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Der Roman „Angmar“
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Der Untergang Númenors
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Zeittafel




Rettung durch die Zwerge

Nachdem Lardis die Waldmenschen verlassen hatte, ritt er in Richtung Süden, immer am Rande des Waldes entlang. Er war froh, aber auch etwas irritiert, so leicht den Menschen entkommen zu sein, die ihn am Morgen noch aufhängen wollten. War der Grund dafür das Auftauchen dieses mysteriösen Adlers oder das Einlenken von Arachnar, oder war der Grund für seine Rettung etwa das Amulett? Das Amulett! Was hatte er getan? Es wurde ihm anvertraut, damit er es verberge und beschütze; doch er, Lardis, hatte es der Bevölkerung eines ganzen Dorfes enthüllt. Was würde das für Konsequenzen haben? Er hatte in höchster Not gehandelt, dennoch fühlte er sich schuldig. Mit diesen zwiespältigen Gefühlen ritt Lardis weiter.
Schließlich hatte er das Gefühl, dass er nun die Wegstrecke geritten war, den ein Wanderer zu Fuß an einem Tag zurücklegen konnte. So wandte er sich nach Südosten, wieder in den Wald hinein, denn diese Richtung war ihm von Tessa beschrieben worden. Hier gab es keinen Weg mehr und der Wald wurde immer dichter. Er musste schließlich absteigen und neben seinem Pferd her gehen, da es mit der Zeit immer dunkler geworden war. Lardis konnte nicht beurteilen, ob die Dunkelheit von der bereits untergegangenen Sonne kam oder ob sie ihre Ursache in den nun sehr dicht stehenen Bäumen hatte. Flocke ließ sich jetzt nur widerwillig von ihm führen. Also hielten sie an und Lardis überlegte, was er tun solle.
Hier musste er irgendwo wohnen, der Zauberer Radagast, von dem Tessa gesprochen hatte. In dieser Dunkelheit würde er ihn aber heute bestimmt nichts mehr finden können. Da an ein Weitergehen nicht mehr zu denken war, entschied sich Lardis dafür, erst einmal auszuruhen, morgen würde er weiter sehen. Also ertastete er im Dunkeln einen festen Stamm und band sein Pferd an. „Ja, Flocke, nun haben wir keinen warmen Stall mehr. Trotzdem wünsche ich dir einen guten Schlaf“, beruhigte er es. Danach machte auch er es sich selbst bequem, wickelte sich in seine Decke ein und schmiegte sich an den warmen Pferderücken, denn ihm fröstelte. Nachts war es inzwischen empfindlich kalt geworden.
Lange konnte Lardis nicht einschlafen. Der Wald war ihm unheimlich. In seinem Gefängnis bei den Waldmenschen ist es zumindest warm und trocken gewesen und ab und an sind Gerüche und Laute, die von anderem menschlichen Leben zeugten, in seine Hütte gedrungen. Hier jedoch konnte er seine Hand nicht vor den Augen sehen, es war absolut windstill und es gab nichts zu hören. Lardis schien, als wäre diese Ruhe trügerisch, jeden Moment rechnete er damit, dass irgendein Wesen aus dem Dunkel auf ihn zu gesprungen kommen könnte. Dennoch döste er langsam ein und hatte einen jener absurden Träume, aus denen man nie zu erwachen scheint, da man ihren Ausgang nicht finden kann. Ihm war, als befände er sich in einer unterirdischen Höhle und würde etwas Wichtiges suchen. Worum es sich handelte, konnte er nicht sagen. Er wusste nur, dass es so wichtig wie sein Leben war. Die Höhle stellte sich bald als ein nicht zu durchschauendes Labyrinth mit offenen und verschlossenen Türen, Treppen und bisweilen so engen Gängen dar, dass er befürchtete, irgendwann fest zu stecken. Hinter jeder Tür, die er öffnete, gab es nur neue Gänge mit verwirrenden Abzweigungen. So ging er ziellos mal den einen Gang, versuchte es dann mit der anderen Tür, musste nach Sackgassen die Richtung wechseln. Doch er kam an kein Ziel. Auf einmal sah Lardis den Schatten einer furchtbaren Gestalt, direkt vor sich. Da rannte er los, wieder den gleichen Weg zurück, den er eben gekommen war. Und als sein Verfolger so dicht heran gekommen war, dass der Junge seinen Atem zu spüren meinte, versuchte er in seiner Not die kleinste und unscheinbarste Tür zu öffnen, die gerade vor ihm aufgetaucht war. Doch sie klemmte. Da warf er sich mit aller Kraft dagegen, dass sie sich krachend öffnete, und sprang ohne zu denken voran – in einen Abgrund! Er fühlte sich fallen und spürte, dass er auf einem Haufen harter Dinge aufschlug.
So schreckte er auf und merkte, dass es kein Traum gewesen sein konnte: Er hatte Schmerzen an Arm und Kopf, es roch moderig und die Dunkelheit um ihn herum war wieder tiefschwarz. Er tastete in der Dunkelheit und fühlte Flocke nicht mehr, statt dessen feste Felswände zu allen Seiten und auf dem Boden Steine und schmale, leichte Gegenstände, die Knochen sein mussten. Durchs Tasten erkannte er gesplitterte Röhrenknochen und auch den Schädel eines Tieres. Lardis war verzweifelt, nun saß er wieder in einer Falle. Panik machte sich breit, wie sollte er hier je wieder raus kommen, wo immer er auch war. Reflexartig griff er an sein Amulett. Als er es in Händen spürte, beruhigte er sich etwas. Er atmete tief durch und dachte nach. Es musste für alles eine Erklärung geben, auch wenn er diese nicht kannte. Lardis erhob sich und tastete die Umgebung genauer ab. Er fand keine Gänge und nach oben hin schien die Grube offen zu sein. Er steckte also nicht in einer Höhle, sondern war in ein Loch gefallen, aus dem er aus eigener Kraft nicht heraus kam. Da fiel ihm sein Pferd ein und um sich seiner Existenz zu vergewissern, rief er seinen Namen: „Flocke!“
Lardis hörte ein leises Wiehern oberhalb von ihm, nicht weit entfernt. So vertrackt konnte die Situation also nicht sein. Bald würde die Sonne aufgehen und dann würde er weitersehen.
Tatsächlich ging bald die Sonne auf, die einen trüben Schimmer auch in die Grube schickte, in die der Junge gefallen war. An seiner Situation änderte das jedoch nichts. Lardis hatte Hunger und konnte seinen linken Arm vor Schmerzen nicht gebrauchen. Aus eigener Kraft konnte er dieser misslichen Situation nicht entkommen. Doch wer sollte ihm in der Einsamkeit dieses Waldes schon helfen? Lardis besann sich, vielleicht war er ja wirklich bereits in der Nähe vom Hause des Zauberers. Also rief er: „Hiiilfeee!“ Und als das keinen Erfolg hatte, fuhr er fort: „Hört mich den keiner? Ich bin hier unten. Holt mich hier raus!“ Doch wieder geschah nichts. Dann fiel ihm ein, dass Tessa gesagt hatte, er brauche nur den Namen des Zauberers rufen, dann käme er schon. Also rief Lardis laut: „Raadaagaast!“
Bald darauf tauchten oberhalb des Loches drei Gesichter mit Bärten und Kapuzen auf. „Wen haben wir denn da gefunden?“ fragte einer den anderen und sie sahen erst den Jungen und dann sich gegenseitig an.
„Ist jemand von Euch Radagast?“ rief Lardis von unten herauf.
„Nein, er ist nicht da. Wir warten selber auf ihn. Aber wer bist du denn?“
„Ich heiße Lardis und bin auf der Wanderschaft. Durch ein Missgeschick sitze ich jetzt hier in der Klemme. Könnt Ihr mir aus diesem Loch heraus helfen?“
„Los, Dralin, hol' mal schnell das Seil!“ rief einer der Zwerge seinem Gefährten zu, dieser lief los und kam schon bald mit Seil und Werkzeug wieder, gerade als Lardis von seinem merkwürdigen Traum erzählte, und wie er sich in dieser Grube wiedergefunden hatte.
Die Zwerge nickten stumm, dann halfen sie dem Jungen aus der Grube.
„Wer seid Ihr eigentlich? Und wo ist Radagast?“ fragte Lardis, als er endlich wieder auf dem Erdboden stand und sich Flocke zuwenden konnte.
„Ich heiße Malin, und das ist mein Bruder Dralin“, antwortete einer von ihnen. Beide verbeugten sich und schoben ein „Zu Diensten!“ hinterher.
„Und ich bin Droin, Floins Sohn, zu Diensten!“, stellte sich der Dritte mit einer nicht minder tiefen Verbeugung vor. „Lardis, du blutest, das muss verbunden werden“, bemerkte er darauf.
„Ja, und mein Arm schmerzt, ich kann ihn nicht mehr benutzen.“
„Oh, der ist sicher gebrochen und sollte geschient werden. Komm erst mal mit nach Rhosgobel!“
So zogen die vier mit Flocke im Schlepptau los. Nach einer kurzen Strecke kamen sie an eine lange und breite Weißdornhecke, der sie folgten. Dahinter lag Rhosgobel, Radagasts Wohnort. Ein Weiterkommen schien unmöglich, doch die Zwerge kannten eine Lücke, den geheimen Eingang zum Anwesen des Zauberers.
(tomtom)