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Der Roman „Angmar“
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Der Untergang Númenors
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Zeittafel




Seelendiebe - Fünftes Kapitel: Bekanntschaften


Legolas konnte den stinkenden Atem eines Orks neben seinem Pferd riechen. Der Prinz war verzweifelt. Seine Gedanken arbeiteten auf Hochtouren, doch was immer er auch gedachte zu tun, alles schien aussichtslos. Sie hatten ihn umzingelt, von allen Seiten bildeten sie einen Kreis um ihn und Sahin, welcher panisch wieherte und vergeblich versuchte aus dem Kreis herauszubrechen.
´Das war es nun, Legolas´, sagte eine kleine Stimme in Legolas Hinterkopf. Doch kampflos wollte der Prinz von Düsterwald nicht aufgeben. Wenn er schon sterben musste, dann nicht ohne ein paar dieser Biester mitzunehmen. Er griff nach hinten in seinen Köcher, zog einen Pfeil heraus und spannte den Bogen an. Dies geschah so schnell dass kein Ork rechtzeitig reagieren konnte. Innerhalb weniger Augenblicke lagen drei Orks tot am Boden, doch auf jeden toten Ork folgten drei Lebendige.
Legolas stöhnte auf. In diesem Moment erlosch seine letzte Hoffnung. Doch im gleichen Augenblick fing einer der Orks an, panisch in die Richtung hinter Legolas zu gestikulieren. Er brüllte ein paar anderen Orks etwas zu und dann, zu Legolas Überraschung, lief er. Er lief tatsächlich los, in den Wald zurück. Und wie durch ein Wunder folgten die anderen Orks ihm! Nachdem der letzte Ork verschwunden war und Legolas aufgeatmet hatte, legte sich seine Stirn sofort wieder in Falten. Das hatte er doch schon einmal erlebt, damals, in den Minen von Moria. Damals waren ihm die Orks wahrlich lieber gewesen. Was mochte es dieses Mal sein? Die Luft anhaltend drehte er sich langsam um...


Was er sah ließ ihn vor Freude auflachen. Vor seiner Nase, keine zehn Schritte entfernt, stand ein Elb. Seine türkise Kleidung verriet, dass er aus dem Norden kam. Doch Elb war Elb, und Legolas fühlte sich erleichtert wie niemals zuvor. „Mae govannen 1 “, sprach der Elb, welcher zu Legolas Überraschung Sindarin sprach.
Alae mellon nin... 2 “, antwortete Legolas.
Was hast du denn verbrochen um ihren Hass dermaßen auf dich zu ziehen?“ grinste der Nordelb ihn nun an.
Wenn ich das nur wüsste... Orks fanden mich schon immer `anziehend´.. Aber sag, wie kommt Ihr hierher? Oh, ich vergaß mich zu bedanken. Hiermit sei das nachgeholt. Soeben habt Ihr dem...“
Dem Prinz von Düsterwald das Leben gerrettet, ich weiß. Woher, wollt ihr wissen? Nun ja, in dieser Gegend kommt jemand wie Ihr nicht oft vorbei. Da ist das Gerede groß. Und ich sitze hier nun schon seit einer Ewigkeit fest, da ich jemanden erwarte, der aber nicht mehr zu kommen scheint. Deshalb entschied ich, mit Euch zu gehen, wenn Ihr erlaubt...“ Fragend sah er Legolas an.
Dieser musterte ihn nun neugieriger. Der Elb musste jünger sein als er, wenn auch nicht viel. Vielleicht 1800 Jahre, wenn nicht noch jünger. Seine Kleider waren von edler Herkunft, und er war groß. Doch Legolas traute ihm nicht ganz. Etwas war an ihm, was ihn misstrauisch machte. Doch was das war, konnte er nicht sagen. Trotzdem kam er zu dem Schluss, dass es hilfreich sein könnte zu zweit zu reisen, und vielleicht wäre etwas Ablenkung gar nicht so schlecht. Also nickte er.
Ein Lächeln breitete sich auf dem Gesicht des Nordelben aus. „Sehr schön. Mein Name ist Gwerrion. Es interessiert Euch sicher, woher ich komme und vieles mehr, doch das will ich Euch unterwegs erzählen. Kommt, lasst uns aufbrechen. Die Orks könnten wiederkehren.“ Und damit drehte er sich um und ging.
Legolas wollte ihm gerade nachrufen, dass er ohne Pferd nicht lange würde mithalten können, doch da kam Gwerrion schon zurück, sitzend auf dem Rücken eines pechschwarzen Hengstes, einer, wie nur die Nordelben sie hatten. In der Nacht waren diese Pferde nicht auszumachen.
Schulterzuckend drehte Legolas sich um, ging zu Sahin, welcher immer noch etwas zitterte, legte ihm beruhigend die Hand auf den Rücken und flüsterte ihm etwas zu. Augenblicklich beruhigte das Pferd sich und sah Legolas fragend an. Dann saß Legolas auf. Und Gwerrion fiel wieder ein, dass die Elbenrasse, welcher Legolas angehörte, angeblich mit ihren Pferden sprechen konnten. Lächerlich. Mit diesem Gedanken trieb er seinen Hengst an und ritt voraus, natürlich nicht ohne sich zu versichern, dass Legolas´ Pferd ihm folgen konnte.


Schon nach einiger Zeit fing Sahin an zu schnaufen, da er das Tempo von Gwerrions Pferd kaum mithalten konnte, doch er war ein stolzes Tier und darum gab er sich alle Mühe. Aber Legolas merkte, dass Sahin nicht mehr lange würde weitergehen können. Er kniff die Lippen zusammen und rief: „Gwerrion, könntet Ihr wohl ein Stück langsamer reiten, mein Pferd hält mit dem Euren nicht mit! Er geht schon den ganzen Tag und ist daher sehr müde...“
Gwerrion unterdrückte ein Grinsen, zügelte seinen Hengst und drehte sich im Sattel um. „Das tut mir leid, mein Pferd ist es eben gewöhnt in dem Tempo zu laufen, da ich es für gewöhnlich eilig habe.“
Doch an dem Klang seiner Stimme konnte Legolas erkennen dass es ihm ganz und gar nicht leid tat. Was war bloß los mit diesem Elben? Vielleicht hätte er doch lieber allein reiten sollen. Doch das war nun zu spät. Er schloss zu Gwerrion auf und beide ritten schweigend weiter, jeder sich seine Gedanken machend.


Gwerrion, darf ich Euch etwas fragen?“
Der Angesprochene drehte sich im Sattel zu ihm, denn er war schon wieder weiter voraus. „Natürlich, fragt nur.“
Legolas hatte sich seine Fragen mühsam im Kopf zurechtgelegt sodass Gwerrion keinen Verdacht schöpfen würde. „Woher kommt Euer Pferd und warum ist es so viel ausdauernder und größer als das meine?“
Nun ja, das ist einfach zu beantworten. Ich habe ihn hoch im Norden gekauft, dort gibt es viele von diesen wundervollen Tieren, sie werden dort gezüchtet. Vor langer Zeit müssen sie etwas anderes in eine Generation gezüchtet haben woraus dann später diese Größe und die Stärke entstanden. Ich tippe auf Garfouls, aber ich bin mir nicht sicher.“
Garfouls waren Tiere die die Menschen für gewöhnlich für die Arbeit benutzten, sie waren stark, dumm und sahen in etwa so aus wie Kühe der Menschen, nur waren sie noch größer und ließen alles mit sich machen. Einfach dumme Tiere. Und die sollte man mit Pferden gekreuzt haben? Das konnte Legolas nicht glauben. Aber er ließ sich nichts anmerken und nickte nur interessiert. „Und wo kommt Ihr selbst her? Denn von hier seid ihr sicher nicht. Und warum sprecht Ihr Sindarin? Das ist ungewöhnlich für einen Elben der nicht von hier stammt.“
Gwerrion legte eine Hand an den Mund und begann wohl überlegt zu sprechen. „Das sind mehrere Fragen. Trotzdem will ich sie Euch beantworten. Ich komme von überall her, ich hatte nie wirklich ein Zuhause oder eine Familie. Ich war schon denkbar überall in Mittelerde und komme über die Runden, indem ich Botengänge für verschiedene Leute ausführe. Und meinen Lero hier,“ er deutete auf seinen Hengst, „habe ich bei einem Überfall einem der Nordelben gestohlen.“
Legolas wollte etwas erwidern, wie, es sei unrecht zu stehlen, aber er besann sich rechtzeitig eines Besseren. Gwerrion hatte ein anderes Leben als er. Überleben bedeutete für ihn anscheinend des öfteren Stehlen. Aber was ging es ihn an? Solange nicht er es war, der bestohlen wurde, konnte es ihm doch egal sein. Er wollte sich nicht gleich den Unmut des Elben zuziehen, indem er ihm unangebrachte Standpauken hielt. Abgesehen davon, hatte Legolas in Zeiten des Ringkrieges in Notsituationen selbst oft genug „sich einer Sache bemächtigen“ müssen.
Den Rest des Tagesrittes waren sie schweigsam. Gegen Sonnenuntergang kamen sie in den Wald von Lórien und Legolas seufzte erleichtert auf. Die Botschaft hatte er schon fast wieder vergessen, zusammengefaltet lag sie in seinem Beutel. Sie stiegen ab, eine Geste der Höflichkeit, und betraten den Wald. Gwerrion sah sich unwohl um. Er mochte Wälder nicht. Und vor allem keine, wo man den Feind erst sah, wenn er fünf Schritte entfernt von einem selbst stand. Legolas bemerkte seine suchenden Blicke. „Keine Angst, hier sind nur Elben Lóriens. Sie wachen über diesen Wald.“
´Genau das ist das Problem`, dachte Gwerrion und biss sich auf die Lippe. Doch in dem Moment drehte er sich um und Orophel von Lórien stand vor ihm, den Bogen gespannt, bereit, die Sehne jederzeit loszulassen und ihm den tödlichen Pfeil direkt in die Brust zu jagen .“Daro! 3 “, rief der Elb und zielte immer noch auf Gwerrion.
Orophel!“ rief Legolas um ihn auf sich aufmerksam zu machen. „Cynn nin! 4 “, rief Orophel erstaunt aus und ließ den Bogen sinken. Seine Begleiter wies er an das Gleiche zu tun.
Erfreut ging Orophel zu Legolas ,blieb vor ihm stehen, legte die Hand auf sein Herz und verbeugte sich. Legolas tat das Gleiche. „Was tut Ihr hier?“ fragte ihn Orophel, sichtlich froh über sein Erscheinen. Der Prinz von Düsterwald war in Lórien sehr beliebt, hauptsächlich durch seinen Erfolg im Ringkrieg und durch die zahlreichen lustigen Abende, die sie sich immer machten, wenn Legolas mal dort zu Besuch war.
Eure Herrin hat uns eine Nachricht zukommen lassen,“ flüsterte Legolas ihm zu, und Gwerrion spitzte die Ohren. Endlich wurde es interessant, war er doch mit diesem blöden Elb jetzt schon lange genug unterwegs gewesen.
Orophel nickte. „Ich weiß, ich weiß, ich wollte es nur von Euch hören, um sicherzugehen. Die Nachricht hat Euch also erreicht? Eru sei Dank, wir hatten schon befürchtet...“ Er warf Gwerrion einen misstrauischen Blick zu. „Tolo gwa nin 5 “, sagte er, drehte sich um und ging los.
Legolas folgte ihm mit Gwerrion im Schlepptau. „Der Elb ist mir nicht ganz geheuer, wir wollen unter uns sprechen“, flüsterte Orophel ihm zu.
Legolas nickte erleichtert, da auch ihm noch nicht ganz klar war, was Gwerrion eigentlich vorhatte.





Übersetzungen:
1. Seid gegrüßt!
2. Hallo mein Freund!
3. Haltet an!
4. Mein Prinz!
5. Kommt mit mir.


(Maurynna Kyrissaean)