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Gästebuch

Der Roman „Angmar“
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Der Untergang Númenors
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Zeittafel




Ein Fremder in der Nacht

Die Tür des Gasthauses wurde durch einen kräftigen Windstoß aufgeschlagen, Gerion der Wirt fluchte über dieses Unwetter das nun schon seit Tagen über das Land fegte, die Gäste blieben seinem Haus nun schon seit fünf Tagen fern. Die einzigen, die sein Haus seit diesem Unwetter nicht mehr verlassen hatten, war die Mannschaft der 'Seevogel', einem Kriegsschiff aus Umbar, die, soviel Gerion wusste, noch keinen Sold bekommen hatten.
Gerade als er die Tür schließen wollte trat eine in Umhänge gehüllte Gestalt durch den Eingang, seine Kleidung war nass und hing schwer von dem Fremden, dennoch sah Gerion sofort, dass dieser neue Gast ein wohlhabender Mann sein musste. Er schloss die Tür, mit seinem Gute-Laune-Gesicht, drehte er sich um und sah, dass der Fremde schon an dem Kamin stand, der sich mitten in der Gaststube befand. "Sehr geehrter Herr, bitte legt doch Eueren nassen Umhang ab und trinkt einen Wein um Euch zu wärmen", begann Gerion das Gespräch."Es ist ein fürchterliches Unwetter, das uns heimgesucht hat. Doch hier in meinem Haus seid Ihr sicher", er lächelte als er sah, dass der Fremde seiner Aufforderung nachkam und seinen Umhang auszog.
Eine schlanke Gestalt kam zum Vorschein mit langem blauschwarzem Haar, als er sich umdrehte sah Gerion sofort, dass er Elbenblut in den Adern haben musste, seine Haut war hell und die Augen würde er nicht so schnell vergessen: "wie zwei Sterne in der Nacht" hat er in späteren Zeiten immer seiner Enkelin erzählt.
"Nun guter Wirt, spracht Ihr nicht von einem Wein zum Erwärmen und einer Kleinigkeit zum Essen wäre sicherlich auch nicht zu verachten, mein guter Mann, es sei den Ihr wollt mich noch eine weile mustern, so wäre ich gerne bereit mich ein wenig im Kreis zu drehen", sagte der Fremde mit einem Lächeln im Gesicht.
Gerion lief purpurrot an verbeugte sich und lief in die Küche um sein zur Zeit bestes Mahl zu hohlen.
Kurze Zeit später saß der Fremde an einem Tisch nahe beim Kamin und trank einen hellen Wein aus Dowinadan, dazu gab es eine Fischsuppe und frisches Brot.
Gerion stand hinter seinem Tresen und beobachtete ihn verstohlen, seine anderen Gäste hatten allem Anschein nicht mitbekommen, dass ein neuer Gast eingetroffen war. Sie waren versorgt.
Es musste ein Elb sein oder zumindest ein Halbelb da war sich Gerion sicher, er hatte schon Elben gesehen. Der Fürst dieser Stadt war ein Elb, nur bekam er ihn nicht sonderlich oft zu Gesicht. Wenn sich nur rumspräche das ein Elb bei ihm zu Gast war würde sein Gasthaus auch wieder laufen trotz des Sturmes.
In seinen Gedanken versunken nahm er zuerst gar nicht die feine Stimme war. Sein Gast sang, und es war so wunderschön, dass selbst die trunkenen Seeleute still waren um seiner Stimme zu lauschen.
Es war ein Lied über Earendil, dem Halbelb. Als er endete standen Tränen in Gerions Augen. Eine Stille hatte sich im Gasthaus ausgebreitet die keiner zu brechen wagte.
Der Elb stand auf, ging auf Gerion zu und reichte ihm einige Münzen, "für das ausgezeichnete Mahl, guter Mann. Sagt, hättet Ihr unter Umständen ein Zimmer für mich? Und hättet Ihr etwas dagegen, wenn ich einige Tage bleibe und eventuell abends meine Geschichten erzähle, denn ich bin Lindan Sato und meine Wege waren lang von den grauen Anfurten bis Dol Banred, dieser schönen Stadt."


... Die Nacht war vergangen, der Sturm hingegen nicht, der Himmel war dunkel und es war viel zu kalt für den Narbeleth. So langsam machte sich Gerion Sorgen um sein Haus und seine Familie, die Gäste blieben aus. Und nachdem sein seltsamer Gast die Stube verlassen hatte, um auf sein Zimmer zu gehen, waren auch die Seeleute nach einigen Minuten gegangen.
Normalerweise hätte er erst zum Abend geöffnet, doch heute hörte er schon am frühen Mittag Stimmen vor seinem Haus. Als er aus dem Fenster schaute sah er einige Seeleute der 'Seevogel', die Einlass wollten, aber auch Bürger der Stadt die er seit Tagen nicht mehr gesehen hatte. "Lass uns rein, Gerion, wir wollen den Sänger hören, den du in deinem Haus wohnen lässt", rief ein wohlhabender Händler.
Kurze Zeit später war seine Gaststube gut gefüllt und alle Sorgen des Morgens waren vergessen. Die Gerüchte um einen Sänger hatte die Runde gemacht, um einen Fremden mit wunderschöner Stimme die jeden Zuhörer verzauberte.
"Es soll ein Elb sein", sagte eine Frau in einem grünen Kleid.
"Elben gehen nicht in ein Gasthaus von uns Menschen, die Zeiten sind vorbei", kam von einem alten Greis.
"Die Geschichten kommen wahrscheinlich von Gerion selber", rief Thorondor ein junger Soldat aus Pelagier.
"Nun, das kommen sie nicht mein junger Freund", erklang es von oberhalb der Treppe. "Ich bin zwar kein Elb, und ich weiß auch nicht wie mein Bier brauender Freund darauf kommt, aber ich kann Euch Geschichten über Elben erzählen, wenn Ihr wollt, und auch über Zwerge, Halblinge, ferne Länder und schreckliche Geschöpfe die in der Nacht aus ihren Löchern kommen".
In der Gaststube war es still geworden, denn Lindan stand da wie ein Fürst. Seine Kleidung war trocken und sein Haar zu einem Zopf geflochten, an seiner Seite hing ein kleiner juwelenbesetzter Dolch. Als er die Treppe herunter kam löste sich die Spannung und alle fingen gleichzeitig an zu reden, stellten Fragen nach seiner Herkunft und seinen Reisen. Schon hatte sich eine Gruppe festgelegt, er müsse ein Elbenfürst aus Lórien sein, egal was er sagte, nur was wolle eine solche Persönlichkeit in Dol Banred.
Lindan lächelte, sein Besuch hier in der Stadt würde ein voller Erfolg werden, dachte er. Kaum war er hier, kaum hatte er den Mund aufgemacht und schon gab es Unstimmigkeiten unter den Bewohnern.
"Wie wäre es wenn Gerion uns etwas zu Trinken bringt und ich euch eine Geschichte erzähle, und vielleicht ist am Ende der Geschichte der Sturm vorüber und wir können alle lachen über die letzten Tage", sagte Lindan, der sich inzwischen wieder an seinen Tisch am Kamin niedergelassen hatte.
Als er die Gesichter der Gäste sah, wusste er, dass er sie hatte, nun würde seine Arbeit beginnen, aber das war das was er am besten konnte, und so begann er seine Erzählung.
"Es ist viele Sonnenjahre her... "


... Viele Stunden später endete Lindan mit seiner Geschichte, in der Gaststube war gespenstische Stille, während der Erzählung war die Zahl der Zuhörer gewachsen, Gerion konnte es nicht fassen so viele Gäste hatte er seit Jahren schon nicht mehr. Einige Minuten sagte keiner was, niemand wollte die Bilder verjagen, die Lindan mit seinen Geschichten heraufbeschworen hatte. Dann, als wenn jemand ein Zeichen gegeben hätte, fingen alle an zu reden. Diskusionen über Narin und seiner Suche nach seiner Schwester hielten die meisten davon ab nach Hause zu gehen. Lange Zeit merkte keiner, dass Lindan auf sein Zimmer gegangen war.
Thorondor, der seit dem frühen Morgen Wein getrunken hatte, wurde immer lauter um seine Meinung zu vertreten, sein Gegenüber, ein Bauer aus der Umgebung, hielt dagegen. "Narin war ein guter Zwerg er hätte seine Schwester nie in den Fängen der Orks gelassen, auch wenn sie in zehnfacher Übermacht gewesen wären, er hätte sie mit seiner Axt niedergemacht", schrie Thorondor sein Gegenüber an, wobei seine Hand schon auf dem Schwertgriff lag.
"Nun, das möchte ich nicht bestreiten, aber dadurch wäre er und seine Schwester gestorben, also ich finde er hat richtig gehandelt als er zurück ging um Hilfe zu holen, auch wenn das nicht so mutig war und nicht in dein Weltbild passt, mein Freund", entgegnete der Bauer.
"Das ist typisch für euch, Landeier die heulend nach Hause laufen, wenn Gefahr droht. UND WIR SOLDATEN dürfen euch dann wieder retten."
Lindan hörte voller Genuss den Streit unten in der Stube, er liebte es, doch er musste langsam vorgehen, durfte nicht zu schnell seine Karten aufspielen. Aber er hatte nicht damit gerechnet das so viele Leute so schnell seinen Geschichten lauschen würden, in dieser Stadt würde er reiche Beute machen.
Einige Stunden Später war es in der Gaststube so voll, das Gerion glaubte seine Vorräte würden den heutigen Abend nicht reichen.
Lindan war noch nicht wieder erschienen, er ließ sein Publikum noch etwas warten, das würde die Spannung noch steigern, er stand oben im Schatten und hörte den Geprächen der Bürger zu und lächelte...


... Nachdem einige Minuten verstrichen waren, trat Lindan aus dem Schatten. er hatte seine Abendgarderobe angelegt, eine reich bestickte Weste in tiefem Blau dazu passende Hosen, leichtes Schuhwerk. Er hatte heute Abend auch auf seinen Dolch verzichtet. Waffen wären heute nicht so gut.
Gerion trat eilig an den Fuß der Treppe und verschaffte Lindan Platz."Herr, ich habe Eueren Platz freigehalten, nahe am Kamin so wie ihr es gerne habt, wollt ihr wieder den weißen Dorwinadan-Wein?"
"Schaut nur wie übereifrig unser guter Gerion ist", rief Thorondor, der inzwischen so trunken war, dass er nicht mehr von alleine stehen konnte.
Lindan sagte nichts darauf nichts, Gerion hingegen lief rot an und murmelte etwas vor sich hin.
Nachdem der Fremde sich gesetzt hatte und einen Schluck getrunken hatte fing er leise an zu reden.
"Heute möchte ich euch eine Geschichte erzählen, wie sie trauriger nicht sein kann. Eine Geschichte voll Helden und Schurken und voll Liebe. Die Geschichte von Hurin und seinem Sohn Turin. Rian, Belagunds Tochter, war die Gattin von Huor", begann Lindan seine Geschichte.
Niemand sagte etwas über lange Zeit hinweg, das einzige was zu hören war, war der Sturm der weiterhin über das Land tobte.
Als er endete war es früh am Morgen, niemand hatte gewagt etwas zu sagen in all der Zeit, selbst Thorondor hatte geschwiegen.
"Ich werde heute das Haus verlassen", sagte Lindan .
"Hat es Euch nicht gefallen bei uns, haben wir was falsches gesagt, Herr?" fragte Gerion. "Ihr sagtet doch, Ihr wolltet einige tage bleiben".
Auch einige der Gäste fingen an zu murren "Schau, dass du den Fremden überredest noch zu bleiben", riefen einige Gerion zu.
Lindan lächelte. "Ich sagte nicht, dass ich abreise, ich will mich nur etwas in der Stadt umsehen, und dafür muss ich das Haus verlassen. Am Abend werde ich wieder hier sein."
Nachdem Lindan die Gaststube verlassen hatte, wurde es wieder laut, niemand dachte daran nach Hause zu gehen. "Also ich finde diesen Turin klasse", sagte Thorondor, "wenn ich so ein Schwert hätte wie er, könnte ich auch einen Drachen töten. Das mit seiner Schwester war natürlich dumm", gestand er mit einem Grinsen.
"Du hörst nicht richtig zu, du Tölpel", rief Marleein die Tochter des Schneiders. "Egal was Turin machte ,egal wie viele Feinde er tötete, das Schicksal hat ihn immer eingeholt, und außerdem ist er durch sein prächtiges Schwert gestorben, so wie du auch eines Tages durch dieses alte Ding an deiner Seite Sterben wirst."
"Dieses alte Ding ist zufällig ein Erbstück von meinem Urgroßvater, das er aus einem Drachenhort geborgen hat", erwiderte Thorondor. "Und außerdem ist es magisch", fügte er verschwörerisch hinzu.
"Das einzig magische ist der Rost", rief der alte Greis. Thorondor lief rot an, schaute sich um und sah überall nur Spott und Hohn in den Gesichtern. Mit schnellen Schritten verließ auch er das Gasthaus. Das letzte was er hörte war schallendes Gelächter...


... Er lief durch die fast leeren Straßen, in seinem Kopf waren die Bilder seiner Mitbürger, die über ihn lachten und sich das Maul zerrissen. Aus Scham wurde Wut, Wut auf alle die ihn auslachten, Wut darüber, dass er in so einer Zeit lebte und nicht wie Turin große Taten verbringen konnte. Doch er würde es ihnen schon zeigen besonders der Tochter des Schneiders. Er wusste nicht wie lange er so durch die Straßen lief, er wusste auch nicht wo er war. Als ihn Stimmen vor ihm abhielten weiter zu laufen. "Ai na vedui! Mae govanna, mein alter Freund", sagte eine leise Stimme. "Wie kommst du voran mit deinem Plan, das Wetter unterstützt dich, nicht Wahr?"
"Ich habe dir gesagt du sollst nicht hierher kommen, das ist zu gefährlich, wenn dich jemand sieht sind wir beide geliefert, also was willst du?" Die Stimme kannte Thorondor, das war Lindan der Fremde aus dem Gasthaus, er schaute vorsichtig um die Straßenecke.
"Dein Herr schickt mich, du sollst dich in acht nehmen, der Fürst dieser Stadt steht unter dem Schutz einer höheren Wesensart, frage mich nicht nach mehr, denn mehr hat er nicht gesagt. Nur eins noch: Benutze nicht deine Macht, sie wird dich verraten, vertraue auf deine Stimme, die wird dich weit genug bringen." Er übergab Lindan noch eine kleine Schatulle, dann verschwand er in einer Nebengasse, ohne einen Gruß.
Wenn das nicht verdächtig war, Thorondor würde diesen Geschichtenerzähler im Auge behalten, ja das würde er. Er versteckte sich hinter einem Kistenstapel als Lindan an ihm vorbei kam ...
... Thorondor folgte Lindan noch einige Straßen weit, doch nachdem er um eine Straßenbiegung kam, konnte er den Fremden nicht mehr sehen. "Verdammt, das kann doch nicht sein, so weit war er doch gar nicht vor mir", flüsterte er.
"Kannst du mir sagen warum du mir nachläufst, kann ich dir helfen?"
Thorondor erschrak bis ins Bein, Lindan hatte ihn hereingelegt, sich wohl in einer Häusernische verbergend war er jetzt hinter ihm.
"Mist, was jetzt?" dachte er und drehte sich behutsam um.
Das bekannte Lächeln erwartete ihn, wohl begleitet von einem Stirnrunzeln.
"Ähmm, nun, ich habe Euch nicht verfolgt, guter Herr, wir haben wohl den gleichen Weg", versuchte er sich heraus zu reden.
"Lügt mich nicht an, ich habe Euch schon gesehen, als Ihr mich und meinen Diener beobachtetet, also was wollt ihr?" schrie Lindan und sein Lächeln war verschwunden. Wie um seine Worte zu unterstützen schlug ein Blitz ganz in der Nähe ein.
Der junge Soldat zuckte zusammen, er faste allen Mut zusammen als er antwortete: "Ich habe Euch zufällig gesehen, als Ihr im Regen einen Gegenstand angenommen habt, das hat mich misstrauisch gemacht, und ich beschloss Euch zu folgen." Er zuckte abermals zusammen, das wollte er gar nicht sagen.
Das bekannte Lächeln war wieder da: "Nun, Ihr braucht euch keine Sorgen zu machen, Ihr habt nichts gesehen, auf jeden fall nichts was Ihr jemals erzählen werdet".
Thorondor hatte nicht mitbekommen, dass Lindan seinen Dolch gezogen hatte, er spürte nur diesen endgültigen stechenden Schmerz in der Magengrube und sah wieder dieses Lächeln, und dann wurde es dunkel...
... Es war kalt, unendlich kalt. Er fühlte sich elend, seine Kleider waren durchnässt, seine Glieder waren schwer wie Blei, aber er lebte, warum, das wusste er nur nicht. Thorondor versuchte sich aufzusetzen, alleine der Versuch war schon eine Qual. "Ich bin ein Soldat im Dienst des Königs, nun reiß dich zusammen", versuchte er sich selber zu sagen.
Nach einigen Versuchen und einer Menge Schmerzen schaffte er es sich mit dem Rücken gegen einige Kisten zu lehnen.
"Er musste nicht richtig getroffen haben", dachte er sich, als er seine Wunde untersuchte, die nicht mehr als ein Kratzer war. Warum nur tat sie so fürchterlich weh?
Was sollte er jetzt machen? Niemand würde ihm glauben, alle standen sie unter dem Bann des Fremden. Sollten nur alle glauben, er hätte sich aus dem Staub gemacht, und Lindan solle annehmen er hätte ihn getötet. So konnte er ihn besser beschatten. Die Schmerzen vergingen viel zu schnell, irgendetwas stimmte nicht, soviel wusste Thorondor. Er wusste nur nicht was.
Nach einigen Minuten nahm er sein Schwert, stand auf, fast ohne Schmerz.
Das Unwetter verzog sich, es würde eine gute Nacht werden...


... Er konnte nicht zurück ins Gasthaus, das war klar. Seinem Thangon hätte er sich vielleicht anvertrauen können, doch sein Hauptmann würde ihm nicht glauben, er konnte noch nie gut mit ihm. Nach langem Überlegen fasste er sich ein Herz und ging zu seinem Bruder (den er nicht leiden konnte, nachdem er das Erbe des Vaters dazu benutzt hatte, seltene Bücher zu kaufen), aber immerhin war er sein Bruder er würde ihm helfen.
Elartar schaute seinen jüngeren Bruder lange an, er hatte die ganze Zeit geschwiegen bei seinen Ausführungen. Nun sagte er ernst: "Wie soll ich dir helfen, kleiner Bruder?" Du lässt dich monatelang nicht bei mir blicken, und dann kommst du mit so einer haarsträubenden Geschichte. Hast du wieder getrunken?"
Thorondor wusste nicht, was er sagen sollte. Elartar hatte recht, er hatte sich nach dem Tod des Vaters nicht um die Familie gekümmert. Was konnte er jetzt erwarten? Er stand auf und wollte das Haus seines Bruders verlassen.
"Nun lauf nicht gleich wieder weg, ich habe noch etwas für dich. Ein Brief von unserem Vater, er ist für dich und nur für dich."
Thorondor nahm schweigend den Umschlag entgegen, den sein Bruder ihm hinhielt, öffnete ihn mit zitternden Fingern.


„Mein geliebter Sohn!
Ich weiß, dass ich in den nächsten Tagen sterben werde. Da du unserem König Elessar dienst, wirst du nicht da sein. Ich mache dir keinen Vorwurf, denn ich war selber Soldat im Heer des Königs und wie du weißt, war ich dabei als der große Feind besiegt wurde. Mache dir keine Sorgen um mich. Mein leben war lang und erfüllt, und ich sterbe in Frieden. Du solltest noch wissen das dein Schwert dir in vielen Situationen das Leben retten wird, und nicht nur weil du gut damit umzugehen weißt. Es steckt Elbenmagie in ihm, denn es wurde von Aegnor dem Schmied im zweiten Zeitalter geschmiedet, in den Tagen des Ruhms in Ost-in-Edil. Behandle die Klinge gut, sie wurde unseren Vorfahren als Geschenk übergeben als Dank für unsere Hilfe, denn wisse, wir stammen aus Númenor und unser Haus war einst mächtig unter den mächtigen, versuche diesen Ruhm wieder herzustellen.
Tergil aus dem Haus Melevitar“


Thorondor ließ den Brief seines Vaters nicht los, als er durch die Straßen von Dol Banred lief.
Was er heute Abend erfahren hatte konnte er nicht glauben, sein ganzes Leben hatte er davon geträumt etwas besonderes mit sich anzufangen, er war gegen den Willen seines Vaters zur Armee gegangen, um, wie er damals sagte, Ruhm zu erlangen, doch schnell hatte er heraus gefunden, dass er alles andere als Ruhm auf dem Schlachtfeld fand. Das große Böse war besiegt und die gelegentlichen Grenzstreitigkeiten wurden meistens durch die bloße Drohung der Macht Gondors beigelegt.
Und jetzt mit einem Schlag änderte sich alles, er war ein Erbe aus Númenor und seine Waffe, die er stets bei sich trug, wurde von einem der bekanntesten Elbenschmiede hergestellt. Jetzt taten sich ganz neue Möglichkeiten auf, sein Problem war nur, er wusste nicht welche. Er musste mit jemanden reden, über sich und auch über diesen Fremden in Gerions Gasthaus, er dachte daran Haubtmann Deron aufzusuchen, entschied sich dann aber doch für den Fürsten Ecthelion. Er hatte bisher noch nie mit ihm gesprochen, aber nach allem was er gehört hatte solle dieser Elb doch recht weise sein, und gerecht (für einen Elben halt).
Und so machte Thorondor sich auf den Weg, ohne darüber nachzudenken, dass er mitten in der Nacht wahrscheinlich nicht zum Fürsten der Stadt vorgelassen würde.
Lindan fesselte in dieser Nacht wieder seine Zuhörer im Gasthaus mit seinen Geschichten, und niemand machte sich Gedanken über das Fernbleiben Thorondors, selbst Lindan hatte diesen kleinen Wichtigtuer vergessen. Es sollte sich als großen Fehler herausstellen.


Dallmann, der Diener des Fürsten, ging durch die schwach beleuchteten Gänge des Herrenhauses. Es war mitten in der Nacht, aber wie er wusste, war sein Herr noch nicht zu Bett gegangen, und dieser junge Soldat vor der Tür hatte sich nicht abweisen lassen, und normalerweise konnte er jeden abweisen.
Nach einigem Hin und Her hatte er ihn also herein gelassen, und ihn in der großen Eingangshalle zurückgelassen. Der Fürst würde schon wissen, was er mit ihm machte.


Ecthelion saß wie immer bis spät in der Nacht über seiner Arbeit, Papierkram, wie er so etwas hasste. Früher war alles viel einfacher, bevor er auf diese Insel gekommen war. Es gab Zeiten, da vermisste er die weiten Landen von Mittelerde, seine Wanderungen mit seinen Freunden, nun war er an diese Stadt gebunden. Vielleicht sollte er noch einmal auf Wanderschaft gehen? Tief in seinen Gedanken versunken, erschrak er, als Dellmann an seine Tür klopfte, das wäre früher nie passiert. "Ja, komm herein!"
Dellmann betrat den Raum: "Unten in der Halle ist ein junger Soldat, der Euch, und nur Euch, sprechen möchte, mein Fürst."
"Hat das nicht Zeit bis morgen", dachte er "er hat dir wahrscheinlich nicht gesagt was er will, oder?"
"Sage ihm, er soll morgen wieder kommen." Ecthelion war ein wenig verärgert, dass Dellmann ihn aus seinen Träumen geholt hatte.
Der alte Diener drehte sich um und wollte gerade gehen, als er Ecthelions Stimme hörte: "Gebt ihm etwas zu trinken, ich komme in einigen Minuten nach unten, wenn man sich nicht um alles selber kümmert."


"Mein Name ist Thorondor Melevitar aus dem Haus Melevitar", stellte der junge Mann sich vor.
"Sollte mir das etwas sagen", dachte Ecthelion bei sich, "es ist schön Euch kennenzulehrnen. Mein Diener sagte mir, ihr hättet wichtige Neuigkeiten für mich, die NICHT bis morgen warten könnten."
"Das ist richtig, mein Fürst. In Euerer Stadt gehen merkwürdige Dinge vor, die ich am eigenen Leib gespürt habe." Und so erzählte Thorondor seine Geschichte über Lindan, den Geschichtenerzähler, und über sein plötzliches Erbe. Fürst Ecthelion unterbrach ihn nur selten um eine Frage zu stellen. Wenn es stimmte, was er sagte, sollter er sich das wirklich mal selber ansehen. ("So komme ich mal von meiner alltäglichen Arbeit weg", dachte er bei sich.)
"Was Euer Erbe angeht, kann ich es nicht anerkennen, aber ich rate Euch, besucht die Königsstadt Osgiliath und sucht den Schreiber der Stadt auf. Er wird Euch helfen können, zu guter letzt werdet Ihr beim König selber vorsprechen müssen. Nun, zu Euerem Schwert kann ich sagen, dass Elbenmagie, wie ihr Menschen sagt, in ihr ist. Ob es wirklich von Aegenor aus Ost-in-Edil hergestellt wurde, kann ich nicht sagen. Doch hütet Euch, junger Mann, diese Art Waffen wurden nicht für Menschen gemacht, und nur Unheil entsteht durch Waffen wie diese. Dennoch ist sie wertvoll und sie wird dich in vielen Situationen beschützen. Ost-in-Edil im fernen Hulsten, lange ist es her, dass ich etwas über diese prächtige Stadt hörte. Stolz und und mächtig erhoben sich die Türme der Stadt, und unvergessen sind die Reichtümer, doch ihr Stolz wurde ihnen zum Verhängnis. Lange ist es her, im fernen Hulsten."
Mit diesen Worten drehte er sich um und beschloss morgen Abend doch mal wieder Gerions Gasthaus aufzusuchen und sich diesen Lindan etwas genauer anzusehen.


Er lauschte der Geschichte: An dem, was dieser Fremde sagte, war etwas Wahres dran. Er war erst wenige Stunden hier und dennoch fing er an, seine Einstellung zu überlegen. Gut, er war Fürst einer Stadt, was hätte er erreichen können! Er war jung (für Elbenmaßstäbe), ein Krieger war er nie gewesen, doch seine Führungsfähigkeiten waren geradezu grandios. Warum gab er sich mit dieser Insel zufrieden? Er war doch schließlich ein Noldor, sollte wie ein König herrschen. Diesen und ähnlichen Gedanken gab er sich hin, während er Lindan zuhörte.


Lindan war jetzt seit 10 Tagen in der Stadt. Fast alle Bewohner von Dol Banred hörten seine Geschichte. Heute war selbst der Noldofürst im Gasthaus gewesen. Ecthelion war sofort Feuer und Flamme gewesen. Er hatte leichtes Spiel hier, diese Bauern waren so vertrauensselig, selbst dieser Fürst war leicht zu beeinflussen. Sein Herr würde zufrieden mit ihm sein, so zufrieden das er nach langem warten seine Belohnung bekommen würde. ...


Severok, der Kapitän der 'Seevogel', war ein guter und ehrlicher Mann aus Umbar der Hafenstadt im Süden, sein ganzes Leben hat er auf dem Meer verbracht. Bis vor einigen Tagen war er zufrieden mit seinem Leben, bis vor einigen Tagen! Aber Lindan hatte ihm die Augen geöffnet. Seit Jahren handelt er schon mit Dol Banred und was hatte es ihm bis jetzt gebracht? Einige Münzen, und, ja, sein Schiff war bezahlt. Heute Nacht würde es sich ändern, o ja, alle würden sich an seine Taten und seinen Namen erinnern. Denn er war Severok, der Seefahrer! Sein Urgroßvater war Seeräuber, ein Held und das würde er auch werden.
Seine Mannschaft hatte alles vorbereitet. Die Männer von den anderen Schiffen waren auf einer Kaufmannsversammlung an Land, Wachen an Bord wurden schnell und lautlos beseitigt. In wenigen Stunden hatten sie vier Handelsschiffe geplündert. Die Fracht auf die 'Seevogel' gebracht, die Handelsschiffe in Brand gesteckt und versenkt. An Bord der 'Seevogel' beobachtete Severok und seine Manschaft ihr Werk. Dol Banred leuchtete unheimlich im roten Schein der brennenden Schiffe. O ja, Lindan hatte recht, es war gut ein freier Mann zu sein. Er lächelte, als er in seine Kajüte ging.


Nachdem Thoronder von Ecthelion verabschiedet worden war, machte er sich auf den Weg zu seinem Bruder, er hatte eine Menge, worüber er nachdenken musste.
Das Unwetter der letzten tage hatte sich gelegt, es schien ein herrlicher Tag zu werden, alles sah im Glanz der aufgehenden Sonne neu aus.
Er beschloss, bevor er nach Hause ging, dem Tempel der Stadt einen Besuch abzustatten, es könnte bestimmt nicht schaden.
Normalerweise war er kein allzu gläubiger Mensch, aber heute fühlte er sich im Tempel geborgen, er fühlte sich sicher als er sich an den großen Baum in der Mitte des Tempels lehnte. Seine Augen fielen wie von alleine zu und ein erholsamer Schlaf kam über ihn.
Erst spät in der Nacht wurde er wach, in der Stadt war Aufruhr, die Alarmglocken wurden geläutet.
Der Soldat in ihm sprang auf und lief zur Tür. Im Hafen brannte es, die vier Handelsschiffe aus Pelagier, die letzte Woche hier Schutz vor dem Unwetter gesucht hatten, brannten lichterloh. Er sah aber auch die 'Seevogel' die in Richtung Süden lief. War es ein Zufall oder nicht? Er dachte direkt an Lindan, die Mannschaft der 'Seevogel' war seit dem ersten Abend jedesmal dabei gewesen, wenn er seine Geschichten erzählte. Konnte es Zufall sein? Eins wusste er, die 'Seevogel' lag sehr tief im Wasser....


Ecthelion war, wie alle die Lindan zuhörten, in seinem Bann gefangen. Ein Kurier brachte ihm Nachricht von der Schiffsverbrennung im Hafen. Er nickte nur und gab Anweisung das Feuer zu löschen. "Das könnte doch wohl nicht so schwer sein", sagte er dem verdutzten Soldaten. "Ich habe gerade zu tun, werde mich später drum kümmern. Haben wir nicht genug Leute die für solche Arbeit da sind, also bitte VERSCHWINDE!!!"
Lindan beobachtete die Szene mit einem boshaften Lächeln... Sein Meister hatte recht behalten, mit dem Zauber seiner Stimme konnte er jeden bekommen!...


Als er am Hafen ankam, war jede Hilfe zu spät. Alle vier Schiffe waren verloren. Die Besatzungen standen am Hafenbecken und starten wie gebannt auf die sterbenden Schiffe, einige versuchten heraus zufinden wie so etwas passieren konnte, doch keiner hatte auch nur ansatzweise eine Idee, was wirklich passiert war.
Thorondor versuchte ihnen alles zu sagen, aber niemand schien auf ihn zu achten. Er wollte ihnen klarmachen, dass die 'Seevogel' verschwunden war, dass er sie gesehen hätte wie sie davon gesegelt wär. Schnell wurde ein Sündenbock gefunden, hatte die Stadt nicht eine Schutzheilige, wo war sie denn jetzt, gerade für Seeleute soll sie ein Herz gehabt haben. Hatten wir uns ihren Zorn zugezogen, fragten sich einige, schnell wurden Gerüchte gestreut von Seeleuten, die nachher niemand je gesehen hatte. Dennoch wurde diese Gerüchte schnell aufgegriffen und weiter erzählt und jedesmal wurde die Geschichte ein wenig länger.


Gerion, der Wirt, ging wie jeden Morgen seit einer Woche auf den Markt, um seine Vorräte aufzufüllen. Seine Geschäfte gingen hervorragend. In seiner Kammer hinter dem Bild seines Vaters hatte er eine kleine Schatulle, die sich rasch füllte. Herr Lindan war ein Geschenk der Götter.
"Gerion, bitte bestell Herrn Lindan schöne Grüße von Belindor und gib ihm bitte diesen Brief von mir", bat die Bäckersfrau den Wirt.
"Na, wenn das dein Mann wüsste", dachte sich Gerion.
Aber natürlich würde er den Brief übergeben. Herr Lindan hatte in letzter Zeit öfters Damenbesuch.


Am nächsten Tag verkündigte ein Herold des Fürsten, dass ein Fest abgehalten werden solle. Jeder Bürger der Stadt möge sein Bestes tun, um sein Gelingen zu ermöglichen. Für die Vorbereitungen seien fünf Tage vorgesehen. Die Festlichkeiten mögen dann drei Tage und zwei Nächte anhalten. Und alles zu Ehren Ecthelions. Die meisten Bürger fanden diese Idee grandios, doch es gab einige, die ihren Fürsten nicht wieder erkannten. Wie konnte er nach dem Unglück im Hafen nur ans Feiern denken?
DAS GROSSE FEST
Es musste etwas besonderes sein. Kleider die nur für ihn entworfen und gemacht waren, wie es sich für einen Fürsten geziemte, das war ja das mindeste. Seine Farbwahl wahr einfach und schlicht. Schwarz und Silber. Als er sich im Spiegel betrachtete, fühlte er sich wie ein König. O ja, ein echter Elbenfürst, wie die Könige von einst - Fingolfin oder Turgon von Gondolin. Er dachte kurz daran in den Tempel zu gehen für ein kurzes Gebet, doch das hatte noch Zeit, er würde später gehen, ganz bestimmt würde er das tun, später. Seine Kleider saßen perfekt, diese junge Näherin verstand ihr Handwerk. Kurz schossen ihm Bilder von brennenden Schiffen in den Kopf, die aber schnell wieder vergessen waren, er musste sich um so viele Dinge kümmern, das fest würde ein Erfolg werden.
Thorondor verbrachte die letzten Tage zur Hälfte bei seinem Bruder und im Tempel, er konnte nicht verstehen was hier vorging. Die ganze Stadt schien verrückt zu sein, vielleicht lag es ja auch an ihm, er war sich seiner Sache nicht mehr so sicher. Er hatte getrunken und wenig geschlafen. Vielleicht war der Überfall in der Gasse nur Einbildung gewesen. Wie konnte er sich noch sicher sein. Er war verwirrt, aber im Tempel an diesem Baum hatte er ein wenig Frieden.
Zwei Tage nach der Ankündigung des Fürsten, träumte er zum ersten Mal von ihr, eine silberhaarige Schönheit in einem grünen Kleid, ihre Gestalt wurde immer von einem feinen Nebel umgeben, es hatte den Anschein, sie wolle ihm etwas sagen. Doch er konnte sie nicht verstehen, jedesmal wenn er versuchte näher zu kommen, verschwand sie im Nebel. Aber im letzten Traum sah er etwas vertrautes, die Schönheit stand an Bord eines Schiffes das er kannte, es war die 'Taluga' einer Galeere der Stadt.
Die 'Taluga' lag still im Hafen, aber Thorondor sah schnell, dass der Kapitän sehr wohl auf der Hut war, denn die Wachen an Deck waren verdoppelt, und es gab mehr Licht als gewöhnlich.
"Bitte an Bord kommen zu dürfen, mein Name ist Thorondor Melevitar und ich möchte mit dem Kapitän sprechen", rief er der Bordwache zu. Er bekam keine Antwort, doch das hatte er sich schon gedacht.
Nach einigen Minuten kam ihm eine groß gewachsene Gestalt entgegen. "Mein Name ist Pellendur und ich bin der, den Ihr sprechen wollt, was kann ich für dich tun, Soldat",.sagte er, als er sah mit wem er sprach.
"Nun, Herr Pellendur, ich weiß nicht, wo ich anfangen soll, es ist recht schwierig für mich. Sagt, besucht Ihr hin und wieder Gerions Gasthaus?" fragte er mit leiser Stimme.
Pellendur starrte ihn an, bevor er eine Antwort gab. "Mein junger Freund, ich wüsste nicht, warum ich Euch sagen sollte, wo ich mich in meiner Freizeit aufhalte. Und nun sagt mir schnell, warum Ihr mich von meinem Abendmahl holtet, ich leite ein Kriegsschiff und habe viel zu tun, also was nun?"
"Ich sah, wer die Schiffe in Brand gesetzt hat", platzte Thorondor heraus, sein Mut hatte ihn plötzlich verlassen. "Ist Euch aufgefallen, dass die 'Seevogel' verschwunden ist? Macht Euch das nicht stutzig? Und auch unser Fürst benimmt so eigenartig. Wie kann er nach so einem Unglück ein Fest veranstalten? Und außerdem sehe ich in meinen Träumen eine silberhaarige Frau auf Euerem Schiff. Und da dachte ich, ich geh dahin und überhaupt..."
"Junger Freund, holt doch mal Luft", lachte Pellendur, aber sein Lachen war gezwungen. "Kommt doch erst mal auf mein Schiff und erzählt mir Euere Geschichte von Anfang an."
Thorondor bemerkte die besorgte Miene des Kapitän nicht, seine Mannschaft wusste diesen Gesichtsausdruck sehr gut zu deuten, in naher Zukunft würde es Ärger geben.
Das Kristallglas, in das Pellundur den roten Wein aus Dorwinadan goss, war ein Erbstück seiner Mutter, eine herrliche Arbeit aus Minas Tirith.
"Mein junger Freund, beruhigt Euch erst einmal, nehmt einen Schluck und dann sagt mir alles über Eueren Traum und vor allem über diese Frau, die Ihr gesehen habt." Seine Stimme zitterte, als er das sagte.


Nachdem Thorondor dem Kapitän alles gesagt hatte, was ihm einfiel, schwiegen beide eine lange Zeit.
"Und du weißt wirklich nicht, wen du da gesehen hast", fragte Pellendur nach.
"Nein, diese Frau habe ich noch nie gesehen, aber sie war wunderschön in meinen Träumen, und ich würde sie gerne wiedersehen, um ehrlich zu sein."
"Du dummer Kerl, du hast die Hütterin dieser Insel gesehen. Die Lage muss ernst sein, wenn sie sich DIR in deinen Träumen zeigt. Es gehen Gerüchte um, sie sei eine Freundin unseres Fürsten, aber anscheinend kommt sie nicht zu ihm durch, so wie du sagst. Schlafe dich jetzt erst mal richtig aus, du kannst Schlaf gebrauchen, so wie du aussiehst. Habe keine Angst mehr wir werden dir helfen."


Pellendur ging zu einem Bücherregal und holte ein in Leder gebundenes Buch hervor um darin zu lesen.


Ein Windstoß erfasste ihn, seine Kleidung blähte sich auf, wo er sich befand wusste er nicht. Er konnte nicht weit sehen, ein silberner Nebel war um ihn herum. Unter seinen Füßen war Gras, feuchtes Gras und der Klang der Brandung war in der ferne zu hören. Wieso war er hier und nicht auf dem Schiff?


"SEI UNBESORGT! HIER KANN DIR NICHTS GESCHEHEN. DU BIST IN MEINEM REICH: DU KANNST MICH NICHT SEHEN UND DENOCH BIN ICH DA."
"G L A U B S T D U?" hörte Thorondor laut in seinem Kopf.
"An was?" entfuhr es dem jungen Mann, seine Stimme war schrill im Gegensatz zu dem lieblichen Klang der Frauenstimme.
"KOMME WIEDER, WENN DU DEINEN GLAUBEN GEFUNDEN HAST!"


Er schlug die Augen auf und war wieder in Pellendurs Kabine.

(Falcon An Cu)