„Ich will euch nichts tun! Ich will nur mit eurem König sprechen. Ich bitte euch, so lasst mich durch!“
Als die Wachem die verzweifelte Stimme hörten, schauten sie sich gegenseitig an, als könnten sie sich auf diese Art und Weise verständigen. Schließlich nickte einer der beiden und dann der andere.
Und sogleich ging die Wache, die zuerst gesprochen hatte, weg, mitten in die Stadt hinein, und kam erst nach etwa zehn Minuten wieder zum Vorschein. „Ihr könnt nun mit mir kommen“, sprach er, sah Griwin erwartend an, dann gingen sie, Griwin hinter der Wache, quer durch die Stadt. Sie kamen durch einige Gassen, an deren Seiten Wohnhäuser standen, durchquerten einen kleinen Platz, in dessen Mitte ein runder Brunnen stand, und schließlich hatten sie ihr Ziel erreicht: Vor einer kleinen Halle machten sie halt. Prächtig erschien Griwin diese Halle nicht, aber es war eben nur eine kleine Stadt und einfach alles an ihr war klein. Die Häuser zwar nicht und auch nicht die Straßen, aber alles war in einem nicht gerade großen Bereich zusammengedrängt.
„Folgt mir“, forderte die Wache Griwin abermals auf. Er öffnete das große hölzerne Tor, und ging weiter, ins innere des Gebäudes. Dort saß, am Kopfende des Saals ein alter Mann auf einem steinernen Thron. Zu seiner rechten saß eine junge Frau auf einer niedrigen Stufe. Sie schritten weiter bis, sie vor dem Thron standen.
Da fragte der Dorfälteste: „Wer seid Ihr und was wollt Ihr von mir?“ Seine Stimme war mehr ein leises Flüstern, als die mächtige Stimme eines Herrschers. Krumm saß er auf seinem Thron zusammengekauert, als ob er in Gedanken gar nicht anwesend wäre. Ein Träumer schien er zu sein, einer der Gedanken und Träume schon gar nicht mehr zu unterscheiden vermochte.
„Ich bin Griwin Griwans Sohn. Ich komme aus den Eisenbergen mit einer wichtigen Botschaft zu Euch.“
Der Dorfälteste unterbrach ihn: „So, ein Zwerg seid ihr also.“ Und er beäugte Griwin misstrauisch.
„Ja, ich bin ein Zwerg, ein Zwerg aus den Eisenbergen“, wiederholte Griwin. „Und ich bin hier, um Eure Hilfe zu erbitten.“
Und die Frau, die neben dem Dorfältesten saß erwiderte: „Traut diesem Zwerg nicht, er könnte ein Späher des Feindes sein.“
Allmählich wurde Griwin zornig, aber der Zorn wurde noch erstickt von Trauer. Wirkte er wirklich so unglaubwürdig?
„Ich mag ein Zwerg sein, aber ist das ein Grund, mir nicht zu vertrauen? Ich habe eine lange Wanderung auf mich genommen, voller Gefahren, und nun wollt Ihr mich nicht einmal anhören, Herr?“ und er sah dem Dorfältesten in die Augen. „Ich brauche Hilfe, und ich hoffe, sie hier zu finden. Meine Heimat wird in kurzer Zeit einem furchtbaren Angriff standhalten müssen, und wenn es uns nicht gelingt, diesen Angriff abzuwehren, sind nicht nur die Zwerge, sondern alle Freien Völker in Gefahr!“
Der Dorfälteste, dessen Blick während Griwins Rede in die Ferne geschweift war, richtete die Augen nun wieder auf den Zwerg.
„Ja...“, sagte er mit leiser und müder Stimme, und Griwin hatte das Gefühl, als habe der Mann seine Worte gar nicht vernommen. Langsam glitten sein seltsam entrückter Blick an Griwin herunter, und abschätzig verzog er den Mund. „Solche wie Euch sehe ich täglich zu Dutzenden“, erhob er seine Stimme. „Einer scheint wie der andere zu sein.“ Er senkte den Blick. „Ein kleiner Zwerg seid Ihr, ein Zwerg wie alle anderen. Wieso sollte ich mein Vertrauen einem normalen Zwergen schenken? Ihr habt nichts Herrliches an euch, kein Geheimnis, Ihr scheint die Welt nicht zu kennen. Ihr seid... gewöhnlich.“
Und mit diesen Worten ließ er sein Kinn auf die Brust sinken, schloss die Augen und machte eine abweisende Handbewegung. Die junge Frau erhob sich. „Ihr habt unseren Herrscher gehört“, sprach sie, „lasst ihn jetzt allein.“
Eine dicke Träne kullerte Griwin die Wange hinab und schnell wandte er sich um, diese Leute brauchten gar nicht zu bemerken, dass er weinte.
Langsamen Schrittes durchquerte er die Halle und verließ sie. Draußen erwartete ihn die Wache und führte in wieder hinaus aus der Stadt. Griwin verabschiedete sich noch und rannte dann davon. Nach ein paar Minuten lies er seiner Wut freien lauf, zog seine Axt, und schlug stur einige Sträucher um. Dann dachte er: „Ajienna, Ajienna, du kannst mir jetzt helfen. Ich brauche dich! Ajienna, ich komme!“
Und sogleich steckte er seine Axt wieder in den Gürtel und erklomm den Hügel. Dort stand Ajienna, die immer noch auf ihn wartete.
„Ajienna“, rief Griwin. „Ajienna, du musst mir nun helfen. Dieser Dorfälteste will mir nicht helfen. Er sagte, es kämen täglich Leute zu ihm, die seine Hilfe erbitten wollen. Ich sei nur ein kleiner Zwerg wie alle anderen auch, ich hätte kein Geheimnis an mir.“
„...und du denkst, ich bin ungewöhnlich?“
„Nun ja... der König wird dich bewundern. Ich bin mir sicher! Bitte, Ajienna, hilf mir, komm mit in die Stadt.“
Ajienna seufzte. „Also gut, ich komme mit. Aber warte noch einen Moment.“ Sie drehte sich von Griwin weg, kramte in ihrem Rucksack und zog einen Elbenmantel hervor. Sie legte ihn sich über die Schultern und verschloss ihn mit einer Spange in Form einer Blume. Dann löste sie ihren Zopf. Das Lederband, das ihn zusammengehalten hatte, schlang sie sich nun um ihre Stirn und verknotete es am Hinterkopf. Schließlich kehrte sie sich wieder zu Griwin um.
Griwin erstarrte. Überwältigt betrachtete er Ajienna - nur dass die Person, die da vor ihm stand, nicht mehr Ajienna war. Das Mädchen, das er kannte, die Waldläuferin, die über jede Kleinigkeit lachen konnte und so schnell zornig wurde, war verschwunden. An ihrer Stelle stand eine Herrscherin vor ihm, und jetzt verstand Griwin. Diese Frau war nicht mehr Ajienna, sie war Elenûr. Wie ein Stern strahlte sie nun, und ihr goldenes Haar fiel ihr über die Schultern.
Ein kaum erkennbares Lächeln umspielte ihre Lippen, und Griwin sah es, sah, was die Elben an sofort an ihr erkannt haben mussten. Er sah, warum sie Sternenseele genannt wurde, genannt werden musste, weil sonst kein anderer Name zu passen schien. Der Grund schien in ihren Augen durch zuscheinen. Noch ganz verzaubert betrachtete Griwin Ajienna, als diese ihre Stimme erhob, die ihn wieder in die Wirklichkeit zurückholte.
"Mach den Mund wieder zu," sagte sie mit unterdrücktem Lachen, "meinst du, dass ich so geheimnisvoll genug aussehe, um den Ansprüchen dieses seltsamen Herrschers zu genügen?"
Griwin fühlte sich, als wäre er aus einem Traum gerissen worden. "Ja... natürlich..." stammelte er.
„Griwin, warte hier auf mich. Ich werde sehen, was ich machen kann.“ Dann ging sie los zu den Toren.
„Viel Glück“, schrie ihr Griwin noch hinterher. Dann setzte Griwin sich ins Gras und streichelte nervös über seinen Bart. „Viel Glück“, murmelte er noch einmal. „Das wird sie brauchen...“
(Katrin)