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Der Roman „Angmar“
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Der Untergang Númenors
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Zeittafel




Der goldene Troll
Langsam erstarb der Jubel der Orks. Aus dem Königspalast trat Garzôk hervor, auf seinem Rücken hing der Mantel des Königs und der Ork hatte sich die Krone aufgesetzt. Die Orks sammelten sich um ihn und Garzôk sprach: „Nun endlich haben wir es geschafft! Rhaz-gard ist unser! Sammelt alle Schätze dieser Stadt ein und bringt sie in diese Kammer! Jeder soll sich sein Quartier aussuchen! Denn nun auf alle Ewigkeiten werden die Orks hier leben! Ich bin Garzôk, der neue Herrscher von Rhaz-gard!“
Die Orks fingen an zu jubeln und rannten los um die Stadt in eine Orkssiedlung umzugestalten. Die Flagge von Rhaz-gard wurde runtergerissen und an derer Stelle das Banner des Clans gehisst. Die Überlebenden wurden in die Minen gebracht um dort für die Orks bis zum Tode zu schuften. Die Schatzkammer wurde geplündert und die Schätze in die vorgesehene Kammer gebracht. Die goldenen Verzierungen wurden abgerissen und die Statuen längst vergangener Könige zertrümmert. So verrichteten die Orks ihre schmutzige Arbeit, während Garzôk auf dem Throne saß und hämisch lachte. Auf seinem Finger trug er den Ring des Königs, der bereits abgekühlt war. „Dieser Ring ist großartig! Er verleiht große Macht, ich spüre es! Den werde ich behalten, dieser Schwarze kann von mir aus alles andere haben, aber den Ring wird er nicht kriegen!“ dachte sich Garzôk.
Plötzlich trat Kâtlosch ein, der Berater von Garzôk und sagte:„Garzôk, wir sind fertig, aber was sollen wir mit den...!“
Aber Garzôk unterbrach ihn mit wütender Stimme: „NARR!“ schrie der neue Herr von Rhaz-gard. „Nenn mich gefälligst MEISTER!“
Kâtlosh wich voller Furcht zurück, Garzôks Ausstrahlung hatte sich verändert, er wirkte viel mächtiger und schrecklicher als sonst. „Ja... äh... Meister!“ stammelt er. „Was sollen wir mit den Toten machen? Es ist hell draußen, keiner will die Stadt verlassen und die Leichen verscharren!“
Garzôk stand auf und sagte: „Werft sie in das Gebäude, in dem die Zwerge ihre Könige begraben! Und dann...“ Bei diesen Worten grinste er: „Reisst das Gebäude ab! Dieses Kazhadbauwerk ist sowieso unnütz!“
„Ja, Meister, das werde ich ausrichten. Soll ich deinen Ring in die Kammer bringen?“ fragte Kâtlosch und deutete auf das Schmuckstück in Garzôk.
„DER RING GEHÖRT MIR!“ schrie Garzôk und die Königshalle erzitterte.
„Aber Arzedokh hat gesagt, dass alle Schätze in die Kammer gehören!“ sagte Kâtlosh empört. „Und Arzedokh ist der Herr des Clans, nicht du!“
Garzôk lachte und rief: „Nicht mehr! Nun bin ich der Herr! GEH MIR AUS DEN AUGEN!!“
Entsetzt verließ Kâtlosch das Gebäude. Garzôk setzte sich wieder auf den Thron. „Keiner wird dich nehmen, nur ich, denn du bist mein.“


Derint erhob sich langsam von dem Felsen und bestieg sein Pony. Er strich seinen grauen Bart zurecht, blickte nach Rhaz-gard und dachte an all seine Freunde und an seine Neffen, die an diesem Tag des Verderbens gefallen waren. Drimjil trabte langsam in Richtung Westen und kaute hingebungsvoll an einer Pflanze herum. Derint beneidete das unbekümmerte Tier zutiefst „Es wird wohl meine Bürde sein, Grîm von dem Tod seiner Söhne berichten zu müssen!“ dachte Derint traurig. „Aber er ist vielleicht auch der einzige, der was unternehmen kann! Wer soll mir denn helfen? Keinen wird’s kümmern! Nein, Grîm ist der einzige, der helfen kann! Aber der Weg ist weit! Ach, ich wünschte, ich hätte auf die Zwerge gestern Nacht gehört!“
Eine Stunde ritt er so vor sich hin, in düsteren Gedanken versunken. Die Umgebung änderte sich, überall wuchsen Büsche und ein kleiner Wald ragte vor Derint auf. Es fing schon langsam an zu dämmern und Derint spürte die großen Anstrengungen der Schlacht. Plötzlich horchte er auf. Hinter ihm hörte man schwere Schritte und raue, hässliche Stimmen. Derint erschrak und ritt schnell zu einem hohen Busch um sich zu verstecken sich. Und da kamen sie, die Mörder seiner Freunde, zwei große Orks mit einem kleinen Fährtensucherork. Derint zitterte vor Furcht, horchte aber gebannt den Worten der Orks, denn sie redeten in der Sprache der Menschen. „Ich will diese Flüchtigen so schnell wie möglich fangen! Bis zu denn Spitzhügel geh ich nicht!“ sagte der größere Ork.
Der andere Ork blickte sich etwas ängstlich um. „Ich auch nicht!“ sagte der andere. „Dort haust dieser grässliche Troll! Ich hoffe, Garzôk wird mit ihm bald abrechnen!“
„Garzôk!“ schnaufte der andere verächtlich und seine Gesicht nahm eine bittere Mine an. „Garzôk ist ein Wichtigtuer, er spielt sich auf, als wäre er der Chef des Clans! Aber Arzedokh wird ihm schon zeigen, wer der Herr ist!“
Nun ergriff der kleine Fährtensucher das Wort: „Ich mach mir mehr Sorgen um diesen Schwarzen Reiter, von dem Arzedokh erzählt hat. Angeblich hatte er kein Gesicht und angeblich fürchtet sich jeder in seiner Nähe! Habt ihr auch gehört, dass er kommen wird, um die Schätze zu holen?“
„Ich vermute, dass das nur ein Gerücht ist. Still jetzt!“ sagte der größere und seine Stimme wurde etwas leiser. „Es wird dunkel und ich möchte nicht in einem Trollrachen landen!“
Langsam verschwand die Sonne am Horizont, aber die Orks gingen weiter. Sie hatten vermutlich mehr Angst vor einem zornigen Garzôk, als von einem Troll, denn sie noch nie vorher gesehen hatten. Derint atmete erleichtert, als die Orks endlich sein Versteck passierten und tiefer in den Wald marschierten. Er setzte sich wieder auf Drimjil und wollte schnell weiterreiten. Es war wohl ein Zufall, dass er in dem Moment gerade niesen musste. Die Orks hörten sofort das laute Geräusch und zogen ihre Krummsäbel. Mit schnellen Schritten erreichten sie Derint und rissen ihn von seinem Pferd runter. Derint landete unsanft im Staub und blieb liegen. Die Orks lachten und der größte von ihnen schnappte Derint am Ohr und hob ihn hoch. Derint schrie auf. „Haben wir dich!“ rief der Ork. „Du wirst noch mehr schreien, wenn Garzôk dich bekommt! So, das wäre mal einer!“ „Glôrl, lass uns hier verschwinden!“ rief der Fährtensucher. „Da sind die Spitzhügel! Wir müssen gehen bevor der Troll uns kriegt!“ Glôrl, der große Ork, wollte noch etwas erwidern, aber er bekam keine Gelegenheit mehr dazu.
Plötzlich hörten sie einen grässlichen, grollenden Schrei und aus dem Gebüsch brach ein riesiger Troll hervor. Sein Gesicht sah aus wie grob behauener Fels und in seinem Mund steckten Reihen voller messerscharfer Zähne. Seine Pranken sahen aus, als ob sie selbst Bäume mit einem Schlag niederhauen konnten. Auf seinem Kopf trug der Troll einen Reif aus Gold mit Edelsteinen besetzt. Der Angriff erfolgte so schnell, dass die Orks keine Chance hatten sich zu wehren. Er warf die beiden großen Orks zu Boden und biss ihnen die Kehle durch. Der kleine Fährtensucherork rannte schreiend davon und der Troll erwischte ihn nicht mehr. Er knurrte und beugte sich über Derint. Der Troll betrachtete ihn mit seinen roten, glühenden Augen und Derint spürte, dass er fast unter diesem abscheulichen Blick zerbrach. Er hatte große Angst, fast soviel Angst wie vor mehr als hundertfünfzig Jahren nicht mehr, als der Drache seine Sippe ausrottete. Derint bereitete sich schon seelisch auf seinen Tod vor, aber nichts geschah. Der Troll fing an zu sprechen: „Was bist du für ein Wesen?“ Seine Stimme klang grob und dumpf.
Derint antwortete nicht, voller Angst schloss er die Augen. „Sieh mich an, wenn ich mit dir rede!!“ schrie der Ork.
Seine Stimme klang wie ein Gewitter und sein Atem roch grässlich nach orkischem Blut. Der Troll brüllte Derint ein zweites Mal an und da stammelte Derint: „K...Kl...Kleinzwerg!“
Der Troll leckte sich das Blut von den Lippen und packte Derint am Nacken. „Ich kenne dein Volk nicht, aber da du eine Art von Zwerg bist, werde ich dich nicht fressen. Zwerge sind immer nützlich!“ sagte der Troll. Er nahm die Orkkadaver und ging Richtung Westen.
Derint sah Drimjil, sein Pony, welches voller Furcht in den Wald rannte. „Guter alter Drimjil!“ dachte sich Derint. „Einer von uns hatte wenigstens Glück!“
Einige Minuten später hielt der Troll an. Sie waren jetzt am Anfang der spitzen Hügel, eine große Felswand ragte sich vor ihnen auf. Der Troll nahm einen silbernen Schlüssel und steckte ihn in ein kleines Loch, mitten in der Felswand. Es knackte laut und ein Teil der Felswand öffnete sich langsam. Voller Staunen betrachte Derint die Höhle, welche er sah. Mit Gold verzierten Wänden war die Höhle besetzt, überall steckten edle Steine, Fackeln brannten überall und es gab viele Räume mit silbernen Türen. Derint dachte unweigerlich an Rhaz-gard, welches so prachtvoll war und nun von den Orks verdreckt wurde. Jedenfalls erinnerte die Höhle keinesfalls an eine Trollbehausung, jedenfalls nicht an das, was sich Derint unter eine Trollbehausung vorstellte . Der Troll ging auf eine Tür zu und öffnete sie. Ein bestialischer Gestank strömte Derint entgegen und er schloß kurz die Augen. Als er sie wieder öffnete, bereute er es sofort. Im Raum sah es aus wie auf einem Schlachthof, überall lag rohes Fleisch herum. Es war wahrlich ein widerlicher Anblick, der Derint den Magen verdrehte. Der Troll warf die beiden Orkkadaver auf den Haufen und schloss die Tür wieder hinter sich.
Der Troll betrat einen anderen Raum, welcher noch prachtvoller glitzerte und glänzte. Und da, auf einem silbernen Thron, saß ein steinalter Troll, mit grauen Bart und einer goldenen Krone auf dem Haupt. Er überragte Derint um gute fünf Köpfe und war breiter als ein Baum. Derint hatte viele Legenden über den „Goldenen Troll“ gehört, wie er oft von den Bewohnern in Rhaz-gard genannt wurde. Angeblich war er der Anführer der Trollbande, die König Khamlans Vater einst erschlugen. Derint hielt die Geschichten eigentlich immer nur für Märchen, um Kinder zu erschrecken, damit sie sich nicht weit von der Stadt entfernten. Bis jetzt. Der alte Troll stand auf und betrachtete Derint genau. „Wo hast du diesen Kleinzwerg her?“ fragte er mürrisch den jüngeren Troll.
„Er was Gefangener eines kleinen Orktrupps! Ich habe sie gleich in die Kammer gebracht.“ antwortete der Troll.
„Hast du alle erwischt?“ wollte der Alte wissen.
„Nein“, antwortete der junge Troll und blickte zu Boden. „Einer konnte entkommen. Ist sicher nicht so schlimm, bis zur nächsten Orksiedlung ist es weit!“
Der Alte schlug dem Troll ins Gesicht. „Du Narr! Du bist wirklich blöder als ich dachte. Hast du überhaupt nichts mitgekriegt? Rhaz-gard ist gefallen, von den Orks besetzt. Du bist eine Schande, mein Sohn, wirklich. Du hättest ihn jagen sollen, jetzt holt er Hilfe!“ brüllte der alte Troll.
Der Sohn rappelte sich auf und verließ geschwind das Zimmer. „Und nun zu dir!“ sprach der goldene Troll und wendete sich zu Derint. „Kleinzwerge habe ich schon lange nicht mehr gesehen! Angeblich seid ihr im Handwerklichen nicht ganz so begabt wie euren etwas größeren Brüder. Aber, du siehst nicht nahrhaft aus, mach dich in der Schmiede nützlich. Der dreckige Elb wird dir alles erklären. Arak!!“
Der junge Troll kam herein. „Was willst du?“ fragte er.
„Bring ich ihn in die Mine“ antwortete der Alte und setzte sich wieder auf seinen Thron. Arak packte Derint und schmiss ihn in eine Höhle.
Derint rollte herunter und blieb auf dem staubigen Boden liegen. Plötzlich streckte ihm eine Gestalt die Hand entgegen. Derint ergriff sie.
(Krystian)