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Der Roman „Angmar“
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Der Untergang Númenors
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Zeittafel




Warten auf den Zauberer

Nachdem Lardis hinter den Zwergen die Lücke in der Hecke durchquert hatte, fand er sich in einer anderen Welt wieder. Er war nun auf einem weiten Grasplatz, umzäunt von der mächtigen Weißdornhecke und von hohen Waldbäumen. Auf der offenen Fläche standen vereinzelt Obstbäume und Beeren tragende Stäucher, die jetzt natürlich abgeerntet waren. Weiter hinten erblickte Lardis ein großes Haus mit einem weit ausladenden Dach, in dem unterschiedliche Vögel ihre Behausungen haben mussten. Denn diese flogen durch die Öffnungen im Dach ein und aus. Lardis erkannte unter ihnen selbst Zugvögel, die den Norden schon vor einiger Zeit verlassen haben mussten. „Hier haben sie also einen Ort zum Überwintern gefunden“, dachte er bei sich und schmunzelte. Neben dem Haus standen einige Wirtschaftsgebäude - und ein massiver Steinturm, nur um weniges höher als die Bäume ringsum, doch zu Lardis Erstaunen war er gekrönt mit dem Nest eines riesigen Vogels. Und während sie auf das Haus zu gingen glitt ein mächtiger Adler heran und landete genau dort. Lardis erkannte ihn wieder, es war das gleiche Wesen, das kurz vor seiner Freilassung bei den Waldmenschen aufgetaucht war.
„Seht, Telpontar ist wieder zurück!“ rief Dralin, der ihn als Erster entdeckt hatte.
„Telpontar? Dieses Tier hat einen Namen, der elbisch klingt“, wunderte sich Lardis.
„Du nennst einen Nachkommen der Großen Adler des Westens bloß ein Tier? Einer seiner Vorfahren war Manwes Herold“, entrüste sich der Zwerg.
Und Malin ergänzte: „Ja, hast du denn nicht gemerkt, wie silbern sein Gefieder leuchtet? Genau das bedeutet doch der Name Telpontar in der alten Sprache der Eldar: Silberadler!“
Lardis staunte immer mehr. Als er und die Zwerge das Haus erreicht hatten, forderte Droin den Jungen mit einem feierlichen: „Herzlich willkommen in Rhosgobel, der Wohnung von Radadast dem Braunen!“ auf, das Haus zu betreten und ergänzte: „Wir werden uns zuerst ein wenig um deine Gesundheit kümmern, und dann sehen wir weiter!“
Lardis ließ Flocke frei laufen, nicht ohne einen misstrauischen Blick zum Adlernest, und folgte der Aufforderung des Zwergs. Dralin und Malin waren bereits im hinteren Teil des Hauses verschwunden. Droin brachte Verbandszeug und Holzstöcke herbei, dann verband er zunächst die Wunde an Lardis Kopf und schiente schließlich seinen Arm: „So, jetzt pass auf, nun kann es weh tun“, warnte er.
Lardis biss seine Zähne zusammen und gab keinen Mucks von sich, als Droin Lardis linken Unterarm mit den Stöcken fixierte.
„Deinen Arm darfst du nun bis zum nächsten Vollmond nicht bewegen, sonst wachsen die Knochen schief zusammen. Halte den Arm am besten immer in einer Schlinge“, ermahnte er den Jungen.
Bald darauf erschienen die beiden Brüder wieder, mit einer herzhaften Mahlzeit: Es gab getrocknetes Obst, Käse, Omelett, eine kräftigende Gemüsesuppe, frisches Brot und eine Kanne mit einem duftenden Aufguss.
Lardis schnupperte, doch er erkannte das Kraut nicht, das die Zwerge aufgebrüht hatten. Verlegen fragte er deshalb: „Was ist denn das für ein Blatt? Und wo wächst es?“
„Tee, schwarzer Tee. Er wächst weit im Süden im Lande der Haradrim. Der heiße Aufguss wird dich wärmen und deine Sinne beleben“, erklärte Malin. „Du siehst, Radagasts Speisekammer ist gut bestückt.“
Das Essen tat Lardis gut und den Tee genoss er mit Honig. Und auch die Zwerge legten einen großen Appetit an den Tag.
Da fiel Lardis ein, dass er ja eigentlich wegen des Zauberers gekommen war, von dem er noch viel zu wenig wusste und er befragte die Zwerge: „Also, wir sind jetzt im Hause von Radagast dem Braunen. Aber wo ist der Zauberer selbst? Wegen ihm bin ich doch nur gekommen.“
„Wir haben gehört, er sei irgendwo im Gebirge und käme erst, wenn der Winter vorbei sei“, antwortete Droin mit vollem Mund.
„Aber der Winter hat doch noch nicht einmal richtig angefangen...“, wandte Lardis irritiert ein.
„Doch! Das Nebelgebirge ist zur Zeit unpassierbar! Aber nach der Schneeschmelze wird sich der alte Knabe schon wieder blicken lassen. Und solange sind wir hier seine Gäste“, erklärte Droin, anscheinend der Wortführer der Gruppe. Dann besann er sich und ergänzte: „Du bist natürlich auch sein Gast!“
Lardis war die ganze Sache suspekt: „Und der Zauberer hat nichts dagegen, dass wir uns über seine Speisekammer her machen und sein Feuerholz verbrennen?“
„Ach, wo denn. Wir sind gute Freunde von ihm. Wir hacken ihm natürlich neues Holz, versorgen die Tiere - obwohl die sich hier auch prima um sich selbst kümmern.“
Malin ergänzte: „Unser Vetter Larin hat vor einigen Jahren den Aussichtsturm neben dem Haus gebaut. Radagast braucht ihn zum Beobachten der Vögel, sagt er. Aber ich denke, er sieht von da aus in ganz andere Richtungen.“
Lardis war wieder etwas beruhigt und wechselte das Thema: „Aber sagt mir nun, was euch aus eurer Stadt hierher geführt hat!“
Doch anstatt Lardis eine Antwort zu geben, holte Droin seine silberne Harfe hervor und begann eine wunderliche traurige Weise zu spielen. So etwas hatte Lardis noch nie zuvor gehört. Und schließlich begann der Zwerg sogar dazu zu singen:
„Die Welt war jung,
die Berge grün,
der Bergmann trieb den Stollen vor.
Der Khazad, stark,
grub alle Tag',
groß wurd' sein Zwergenreich.
Da kamen Orks,
mit Waffen hart:
Es war ein Morden riesengroß.
Die Zwerge fiel'n,
einige floh'n.
Das Unglück brach herein.
Die große Stadt
sie ist nicht mehr!
Wird man wohl jemals wieder froh?
Nun ist's vorbei,
Rhaz-gard erlag.
Wird es je wieder sein?“
Das Lied war noch viel länger, doch dies waren die Zeilen, an die sich Lardis auch später noch erinnern konnte. Als er die düstere Zwergenweise hörte, wurde ihm wundersam zumute. Ihm schien, als wurde er in eine Zeit der Mythen und Märchen versetzt, voller Wunder und Geheimnisse. Er schloss seine Augen und sah die prächtigen Hallen unter dem Berg und die grimmigen Orks mordend und plündernd vor sich, von denen der Zwerg eben noch gesungen hatten.
Lardis war regelrecht weggetreten, dass die Zwerge ihn anstoßen mussten, um ihn aus seinem Tagtraum zu wecken: „He Lardis, Kopf hoch! Es ist schrecklich, dass wir vertrieben wurden – und es ist nicht das erste Mal. Vermutlich wird der Kampf der Orks gegen uns Zwerge bis zum Ende von Arda andauern. Aber wir sind noch einmal mit unserem Leben davon gekommen und hier, um Radagast um Hilfe zu bitten. Wir sind sicher, wir werden sie bekommen! In der Zwischenzeit bereiten wir uns auf die Schlacht vor. Wir schwören den Orks Rache!“
„Und du kannst uns gut bei unserem Kampf helfen. Je mehr wir sind, umso besser ist es. Du bist uns noch eine Kleinigkeit schuldig“, zwinkerte Malin dem Jungen zu.
Lardis erschrak. Er? Unter der Erde? Gegen Orks kämpfen? Das konnte sich der Junge nicht vorstellen. Doch er schwieg benommen, denn was wäre aus ihm geworden, wenn ihn die Zwerge nicht gefunden und gerettet hätten.


Den Rest des Tages verbrachten die vier mit Singen und Erzählen. Lardis berichtete von seinem Abenteuer bei den Waldmenschen und die Zwerge schilderten die Pracht von Rhaz-gard in allen Farben und beklagten erneut seinen Untergang und schworen den Orks ein ums andere Mal Rache. Alle stimmten darin überein, dass sie das Schicksal zusammen geführt hatte, weil jeder von ihnen nur um Haaresbreite dem Tod entronnen war – und so etwas verbindet schließlich.
Am Abend gaben ihm die Zwerge Decken und Lardis machte sich ein Lager in der Nähe der Feuerstelle in der großen Halle. Diese behielt er während seines ganzen Aufenthaltes in Radagasts Haus bei.


Am nächsten Tag schaute sich Lardis etwas genauer in Rhosgobel um. Er entdeckte, dass es hier Ställe für Schweine, Schafe und mancherlei Geflügel gab, doch diese waren immer geöffnet und die Tiere liefen meistens frei umher und fanden ihre Nahrung selbst. Offensichtlich entfernten sie sich nie allzu weit von ihren Ställen, denn hier fanden sie Futter und Schutz. Der Bereich um die Hecke wurde von allen Tieren gemieden. Auch gab es in Radagasts Reich Obstbäume und Beete, in denen Gemüse gezogen wurde, und Lardis dachte so bei sich, dass er es hier schon eine Weile aushalten könnte, wenn er nicht, ... Oh Schreck! Den Schmied hätte er ja fast vergessen, darum war er ja überhaupt erst zum Haus des Zauberers gekommen. Er musste sofort mit den Zwergen reden und fand sie im Haus, Pläne schmiedend über Schriftstücke gebeugt.
„Hallo Droin, hallo Dralin und Malin! Mir ist gerade etwas Wichtiges eingefallen“, kam Lardis keuchend hereingestürzt.
„Sei gegrüßt, Lardis! Was hast du auf dem Herzen und warum bist du so aufgeregt?“
„Auf meinem Weg aus dem Norden habe ich bereits einen wie euch getroffen, ... einen Zwerg meine ich. Der Ärmste wurde in einer Schmiede auf einer Insel der Langflut zum Sklavendienst gezwungen.“
„Auf einer Insel des Anduin?“ fragte Malin und schüttelte ungläubig den Kopf.
Doch sein Bruder war interessierter: „Beschreibe ihn doch einmal, deinen Zwerg! Vielleicht fällt uns dazu etwas ein.“
Lardis versuchte es, so gut er konnte, während die Zwerge gespannt lauschten. Dann ergänzte er: „Der Zwerg war im Besitz eines silbernen Dolches, der wundersam verziert war und strahlte wie der Vollmond.“
„Zursh-Kwilid, der Wolfszahn, ein Familienerbstück von besonderem Wert! Wehe, das muss Witror, der Schmied, gewesen sein. Er besaß einen Dolch aus Mithril. Seit etwa zwei Jahren haben wir ihn nicht mehr gesehen. Alle dachten, er würde in der weiten Welt sein Glück machen. Und jetzt das! Welche Teufelei steckt dahinter...“
„Ja, wir müssen Witror retten! Und das werden mit Lardis Hilfe“, ergänzte Malin.


Endlich war der Tag des Vollmonds gekommen und Droin nahm Lardis den Verband ab. Zuerst tat ihm jede Bewegung weh, doch nach drei Tagen konnte Lardis seinen Arm wieder voll benutzen. Er half den Zwergen bei ihren Arbeiten, obwohl es nicht viel zu tun gab. Man saß oft zusammen und erzählte von vergangenen und zukünftigen Dingen. Doch in den Wald gingen sie nie. Das lag vor allem an Droin und den Brüdern Dralin und Malin. Auf sie wirkte der Wald mit seinen unerforschten Geheimnissen immer noch bedrohlich, und ohne Not wären sie nie in Rhosgobel angekommen.
Eines Tages, als es in Haus und Hof besonders wenig zu tun gab, beschloss Lardis, auch die letzte Ecke von Radagasts Anwesen zu erkunden. Er ging also zum Turm des Zauberers und besah ihn sich zuerst von allen Seiten. Er war eine solide Zwergenarbeit. Die mit Runen verzierte Türe war nicht verschlossen. Er zögerte eine Weile, da er nicht wusste, was die Schrift zu bedeuten hatte, doch dann dachte er bei sich: „Ach was! Die Zwerge hätten mich schon gewarnt, wenn sein Betreten gefährlich oder verboten gewesen wäre...“
So betrat er den Turm, in den von oben nur ein schwacher Lichtschein drang, und stieß auf eine Leiter. Diese stieg er langsam empor, er musste die Sprossen in der Dunkelheit ertasten, und gelangte bald auf eine Plattform aus Holz, von der aus eine weitere Leiter nach oben führte. Insgesamt fünf Leitern hatte Lardis zu bezwingen, bevor er auf der obersten Plattform angelangt war, diese war aus festen Steinen gemauert. Nach dem Aufstieg im fahlen Schummerlicht war er geblendet. Jedoch als sich seine Augen an den Schein der untergehenden Sonne gewöhnt hatten, genoss der Junge den eindrucksvollen Blick über die kahlen Bäume.
Lardis richtete seinen Blick zuerst nach Norden. Nicht allzu weit entfernt konnte er Rauch ausmachen, der zwischen den Bäumen aufstieg. Er kam vom Dorf der Waldmenschen, ihr Leben ging scheinbar weiter, als wäre er ihnen nie begegnet. Er richtete seinen Blick zum Horizont, doch konnte er den Rand des Waldes nicht ausmachen. Vor etwas mehr als zwei Monaten war er vor dort aufgebrochen und seither war er auf einer Wanderung, von der er nicht wusste, wohin sie ihn schließlich führen würde. Wie mochte es wohl seinen Eltern gehen? Na, vielleicht konnte er ja irgendwann einmal zurück kehren.
Etwas weiter östlich musste das Reich der Waldelben sein, von dort kam das Amulett, mit dem für ihn alles angefangen hatte. Doch er wusste fast nichts über die eigenartigen Wesen, dessen Schatz nun er hütete. Lardis lenkte seinen Blick weiter nach Osten und schließlich nach Süden. Der Wald schien sich von Norden her endlos in diese Richtungen auszudehnen. Fern in Richtung des Sonnenaufganges erspähte er eine dunkle Erhebung, doch was es mit den Emyn-nu-Fuin, den Bergen des Düsterwaldes, auf sich hatte, wusste er nicht. Und nur wenige Lebende dieser Zeit kannten die Geheimnisse vom Herzen des Großen Waldes. Lardis stand bereits eine lange Zeit in Gedanken und Träumen versunken auf dem Turm und ließ seinen Blick über die Welt schweifen. Langsam versank die Sonne im Westen und der Kamm des fernen Nebelgebirges glitzerte wie mit Silber überzogen. Als es fast dunkel geworden war, schien es ihm, als erspähte er fern im Süden einen dunklen Felsen, der einsam blutrot schimmerte. Lardis erschauderte und mit klopfendem Herzen und weichen Knien stieg er die fünf Leitern hinab, bis er wieder auf dem festen Erdboden angekommen war.


Lardis war nun schon seit zwei Monaten mit den Zwergen in Rhosgobel, er hätte sich an das eigenartige Landleben mitten im Wald durchaus gewöhnen können, doch die Zwerge wurden im Laufe der Zeit immer ungeduldiger und mürrischer. Dralin nannte Rhosgobel bisweilen sogar ein Gefängnis. Doch eines Tages wurde ihr Warten belohnt und Radagast tauchte tatsächlich auf. Die Zwerge bemerkten nur, dass etwas Besonderes in der Luft lag, weil Telpontar, der Adler, heute länger als sonst unterwegs war. Schließlich kam er mit kräftigen Schlägen seiner Schwingen angeflogen, landete aber nicht wie gewohnt in seinem Nest auf dem Aussichtsturm, sondern mitten unter den Zwergen und Lardis, als diese gerade das Dach ausbesserten. Er öffnete seinen Schnabel, und alle vernahmen verständliche Worte: „Euer Warten hat ein Ende. Der Tag der Ankunft ist gekommen. Radagast der Braune wird noch heute eintreffen.“
Lardis sah ihn mit großen Augen an, ihm stand der Mund offen und fast wäre er vor Schreck vom Dach gefallen, doch die Zwerge konnten ihn noch gerade festhalten.
„Wir haben dir doch bereits gesagt, dass Telpontar ein besonderer Adler ist. Er versteht uns und kann selber sprechen. Er war es auch, der uns von Zeit zu Zeit Informationen von Radagast hat zukommen lassen.“
„Woher sollte ich das wissen? Flocke und andere Tiere können mich zwar verstehen, aber in der Sprache der Menschen hat bisher noch keiner zu mir geredet.“


Am Abend kam ein Mann durch die Lücke in der Hecke geschritten, er war mit einem weiten braunen Mantel gekleidet. Sein gesundes bärtiges Gesicht wurde überragt von einem spitzen Hut aus Leder. Ein grober Stock verlieh ihm eine derbe Würde. Selbst ohne Telpontars Ankündigung wusste Lardis, dass es sich nur um Radagast handeln konnte.
„Ich grüße euch, meine Gäste!“ rief der Zauberer den vieren zu, die sich inzwischen vor dem Haus versammelt hatten und schwenke seinen Hut. Und als er den Jungen erblickt hatte, ergänzte er: „Lardis, so lerne ich dich also auch kennen, ich habe ja schon einiges von dir gehört.“
Lardis wusste sofort, dass nur Telpontar Radagasts Spion und Bote gewesen sein konnte. Doch er schwieg verlegen und konnte die Waldmenschen fast verstehen, die sich unter der Beobachtung des Zauberers ebenfalls unwohl gefühlt hatten.
So betraten sie das Haus, in dem die Zwerge schon ein kräftigendes Abendessen vorbereitet hatten. Lange saßen sie essend und schweigend zusammen und Lardis hatte den Eindruck, als verständen sie sich auch ohne große Worte. Für Radagast und die Zwerge war dieses langerwartete Mahl das Selbstverständlichste der Welt. Als alles verspeist war, holte Radagast seine Pfeife heraus, stopfte sie umständlich und entzündete sie mit einem Kienspan. Dann erhob der Zauberer seine Stimme und sprach: „Meine Gäste, genießt den Abend mit mir! Schon morgen früh werden wir aufbrechen. Ihr habt lange genug auf diesen Augenblick warten müssen. So, und jetzt erklärt mir eure Pläne genau!“
Da wurden auch die Zwerge gesprächig und ihre Augen begannen zu leuchten. Lardis jedoch saß still und hörte ihnen zu. Schließlich wandte sich Radagast auch dem Jungen zu und fragte ihn: „Und was ist mit dir? Wirst du uns auch begleiten und gegen die Orks kämpfen?“
Lardis musste wieder schlucken, wie bisher immer, als die Zwerge diesen Punkt angesprochen hatte. Und auch dieses Mal schwieg er.
„Ich denke, du wirst mit uns kommen; auf jeden Fall um Witror zu retten. Du kennst den Weg und der Schmied wird uns im Kampf eine große Hilfe sein. Ob du den Orks auf die Füße treten wirst, kannst du später noch entscheiden. Du hast ja noch ein wenig Zeit, bis es soweit ist“, so hatte der Zauberer für ihn entschieden und Lardis war damit zufrieden.
Der Abend war schon fortgeschritten und das Feuer im Kamin herunter gebrannt. Da fiel Lardis ein, dass Radagast ja erst eben aus dem Gebirge gekommen war und er fragte ihn, warum der Zauberer denn nicht direkt nach Rhaz-gard gezogen sei, schließlich liegt die Zwergenstadt doch auch im Nebelgebirge. Und Telpontar hätte den Zwergen direkt Bescheid geben können, so dass man sich zum Kampf gegen die Orks hätte treffen können.
„Das hätten wir tatsächlich tun können, jedoch habe ich noch einige Vorbereitungen zu treffen. Und außerdem liegt Rhaz-gard viele Meilen nördlich von Imladris und der Weg durchs Gebirge ist jetzt, zu Beginn des Jahres, noch tückisch.“
„Imladris? Ist das eine weitere Wohnung von Euch?“ wollte der Junge wissen, der den Eindruck hatte, er würde sich in der Welt schon ganz gut auskennen, nur eben noch nicht gut genug.
„Nein, Imladris ist die Wohnung von Elrond dem Halbelben und seiner Sippe. Viele der Standhaften haben hier eine Bleibe gefunden und anderen dient der verborgene Ort als Zuflucht. Es ist eine Stätte der Lehre und des Rates, hier findet man Ruhe und Genesung. Selbst das Wetter ist diesem Ort wohlgesonnen. Harte Winter und Unwetter gibt es hier nicht. Bei den Menschen ist dieser Ort als Bruchtal bekannt.“


Lardis lag noch im Schlummer, als er ein Geräusch vernahm. Es war das Krächzen eines großen Vogels; kurze Zeit später huschte eine Gestalt an ihm vorbei zur Tür hinaus, zu groß für einen der Zwerge. Lardis wickelte sich wieder in seine Decke und versuchte weiter zu schlafen. Doch es gelang ihm nicht mehr. Was mochte Radagast inmitten der Nacht in der Wildnis suchen? Sie sollten doch heute gemeinsam früh aufbrechen. Und jetzt machte er sich einfach aus dem Staub? Irgend etwas stimmte hier nicht! Vielleicht hatte Telpontar wichtige Neuigkeiten für Radagast. Oder Rhosgobel wurde von einer bösen Macht bedroht. Vielleicht sollte Lardis lieber nach dem Rechten sehen.
Es begann bereits zu dämmern, da verließ auch Lardis das Haus. Er folgte den Spuren des Zauberers, die er im Tau mehr erahnte als tatsächlich sah.
(tomtom)