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Der Roman „Angmar“
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Der Untergang Númenors
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Zeittafel




Glorfindels Erwachen
Fröstelnd drehte sich Glorfindel um. Was war passiert? Er konnte sich nur an Fragmente erinnern. Wo war er, was machte er hier in diesem unwirtlichen Land? Der kalte Wind pfiff durch sein Haar. Was war er?
... Denke an deinen Auftrag ...
... Valinor ...
Wieder ein kurzes Aufblitzen einer Erinnerung, die aber vom schneidenden kalten Wind aus seinem Gedächtnis vertrieben wurde! Wo zum Teufel war er hier! Glorfindel sah an sich herunter und bemerkte, dass er außer einem Lendenschurz nichts an sich trug. Neben ihm auf dem Boden lag ein grauer Mantel mit einer Brosche in Form eines Blattes.
... Ein Mantel wie die aus Lorien ... Er wird dich beschützen und dich verstecken vor neugierigen Blicken bis du dein Ziel erreichst ...
Er lauschte der schönen Frauenstimme im Wind, doch sie war nicht mehr zu hören. Er warf sich den Mantel um und spürte wie Wärme durch seinen Körper strömte.
"Ach, Yavanna!"
Er hörte ein Wiehern und drehte sich um. In den Dünen befand stand ein schneeweißes Pferd, frisch gesattelt und mit gefüllten Satteltaschen. Glorfindel ging darauf zu. Das Pferd senkte freudig zur Begrüßung den Kopf als ob es ihn seit Jahren kennen würde.
... Morgenwind ist ein treues Pferd ... Eines der Besten aus meinen Ställen ... Es wird dahin dich tragen wo immer du sein musst ... In seinen Satteltaschen findest du Verpflegung und Kleidung, eines Elben wahrhaft würdig ...
Glorfindel öffnete die Satteltaschen und entdeckte ein schneeweißes Untergewand, einen Gürtel aus Silber mit einer Goldenen Blume als Schnalle und ein Obergewand in Schneeweiß. Freudig legte er seine Kleidung an und fand in der zweiten Satteltasche noch zwei Elbenstiefel, weich und warm. Er warf sich den Umhang aus Lorien über und sah sich um. Es war ein Grauer Tag. Es hatte aufgehört zu regnen und er fühlte sich wohl in der Nähe des Meeres. Glorfindel erblickte über den Rand der Dünen das Meer.
Er ging zu Morgenwind hin und zog aus dem Halfter neben den Satteltaschen ein Schwert mit Scheide und einen Stock. Das Schwert war schön gearbeitet, mit Runen verziert und leuchtete schwach.
... Eine wunderbare Waffe ... Gilmedurfuin wird dich bei dich vor dem Dunkel schützen, das über Arda hereinbricht ...
Wieder so ein Erinnerungsfragment blitzte in Glorfindels Gedächtnis auf. Er untersuchte den Stab und entdeckte, dass es ein hohler Stab war, welcher einen Bogen beherbergte und entdeckte auch in den Satteltaschen Pfeile. Er gürtete sich Pfeile Bogen und Schwert um und bestieg Morgenwind.
Glorfindel wurde schwindelig und er brach auf dem Pferd zusammen.
Er träumte einen gar seltsamen Traum:
Er sah sich selbst sitzen in einer gar herrlichen Halle geschmückt mit Blumen, Blättern und Pflanzen aller Art. Dort saßen sie alle, die großen Helden der Elben: Finwe, Feanor, Turin und noch viele mehr! Und alle wirkten sie so durchsichtig, fast nicht anwesend. Alle saßen sie hier und warteten auf das Ende der Welt. "Mandos Hallen" durchzuckte es ihn.
Jetzt erkannte er auch, wer er war. Glorfindel, Fürst von Gondolin, und erster des Hauses der Blume. Und er war bei einem Kampf mit einem Balrog gestorben. Er war tot. was machte er dann in Mittelerde?
"Glorfindel, Fürst von Gondolin, folgt mir!" Vor ihm stand Eonwe, Manwes Bote.
Glorfindel erhob sich und folgte Eonwe.
Sie verließen Mandos Hallen und bewegten sich zum Schicksalskreis hin. Und so stand Glorfindel vor den Valar.
"So höre, Glorfindel, Fürst von Gondolin, lange hast du geruht in Mandos Hallen und bist genesen von den Wunden der dunklen Flamme", tönte Manwes Stimme laut über den Schicksalskreis zu ihm hinüber. "Nun höre, es ist nicht dein Schicksal zu sitzen in Mandos Hallen bis in alle Ewigkeit. Deine Aufgabe in Arda ist noch nicht erfüllt. Du, Glorfindel, sollst zurückkehren und unser Auge und Ohr sein. Uns berichten über die Dunkle Macht die sich in Angmar zusammenbraut. Die Lande der Dunedain sind in Gefahr. Doch höre, du wirst nur eingreifen, wenn es unbedingt nötig ist. Hüte dich aber vor dem Gefallenen, dem Diener des dunklen Herrschers. Er gewinnt wieder an Macht und mit ihm seine Anhänger. Du wirst wiedergeboren werden. In Arda wirst du erwachen in einem Land und einer Zeit, die dir Fremd ist. Dort wirst du deine wahre Gestalt verhüllen und eilen zu Cirdan, dem Schiffsbauer. Er wird dir einen Auftrag erteilen. Berichte uns, was in der Welt vor sich geht. Doch hüte dich, Glorfindel aus dem Haus der Blume. Hüte dich."
Glorfindel erwachte wieder. Das war also sein Auftrag.
Er sprach zu Morgenwind: "Trage mich, Morgenwind, so schnell du kannst zu meinem Bestimmungsort!" und ritt Richtung der Grauen Anfurten am Meer entlang.
Es begann wieder zu regnen. Glorfindel zog seinen Mantel enger um sich. In der Ferne sah er drei Gestalten um ein Feuer sitzen. Er ritt auf sie zu in der Hoffnung, von Ihnen Auskunft zu erhalten. Als er näher heran war, sprangen die drei Gestalten auf und griffen nach ihren Schwertern.
Bevor Glorfindel irgend etwas sagen konnte, herrschte ihn einer an: "Pack, was willst du hier? Ich war schon froh, keinen von euresgleichen mehr sehen zu müssen, menschliches Gesindel!"
"Und wo hast du das Pferd gestohlen, elender Dieb? Das Pferd ist einem Menschen nicht würdig, steig ab!"
Glorfindel war bestürzt, als er erkannte, dass der Sprecher ein Elb war.
Er erhob seine Stimme und sprach zu ihm in der Sprache der Sindar: "Haltet ein, was bedroht ihr einen armen Reisenden, der den Weg nicht findet? Was habt ihr für eine Abneigung gegen die Menschen?"
"Was geht dich das an, Menschenpack?"
Glorfindel stieg ab und schob seine Kapuze in den Rücken.
"Warum verhüllt ein Elb sein Gesicht?"
"Weil er nicht erkannt werden will. Unfreundliches Volk, weist mir bitte den Weg zu Cirdan, dem Schiffbauer!"
"Beim ihm wirst du kein Schiff bekommen, wir kommen gerade von ihm und er wollte uns keins geben. Wenn du aber meinst, du hast mehr Glück, reite diesen Weg hier einfach entlang. Du wirst bald in ein kleines Dorf kommen. Dort an den Klippen wohnt Cirdan. Und nun lass uns allein!"
Glorfindel zog sich die Kapuze ins Gesicht und ritt verstört weiter.
"Was ist mit Mittelerde passiert?"
Seinen Kopf voll quälender Gedanken erreichte er eine kleine Ansiedlung von Holzhäusern und erblickte auch auf den Klippen das kleine Anwesen das ihm die unfreundlichen Noldor beschrieben hatten. Er hielt darauf zu. Nach einer halben Stunde Ritt erreichte er die Klippen. Sein Pferd ging sicher den sich windenden Weg hinauf. Er hoffte inständig, dass Cirdan sich noch an ihn erinnerte.
Das "Anwesen" sah bei Weitem nicht so imposant aus wie von der Ferne. Cirdan lebte in einer Art gekentertem Schiff. In das Heck war eine Tür eingelassen und es schien, als hätte man einfach das Schiff unten abgeschnitten und auf einen Steinboden gesetzt.
Glorfindel trat auf die Tür zu und klopfte.
"Was ist euer Begehr?" ertönte Cirdans tiefe Stimme.
"Etwas Wärme und Unterkunft für eine Nacht für mich und mein Pferd."
Die Tür öffnete sich knarzend und ein alter Elb mit langem Bart kam zum Vorschein. Misstrauisch blickten die Augen des alten auf die verhüllte hochgewachsene Gestalt.
"Kenne ich Euch?"
"Ich hoffe doch! lasst mich bitte ein und ich werde euch alles erklären."
Cirdan trat zur Seite und ließ Glorfindel ein.
Glorfindel trat ein in Cirdans Wohnstätte. Er wunderte sich erst mal: Alles war nach Seemannsart eingerichtet. Glorfindel wartete bis Cirdan sein Pferd untergebracht hatte und zurückgekehrt war und die Tür geschlossen hatte. Dann nahm er seine Kaputze ab.
"Bei Eru, Glorfindel! Ich dachte, du wärst bei dem Kampf mit dem Balrog gestorben."
"Bin ich auch."
Cirdans Augen weiteten sich, dann umarmte er Glorfindel und sprach: "Setz dich und erzähle!"
Glorfindel berichtete Cirdan, was geschehen war, soweit er es durfte, er erzählte ihm dass er von den Valar mit einem Auftrag zurückgekehrt wäre, und dass Cirdan unbedingt Stillschweigen bewahren müsse darüber, dass er zurück wäre.
"Cirdan, was ist mit Mittelerde geschehen?"
"Tja, der Gefallene wurde verbannt, wie du weißt. Aber er hat sein Erbe hinterlassen. Die Menschen und Elben haben sich von einander entfremdet. Und wir sind hochnäsig geworden. Es ist schlimm, besonders bei den Noldor. Du hast dich verändert, Glorfindel, du bist stiller geworden, nachdenklicher, du bist nicht mehr so lebenslustig."
"Das liegt vielleicht daran, dass ich noch immer mit einem Bein in Mandos Hallen stehe. Doch Cirdan, ich spüre, dass die Geister der Toten in Unruhe sind, was passiert"
"Darauf kann ich dir keine Antwort geben. Aber ich weiss, wer dir vielleicht helfen kann. Geh nach Imladris zu Elrond dem Halbelb, dem Sohn von Earendil."
"Das werde ich tun, doch was ist Imladris?"
"Imladris ist Ilmdaris, eines der Zeitlosen Orte, welche mit Hilfe der Elbenringe erschaffen wurden."
Cirdan erzählte Glorfindel die Geschichte von der Entstehung der Zeitlosen Orte und von den Ringen der Macht. Auch berichtete er von Sauron und seinen unheiligen Taten, vom Sieg über Sauron und vom Beginn des dritten Zeitalters.
"Es ist spät geworden, Cirdan, wo kann ich mich zu Ruhe legen?"
Cirdan erhob sich und führte Glorfindel zu einem kleinen Lager aus Stroh: "Mehr kann ich dir leider nicht anbieten. Ruhe gut!"
"Ruhe gut!"
Cirdan entfernte sich und Glorfindel legte sich nieder. Er fiel in einen unruhigen Schlaf.

Er träumte von einem Turm, schwarz wie die Nacht, und roch übel stinkende Dämpfe. Das Land, in dem er sich befand, war hässlich verdorrt und verkrüppelt. Vor dem eingestürzten Turm sammelten sich Orks. Dann hörte er eine Stimme, die ihn erstarren ließ. Sie sprach in unverständlichen Worten die entfernt an die Sprache der Valar erinnerten und an die Hochsprache der Elben aus Valinor. Er sah ein brennendes Auge über dem Turm schweben, das überall gleichzeitig hin blickte. Und es suchte etwas ...
"Glorfindel was ist? Wach auf!" Cirdans Stimme klang wie von weit her.
"Schon gut Cirdan, ich habe nur schlecht geträumt."
"Sei vorsichtig mit deinen Träumen, sie bedeuten vielleicht etwas! Es ist schon morgen, du solltest aufbrechen bevor die Schiffsbauer richtig wach sind, sonst könnte irgendjemand dir Fragen stellen."
"Einverstanden, Cirdan. Ich komme wieder. Atenio, Cirdan!"
"Atenio, Glorfindel, dein Pferd grast auf der Rückseite des Hauses." Er zog sich an, warf seinen Mantel über und ging hinaus und freute sich, dass es nicht regnete, obwohl die Wolken sehr Tief hingen und es neblig war.
"Gibt es in Mittelerde keine schönen Tage mehr?"
Glorfindel hing trübseligen Gedanken nach als er um das Hausschiff herumging und sein Pferd einfing.
"Was hatte Cirdan gesagt? Ich solle nach einem Ort Namens Bree reisen. Und
von dort weiter nach Imladris."
"Morgenwind, mein treues Pferd, trage mich nach Bree und von dort aus nach Imladris."
Und er ritt los und lies die Zügel locker.
Die Wochen zogen sich dahin, die Landschaft veränderte sich kaum merklich Langsam gingen die Dünen und der Sand in Steppe über und die Steppe in Grasland. Tag für Tag lief die Zeit voran während Glorfindel gen Bree ritt.
Es war so gegen Mitte der zweiten Woche, Glorfindel hatte aufgehört die Tage zu zählen, die er nun schon im Sattel saß, als er so gegen Mittag einen Trupp schwarz gekleideter Gestalten entgegenreiten sah.
Es lief ihm kalt über den Rücken beim Anblick dieser Gestalten. Vor allem, als er die schlurfenden Bestien hinter den Reitern sah. Orks! Musste er diesen Scheusalen schon wieder begegnen. Die Wärme, die vom Schwert an seiner Seite ausging zeigte Glorfindel, dass sich ein Diener der Finsternis unter ihnen befand. Ein Diener, der nicht nur mit dem Schwert umzugehen weiß. Auch spürte er die Aura des Unheils, die die Truppe umgab. Glorfindel berührte die Brosche, die seinen Mantel zusammenhielt, wie aus Reflex und spürte, wie ihn der Nebel aufnahm und seine Gestalt verhüllte, sein wahres Ich verbarg und die Stärke seines Geistes vor den Dienern des Feindes verbarg. Er ritt weiter auf sie zu. Es waren Soldaten wie er jetzt erkannte. Doch zu Glorfindels Überraschen waren es Menschen und Orks, keine besonders gefährlichen Gegner. Sie schleppten zwei halb tote Elbenkinder hinter sich her. Der Anblick versetzte Glorfindel einen schmerzhaften Stich.
Als er schon an ihnen vorbei war, sie konnten ihn im Nebel nicht sehen, drehte er sich wider besseren Wissens um, spannte seinen Bogen und legte einen Pfeil auf die Sehne. Doch sie waren verschwunden.
"Eine Vision, eine Warnung, vielleicht sollte ich mich besser beeilen."
Glorfindel gab seinen Pferd die Sporen und ritt weiter seinen Weg entlang.
Und bald danach sah er eine Elbenfamilie, welche in einen Kampf mit gut 15 Orks und Menschen verwickelt war. Mutter und Vater versuchten ihre beiden Kinder zu schützen welche Glorfindel sofort wider erkannte. Das waren die zwei halb toten Elbenkinder von vorhin. Glorfindel spannte seinen Bogen und schoss in den Nebel, nur seinem geistigen Auge und seinem Geruchssinn vertrauend. (Orks stinken fürchterlich für einen Elben.)
Der Pfeil sirrte durch den Nebel und ein Ork ging schreiend zu Boden. Die anderen stoben auseinander, nur zwei Orks und vier Menschen blieben zurück.
Glorfindel zog sein Schwert aus der Scheide und spürte, wie Wärme seinen Körper durchströmte und ihm Kraft gab. So spürte er nur wenig von der drückenden Stimmung, welche über dem Ort lag. Die Orks hatten nicht weniger Probleme als die Menschen, seinen Schlägen zu entgehen. Glorfindel war dank des Umhangs im Nebel fast nicht zu sehen, nur kurz bevor es zu spät war sahen sie das Schwert aufblitzen. Schon bald lagen zwei Menschen und ein Ork in ihrem Blut. Den Rest erledigte die Familie.
Glorfindel trat auf den verwunderten Vater der Familie zu. "Ich grüße euch, werter Freund! Kann ich euch helfen?"
Der junge Elb blickte sich um, versuchte den Sprecher ausfindig zu machen.
"Bemüht euch nicht, mich zu finden, ihr könnt mich nicht sehen in dem Nebel.
Und doch bin ich anwesend."
"Herr, ich danke euch. Wir hofften nicht auf Rettung."
"Ihr braucht mir nicht zu danken, außer, indem ihr mir sagt, wie weit es bis Imladris ist."
"Imladris, Herr? Wir kommen von dort. Es ist nicht mal zwei Tagesreisen entfernt. Allerdings habt ihr Bree verfehlt, falls ihr da durch wolltet, müsstet ihr umkehren. Nochmals Danke, aber wir müssen weiter."
"Gern geschehen, geht nur weiter."
Glorfindel gab seinen Pferd wieder die Sporen und ritt Richtung Imladris von dannen.
(Martin)