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Der Roman „Angmar“
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Der Untergang Númenors
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Alatarion

Anôra überflog den Brief noch mal. Sie hatte ihn schon drei mal gelesen und sie wusste dass sie nichts neues darin entdecken würde, doch sie tat es trotzdem um die unerträgliche Warterei zumindest ein wenig zu verkürzen.
Es war wie immer das gleiche; ein Bericht über das Fortschreiten des Flottenbaus, was Anôra sowieso schon bekannt war, detaillierte Beschreibungen davon, wie der Rumpf eines Schiffes entstand, die sie nur mäßig interessierten, und noch detailliertere Beschreibungen von Kilnors neuem Leben als ein Soldat der Königlichen Flotte, die sie überhaupt nicht interessierten. Nichts, nicht mal ein kleiner Hinweis auf irgendwelche Aktivitäten der Getreuen.
Ärgerlich warf sie den Brief auf den Tisch. Seit mehreren Monaten war Kilnor nun nicht nur Soldat der Flotte, sondern auch ihr Spion, der ihr in regelmäßigen Abständen Briefe schickte, doch entweder war der Junge blind und taub oder die Getreuen hatten sich tatsächlich von den vielen Verhaftungen abschrecken lassen und verhielten sich still. Zwar würde sie nur zu gerne an die zweite Erklärung glauben, doch die erste erschien ihr leider viel wahrscheinlicher.
Anôra stützte den Kopf auf die gefalteten Hände und starrte in das flackernde Feuer der Kerze. Es schien, als würde sie in den letzten Monaten vom Pech verfolgt werden. Sie hatte seit dem Sommer nichts über Roccondil oder sein Wirken erfahren, die Verhaftungen hatten bis jetzt nichts gebracht außer dass die Getreuen noch vorsichtiger wurden und nun entpuppte sich auch ihr Spion als ein Fehlgriff.
Ihre einzige Hoffnung ruhte auf dem alten Mann in dem Palastverlies, doch auch diese Sache schien langsam aussichtslos, denn sie warteten schon so lange, und noch immer waren keine heldenhafte Befreier erschienen. Würden sie auch in den nächsten Tagen nicht auftauchen hatte sie keine andere Wahl, als doch zu versuchen, etwas aus dem Alten selbst herauszubekommen, aber sie bezweifelte, dass es etwas bringen würde. Sie kannte diese Art von Mensch, stur unter der schlimmsten Folter schweigend, bereit, nicht nur sich selbst, sondern auch die Familie einem höheren Ziel zu opfern, egal wie aussichtslos die Lage war.
Ihr Vater war so gewesen.
Anôra schüttelte den Kopf und verbannte die Erinnerung wieder aus ihren Gedanken. Lieber fixierte sie doch weiterhin das Feuer der Kerze. Die Zeit schien stillzustehen.
Plötzlich hob sie ruckartig den Kopf und lauschte. Sie hatte sich nicht getäuscht, da war tatsächlich ein Geräusch von Schritten. Jemand näherte sich schnell und schließlich wurde die Tür zu ihrem Zimmer mit solcher Wucht aufgerissen, dass sie fast aus den Angeln flog.
Anôra brauchte sich nicht umzudrehen um zu wissen, wer da hereingestürzt kam. Es gab nicht viele, die es wagten, sich auf diese Weise und ohne anzuklopfen Eintritt zu ihren Gemächern zu verschaffen.
"Hallo Zimalkhâd", seufzte Anôra und drehte sich nun doch um. "Ihr legt es wohl darauf an, hmmm?" fragte sie, missmutig die Tür betrachtend. "Irgendwann fliegt sie wirklich aus dem Rahmen."
"Dann bekommt ihr eben eine neue", antwortete Zimalkhâd schwer atmend. "Das ist jetzt auch unwichtig. Man hat versucht, Narmacil zu befreien."
Anôra stand auf. "Na endlich. Wie viele waren es? Habt ihr sie?"
"Es war einer, Alatarion, sein Sohn. Aber ganz so wie geplant lief es nicht ab. Der Alte konnte fliehen."
"Was?" Anôra starrte Zimalkhâd entgeistert an.
"Es... es gab einen Verräter, und ich wurde durch Unruhen in den Verliesen davon abgehalten, die Flucht zu verhindern."
"Ach wirklich? Ein Verräter also?" Anôra´s Ton verhieß nichts Gutes. "Und warum konntet ihr nicht sicherstellen, dass es keinen gibt? Oder haben wir nicht genug Männer? Warum kann ein so wichtiger Gefangener mit der Hilfe eines Mannes fliehen?"
"Nun ja", Zimalkhâd´s Blick irrte unruhig im Raum umher, jedoch vorsorglich den von Anôra meidend. "Es war Erâzon, er hatte eigentlich den Oberbefehl über die Wachen dort, und dann wurden die Narmacil verfolgenden Soldaten von jemand anderem angegriffen."
"Wie genau ist das passiert?" wollte sie in dem gleichen unheilschwangeren Ton wissen.
Als Zimalkhâd fertig mit der Erzählung war, trat er unwillkürlich einen Schritt zurück, doch das erwartete Gewitter kam nicht. Anôra sah gedankenverloren in die Luft und ihre Lippen bewegten sich leicht, als würde sie irgendwas mit sich selbst besprechen. Schließlich wurde ihr Blick wieder klar und sie sah Zimalkhâd an.
"Also, dieser geheimnisvolle Retter hat jetzt eine Wunde an der Stirn, ja? Ordnet eine Suche nach ihm und Narmacil an und gebt seine genaue Beschreibung an alle Soldaten und Wachposten der Stadt. Setzt alle Spione ein, die wir haben. Stellt jedes Haus dieser verdammten Stadt auf den Kopf, aber ich will die beiden so schnell wie möglich hier haben."
Anôra hielt für einen Augenblick inne und überlegte kurz, bevor sie mit den Anweisungen fortfuhr. "Bringt Alatarion sofort hinunter in den Kerker, sagt Sutir dass er genau drei Stunden Zeit hat, um den Jungen zum Sprechen zu bringen. Und macht es persönlich, ich will keine Fehlschläge mehr erleben. Tauscht außerdem die Soldaten der Palastgarde durch eure Leute aus."
"Seit Alatarion zurückgebracht wurde hat die Schwarze Garde die Palastgarde ersetzt, Mylady", merkte Zimalkhâd an.
"Gut, ich sehe, ihr fangt an zu denken, Zimalkhâd", nickte Anôra. "Es wurde auch höchste Zeit. Und ich will wissen, ob sich seine Schwester, diese Anariel, noch in der Stadt aufhält, findet es gleich heraus. Geht."
Zimalkhâd nickte und verschwand deutlich leiser, als er gekommen war. Anôra blies die Kerze auf dem Tisch aus und wartete eine Weile im Dunkeln, bis die Schritte des Soldaten vollständig verhallten. Dann glitt sie geräuschlos aus der Tür. Da war noch jemand, der mindestens genau so ungeduldig auf Neuigkeiten wartete wie sie selbst vor kurzem.


Er wusste nicht mehr, wie lange er hier unten war, es hätten Stunden aber auch Tage oder Monate sein können. Er hatte jedes Zeitgefühl verloren, das einzige, was noch klar war, war der ständige brennende Schmerz überall in seinem Körper.
Doch mit einem Mal ließ er nach. Alatarion hörte irgendwo in unendlich weiter Ferne eine Tür aufgehen und hörte dann eine andere, neue Stimme. Er versuchte sich den Schweiß aus den Augen zu wischen um zu sehen, wem sie gehörte, doch die Ketten an seinen Handgelenken ließen es nicht zu.
Stöhnend ließ er den Kopf wieder fallen und versuchte zu verstehen, was die Stimme sagte. Es gelang ihm nicht, das Rauschen in seinen Ohren störte zu sehr, doch dem Ton nach zu urteilen gab die Stimme gerade Anweisungen. Nach einiger Zeit wurde es etwas dunkler und sehr still in dem Raum.
Dann hörte er leise Schritte und spürte, wie die Ketten an seinen Händen und Füßen gelöst wurden. Jemand hob vorsichtig seinen Oberkörper an und stützte ihn an der Wand ab. Eine Hand legte sich um sein Kinn und hielt seinen Kopf während eine andere sanft mit einem nassen Tuch über sein Gesicht und seine Augen wischte. Alatarion blinzelte und versuchte etwas zu erkennen. Seine Augen gewöhnten sich erstaunlich schnell an das dämmrige Licht in der Zelle. Alle Wachen waren weg, und sie hatten anscheinend auch alle Fackeln außer zwei weggetragen. Dann wandte er den Kopf und sah in ein Gesicht.
Überrascht riss Alatarion die Augen auf. Es war mehr als unerwartet, das Gesicht einer jungen Frau hier unten zu sehen. Sie war sehr schön, doch etwas in dem Glitzern ihrer grünen Augen machte ihn misstrauisch.
Er wollte fragen, wer sie ist, doch aus seinem ausgetrockneten Mund kam nicht mehr als ein heiseres Krächzen. Die Frau lächelte und hielt einen Becher an seine Lippen. Geduldig wartete sie, bis er seinen Durst gestillt hatte und stelle den Becher wieder ab. Das Rauschen in seinen Ohren hatte aufgehört und er schickte sich nun erneut an, seine Frage zu stellen. "Wer... ?"
"Mein Name ist Anôra, und viel mehr werde ich dir über mich auch nicht sagen, du brauchst daher gar nicht erst mit dem Fragen anzufangen", schnitt sie ihm ins Wort. In ihrer leisen, fast freundlichen Stimme lag der gleiche beunruhigende Unterton wie in ihrem Blick.
"Ich habe die Wachen weggeschickt, wir sind also allein. Doch du brauchst dir auch nicht über Fluchtpläne den Kopf zu zerbrechen, ich bin schon mit größeren Kriegern fertig geworden", fügte sie spöttisch hinzu, als sie seinen Blick zur Tür bemerkte.
"Sutir konnte nichts aus dir herauskriegen, deshalb versuche ich es nun auf meine Weise. Es hängt wie du siehst von dir ab, ob du mir jetzt sagst was ich wissen will und deine Ruhe bekommst oder ob ich sie wieder zurückhole und alles wieder von neuem beginnt."
"Nein", Alatarion schüttelte den Kopf. "Ich werde meine Freunde nicht verraten."
"So?" Anôra hob leicht die Augenbrauen an. "Und warum nicht, wenn ich fragen darf? Du kannst jetzt natürlich weiter schweigen, aber es wird dir nichts außer neuen Schmerzen bringen und deinen Freunden höchstens ein wenig Zeit, mehr nicht. Wir werden sie kriegen, mit deiner Hilfe oder ohne, aber wenn du es mir jetzt sagst und uns die Mühen ersparst, könnte ich darüber nachdenken, die, die dir am meisten bedeuten nicht ganz so hart zu bestrafen."
"Nicht ganz so hart zu bestrafen?" Alatarion lachte und verzog sofort schmerzerfüllt das Gesicht. "Ihr werdet aus ihnen auch Spione machen, oder Sklaven. Und wenn es ihnen auch nichts bringt dass ich schweige, zumindest werde ich nie ein Verräter sein. Egal wie lange ihr mich hier drin lasst."
"Nobel, wirklich nobel", nickte Anôra. "Na schön, ist das dein letztes Wort?"
"Ja."
"Gut, dann also nicht", seufzte sie und stand auf. "Dann werde ich jetzt also Sutir wieder hinein schicken. Und mich nach jemand anderem umsehen." Anôra lächelte kalt. "Nach deiner Schwester zum Beispiel. Sie wird hoffentlich etwas gesprächiger sein als ihr sturer Bruder."
Mit diesen Worten drehte sie sich um und trat einen Schritt zur Tür vor. Im gleichen Augenblick sprang Alatarion hoch und stürzte sich mit einem Schrei auf sie. Doch Anôra fuhr blitzschnell herum, fing seinen Arm ab und schleuderte ihn an die Wand zurück. Stöhnend richtete sich Alatarion wieder auf und brach unter einem neuen Schlag in die Magengrube zusammen. Japsend sah er hoch. Anôra stand über ihm und die letzte Spur von Freundlichkeit war aus ihrem Gesicht verschwunden.
"Versuch das nie wieder Junge", zischte sie. Ihre Augen blitzten wütend. "Ich habe dir doch gesagt, dass ich mit größeren Kriegern fertig werde als du einer bist. Wenn du nur noch eine Bewegung machst die mir nicht gefällt, werde ich dir mit bloßen Händen die Eingeweide aus dem Leib reißt. Hast du mich verstanden?"
"Bitte... lasst Anariel in Frieden..." brachte er mühsam hervor. "Sie... sie weiß nichts, wirklich."
"Davon würde ich mich lieber persönlich überzeugen", entgegnete Anôra. Das Funkeln in ihren Augen erlosch wieder.
"Ihr wisst nicht, wo sie ist", schüttelte Alatarion den Kopf.
"Meinst du wirklich, es ist so schwer, das herauszufinden? Ich habe genügend Soldaten zur Verfügung, um jedes Haus, jede Scheune und jedes Rattenloch dieser Insel zu durchsuchen. Und so viele Plätze gibt es gar nicht, in denen sich jemand wie sie lange genug verstecken könnte. Du kannst mir glauben, wir werden sie finden, schneller als dir lieb ist. Es sei denn..." Anôra hielt inne und sah Alatarion mit einem dünnen Lächeln an.
"Es sei denn, ich sage euch was ihr wissen wollt?" beendete Alatarion den Satz für sie.
"Genau."
Alatarion überlegte. Auf der einen Seite wollte er auf gar keinen Fall seine Freunde verraten, doch auf der anderen Seite war seine Schwester in höchster Gefahr.
Das Unbehagen, die ihm Anôra eingeflößt hat, hatte sich nun in echte Angst verwandelt. Nicht mal so sehr Angst um sich, sondern Angst um seine Schwester. Er mochte nicht daran denken, was passieren würde, wenn Anariel in die Hände dieser Frau geraten würde, denn er hatte keine Zweifel, dass sie zu dem fähig war, was sie ihm kurz vorher angedroht hatte.
"Ich werde reden", sagte er schließlich tonlos und starrte den Boden an. Er würde es sich nie verzeihen, das getan zu haben, aber das Leben seiner Schwester war ihm wichtiger als alles andere.
"Aber nur, wenn ihr versprecht, dass ihr Anariel nicht suchen werdet."
"Du hast mein Wort", sagte Anôra ruhig und setzte sich wieder neben ihn. "Nun, fangen wir an."
Dann kamen die Fragen. Sie wollte alles wissen, bis ins kleinste Detail. Wann sie sich trafen und wo. Was man über fremde Spione wusste. Wen er vom richtigen Namen her kannte. Wie lange Tuor schon bei ihnen war. Oft kamen auch Fragen, dessen Sinn Alatarion gar nicht klar war.
Nur einmal griff sie zu Papier, um sich sämtliche Decknamen die er kannte und die knappen Beschreibungen der sie tragenden Menschen, die er dazu geben konnte, aufzuschreiben. Und dann wieder Fragen, immer mehr, immer einfacher und sinnloser, sich manchmal wiederholend, mit einer Geschwindigkeit die ihm kaum Zeit zum Reden oder Überlegen ließ.
Nach einiger Zeit setzte das Rauschen in seinen Ohren wieder ein, wenn auch schwach. Sein Mund trocknete aus, seine Augen begannen sogar in dem Dämmerlicht das in der Kammer herrschte zu brennen, sein Kopf tat furchtbar weh.
Doch die Fragen hörten nicht auf. Seine Zunge wurde fast von selbst mit den Antworten fertig, und er selbst schien immer weiter von diesem Ort fortzuschweben. Wo trefft ihr euch? Wie viele treffen sich gewöhnlich? In welchen Zeitabständen? Wo wohnt ihr? Wo wohnen die anderen? Wo gibt es sonst Treffpunkte? Wo ist deine Schwester?
"In Hyarrostar", murmelte Alatarion und erst dann wurde ihm klar, was er gesagt hat.
"Nein", flüsterte er fassungslos. "Nein."
"Doch mein Junge", Anôra erhob sich. Auf ihren Lippen spielte ein triumphierendes Lächeln. "Nun hast du mir wirklich alles gesagt, was ich wissen wollte. WACHEN!" rief sie plötzlich.
Sofort kamen mehrere in schwarz gekleidete Soldaten herein, die anscheinend die ganze Zeit vor der Tür gewartet haben.
"Ihr dürft ihr nichts tun! Ihr habt es versprochen!" schrie Alatarion Anôra an, und nur die gezückten Schwerter der Soldaten hinderten ihn daran, sie erneut anzugreifen.
"Ich habe gelogen", zuckte sie ruhig mit den Schultern. "Das haben Sauron´s Schergen eben an sich, hat man es dir nicht beigebracht auf deinen tollen Versammlungen?" Dann drehte sie sich zu einem der Soldaten.
"Wir können ihn nicht mehr gebrauchen, Zimalkhâd", sagte sie.
"Hat er Euch etwas interessantes erzählt?"
"Na ja, ich hatte gehofft dass er mehr weiß, aber es ist besser als gar nichts", seufzte Anôra.
"Und was machen wir nun mit ihm?" Zimalkhâd sah Alatarion flüchtig an. "Soll ich ihn hinrichten lassen?"
"Nein", sagte Anôra und schaute Alatarion nachdenklich an. Dann erschien langsam ein böses Lächeln auf ihrem Gesicht. "Nein, er ist doch ein Held. Und für Helden erscheint mir eine einfache Hinrichtung nicht angemessen. Ich habe da eine viel bessere Idee."
Sie schaute Alatarion noch einen Moment lang an, und er fühlte wie sich eine kalte Hand um sein Herz legte. Weder das Lächeln noch der Blick ihrer Augen gefiel ihm. Dann drehte sie sich abrupt um.
"Bringt ihn in den Tempel!" befahl sie knapp und ging ohne weitere Worte zur Tür.
Alatarion starrte ihr erschrocken hinterher. Er wusste was das bedeutete, doch es war, als wären seine Glieder mit Blei angefüllt. Er versuchte auch nicht sich zu wehren, als zwei Soldaten ihn grob an den Armen packten und hochrissen. Erst als ein Stück der hinteren Wand plötzlich knirschend zur Seite fuhr und den Blick auf einen schlecht beleuchteten Gang freigab, aus dem ein Gestank drang, den er schon so oft in der Nähe des Palastes gespürt hatte, erwachte Alatarion aus seiner Starre.
"Das dürft ihr nicht machen!" schrie er. "Nein, nicht das! Nein!"
Er versuchte sich zu befreien, doch es war vergeblich, die Hände der zwei Soldaten schienen sich in Eisenzangen verwandelt zu haben. Unbeirrbar zerrten sie ihn in den Gang hinein.
Das letze was er sah, bevor die schwere Wand wieder an ihren Platz zurückkehrte, war Anôra. Sie stand auf der letzten Stufe der Treppe an der Tür und sah ihm nach. Sie schien so fehl am Platz zu sein, mit ihrem feinen Kleid aus dunklem Samt und den leichten Schuhen, inmitten der großen Soldaten, rauchenden Fackeln und dreckigen Steinmauern. Schließlich verschwand auch sie in dem immer kleiner werdendem Spalt und die Wand schloss sich endgültig.
Dann gab es nichts mehr außer den seltenen Fackeln, den hallenden Schritten der Soldaten auf dem Steinboden und dem immer stärker werdendem Geruch. Irgendwann hörte Alatarion auf sich zu wehren und schloss die Augen. Er hatte einfach nur Angst.


(Polina)