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Der Roman „Angmar“
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Der Untergang Númenors
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Zeittafel




Abenddämmerung



2. Kapitel

Aufbruch und erste Begegnungen


Aduial blieb noch geraume Zeit am Sterbebett seiner Mutter sitzen, dann verließ er das Zimmer, schlug den Vorhang zurück und trat ins Freie.
Draußen stand bestimmt das halbe Dorf versammelt, an der Spitze Ohtar und Finlass. Alle wirkten traurig, bedrückt und besorgt. Finlass sah seinen Sohn mit prüfendem Blick an. Aduial erwiderte den Blick. Für einen Moment hielt Finlass stand, dann sah er an ihm vorbei. Eigentlich war Finlass hart und unnachgiebig, was immer wieder zu Unstimmigkeiten und Meinungsverschiedenheiten geführt hatte. Dabei war Aduial stets der Unterlegene gewesen. Es hätte ihn mit Stolz erfüllt, wenn sein Vater seinen Blick vor ihm gesenkt hätte, doch er fühlte nichts als Leere. Ohtar war dies keinesfalls entgangen, so entschloss er sich, das Wort zu übernehmen: "Was hat sie dir gesagt?"
Doch Aduial schüttelte den Kopf. "Gerne würde ich ihre letzten Worte wiederholen, Bruder, doch ich kann nicht, da sie nur für meine Ohren bestimmt waren. Nur so viel: Ich werde fort gehen, und ich weiß nicht, ob ich wiederkehren werde."
Ein langes Schweigen entstand. Als Ohtar schließlich etwas darauf erwidern wollte, hob Finlass plötzlich den Kopf und schnitt ihm mit einer herrischen Bewegung das Wort ab. "Athial war meine Gemahlin. Sie war die Weise unter uns. Ich will erfahren, was sie dir gesagt hat."
Aduial schüttelte den Kopf und warf einen hilfesuchenden Blick in Ohtars Richtung. "Ich kann es dir nicht sagen."
Finlass nickte. "Du sagtest, du willst gehen? Schön, dann tu es. Gehe. Aber komm nie wieder. Wer sein Volk in dieser schweren Stunden allein lässt, der hat kein Recht, sich noch dazu zu zählen."
Seine Stimme klang hart wie eh und je. Doch jedes dieser Worte trafen Aduial wie einen Peitschenschlag. Wie betäubt stand er da, während Finlass an ihm vorbei in die Hütte ging, um Totenwache zu halten. Dabei würdigte er seinen jüngsten Sohn keinen einzigen Blick. "Geht zurück an eure Arbeit.", wies Ohtar die übrigen Elben, die noch etwas unschlüssig rumstanden, an. Dann nahm er Aduial am Arm und führte ihn einige Schritte weg, in einen ruhigen Winkel. "Vater meint es nicht so. Du weißt, wie sehr ihn der Verlust von Mutter getroffen hat. Ich bitte dich, seine törichten Worte zu verzeihen."
Aduial schüttelte erneut den Kopf. "Nein, Ohtar. Dein Verständnis für Vater in Ehren, doch er meint es genau so, wie er gesagt hat. Nicht mehr und nicht weniger." Dann straffte er die Schultern und fügte hinzu: "Aber das wird mich nicht davon abhalten. Ich werde gehen. Um ihred Willen."
Ohtar sah, dass es seinem Bruder ernst war mit dem, was er sagte. "Komm, ich helfe dir beim Packen."


Eine Stunde später hatte Aduial alles, was er brauchte, auf dem Rücken und in den Satteltaschen seines treuen Pferdes Gwairon verstaut. Aufmunternd tätschelte er noch einmal die Nüstern des Tieres, dann schwang er sich in den Sattel und ritt die Hauptstraße entlang. Das Dorf wirkte wie ausgestorben. Kein Laut drang zu ihm hin. Die übrigen Elben hatten sich in ihren Häusern verschanzt, nur einige wenige wagten einen Blick nach draußen.
Die Augen starr auf das halb geöffnete Tor gerichtet kümmerte er sich allerdings nicht darum. Sein Ziel war dort draußen, auch wenn Aduial noch nicht so recht wusste, was er nun als erstes unternehmen sollte. Die Welt außerhalb von Kheleandrà war nur den wenigsten Dunkelelben bekannt – die meisten hatten die schützenden Bäume seit ihrer Geburt nicht verlassen. Doch tief in seinem Herzen wusste er, dass er weg gehen musste. Vielleicht hatte sein Vater recht, vielleicht würde er nie wieder zurück kehren.
Aduial vertrieb die düsteren Gedanken, straffte die Schultern, tätschelte Gwairons Hals und sagte leise zu seinem Pferd: „Also dann, alter Junge – auf ins Abenteuer...“


Nebel wallte über den Boden, bedeckte das niedrige Gras und Gebüsch. Hier und da war ein Rascheln zu hören oder ein leises Scharren auf dem immer felsiger werdenden Untergrund.
Dies war der zweite Tag nach seinem Aufbruch. Aduial hatte Kheleandràs schützende Bäume am Spätnachmittag des vorherigen Tages hinter sich gelassen und war hinaus geritten auf die weite kahle Ebene, die den Wald umgab. Gegen Abend hatte er eine kurze Rast gemacht, um sich und Gwairon etwas Ruhe zu gönnen. Dann, als die Sonne hinter den Bergspitzen verschwunden war, hatte er sich wieder in den Sattel geschwungen und war weiter geritten. Gegen Mitternacht waren die ersten Bergspitzen des Nebelgebirges sichtbar geworden.
Aduial hatte beschlossen, am Fuße des Berges zu reiten, immer weiter nach Süden hinein. Anfänglich war sein Weg noch gekennzeichnet durch weite graue Ebenen und Steppen, auf denen das fahlgrüne Gras wie ein Meer wogte. Mit der Zeit wechselten sie sich immer stärker mit Fels und Gestein ab und waren nun fast verschwunden.
Fröstelnd zog Aduial seinen dünnen Umhang enger um die Schultern. Die Kälte nahm rasch zu und kroch unangenehm unter seine Kleidung. Mit klammen Fingern umfasste er die Zügel fester und sagte leise zu Gwairon: „Komm, mein Guter, noch ein Stück, dann rasten wir.“
Der Hengst schnaubte, zum Zeichen, dass er die Worte verstanden hatte. Gleichzeitig legte er die Ohren an und drückte dadurch ein leises Missbehagen gegen Aduials Entschluss aus. „Mir gefällt dieser Nebel auch nicht, aber wenn ich mir nicht irre ist dort hinten eine geschützte Stelle, ein Felsvorsprung, unter dem wir sicherer sind, als hier auf freiem Gelände.“
Gwairon wieherte leise, dann trabte er an. Angestrengt starrte Aduial in den Nebel, der mittlerweilen aufgestiegen war und sich von Moment zu Moment immer mehr verdichtete. Das unbehagliche Gefühl wurde mit jedem Schritt stärker. Auch sein braver Hengst schritt lange nicht mehr so sicher daher wie sonst. Immer öfter blieb er stehen und senkte den Kopf, um sich dann vorsichtig weiter zu tasten. Trotzdem hatten sie bald die steinerne Erhebung erreicht.
Aduial stieg ab und tätschelte Gwairons Hals. Dann führte er das Pferd unter den Felsen, der wie ein natürliches Dach hervorstach. Mit einer sicheren Handbewegung streifte er ihm das Halfter ab, griff in seine Tasche und holte eine handvoll Hafer hervor. „Das hast du dir redlich verdient.“
Zum Dank rieb Gwairon seine Nüstern an der Handfläche des Elben, dann fraß er den Hafer mit sichtlicher Zufriedenheit. Aduial machte sich an den Satteltaschen zu schaffen. Er hatte neben Decken und Vorräten auch ein kleines Paket Holz mitgenommen. Schnell baute er aus ein paar herumliegenden Steinen einen Kreis und schlichtete die Scheite auf. Es dauerte nicht lange, da wurde die neblige Dunkelheit von einem hellen, gelben Schein durchbrochen. Aduial setzte sich ans Feuer und hielt seine Hände dicht darüber. Langsam verschwand das starre Gefühl aus seinen Gliedmaßen und ihm wurde wärmer. Nur in seiner Brust fühlte er einen eisigen Knoten, der nicht verschwinden wollte, sondern sich noch stärker zusammenzog. In solchen Momenten der Einsamkeit dachte er besonders an Kheleandrà. Er sehnte sich nach Athial, nach Ohtar und sogar ein wenig nach seinem Vater Finlass. Trotzdem konnte er seine Worte nicht vergessen: „Gehe. Aber komm nie wieder. Wer sein Volk in dieser schweren Stunden allein lässt, der hat kein Recht, sich noch dazu zu zählen.“ Aduial lachte leise. „Weißt du was, Gwairon? Irgendwo hatte mein Vater recht. Ich bin kein richtiger Elb. Ich bin nicht einmal ein Dunkelelb. Ich bin gar nichts. Ein Ausgestoßener eines ausgestoßenen Volkes.“ Er seufzte. Dann saß er wieder bewegungslos da und starrte in die Flammen. Fast wäre er eingenickt, wenn ihn nicht plötzlich etwas an der Schulter angestupst hätte. „Was ist denn?“ Er blickte auf und sah den Hengst über ihm. Dieser hatte die Ohren gespitzt und sah ihn wachsam und unruhig an. Wieder stupste er seinen Herren an, diesmal stärker. Aduial stand auf. Dabei glitt ihm die Decke, die er sich umgehängt hatte, von den Schultern, doch es störte ihn nicht. Aufmerksam blickte in nach Süden. Zuerst glaubte er an eine Täuschung, doch dann sah er es: Im Nebel waren vage gelbe Punkte entstanden, die hin und her tanzten. Langsam kamen sie näher. „Wer kann das sein.“, flüsterte er.
Er trat ein paar Schritte zurück, bis er nahe beim Feuer stand. Dann griff nach unten und erwischte einen brennenden Zweig, den er als Fackel benutzte. Still verharrte er, während die Punkte nach und nach Gestalt annahmen. Stimmenfetzen wehten zu ihm herüber: „Was ist das?“
„Sieht wie ein Feuer aus...“
„Aber wer kann das sein?“
Aduial hielt den Atem an. Durch den feuchten, grauen Dunst waren die Stimmen verzerrt, so das er nicht erkennen konnte, wer da sprach. Es konnten Elben oder Menschen sein, aber auch Orks oder anderes finsteres Gesindel. „Hallo? Wer ist da? Hallo?“, ertönte die Stimme erneut.
Zu seiner Erleichterung konnte er wenig später eine hochgewachsene Gestalt mit hellem Haar erkennen. „Hier drüben!“, rief er halblaut und schwenkte die Fackel leicht.
Der Fremde trat aus dem Nebel in den Schein des Feuers. Endlich konnte Aduial richtig sehen, mit wem er es hier zu tun hatte. Der Unbekannte hatte langes blondes Haar, das im Feuer orange schimmerte. Seine Kleidung bestand aus einer dunkelgrauen eng geschnittenen Hose, hohen Schaftstiefel aus weißem Leder und einem weißen Hemd aus edlem Leinen und einer reich mit Silber bestickten hellgrauen Weste. Seine Gesichtszüge waren glatt und weich, was ihn sehr jugendlich wirken ließ, doch seine hellgrauen Augen strahlten ein unerforschtes Wissen aus. Der Feuerschein schien seine Gestalt einzuhüllen und ihn von innen her strahlen zu lassen. Plötzlich kam sich Aduial seltsam klein und unbedeutend vor. Hilflos stand er da, in der rechten Hand die Fackel, und starrte den Elben an. Dieser lächelte, kreuzte die Hände auf der Brust und sagte: „Alae, mellon er Galadrim.“ * Dann sprach er in allgemeinen Westron weiter: „Meine Begleiter und ich haben uns im Nebel verirrt und erbitten Euch, Euer Lager mit uns zu teilen.“
„Es ist mir eine Freude...“, brachte Aduial stockend heraus.
Noch immer schlug ihn das Auftreten des Elben in den Bann. Jetzt winkte er, rief ein paar Worte, die Aduial nicht verstand und sagte: „Wir wollen Euch nicht zur Last fallen...“
„Nein nein, das tut Ihr nicht.“, unterbrach ihn Aduial hastig.
Mittlerweilen waren die anderen Elben näher getreten. Auch sie waren hochgewachsen und hellhaarig, und ihre Kleidung sah ähnlich aus wie die des ersten, nur nicht ganz so prachtvoll. Anscheinend war der Erste ihr Anführer. Noch immer stand Aduial wie angewurzelt und musterte die Gruppe staunend, als eine Stimme seine Gedanken unterbrach. „Sieh an – ein Dunkelelb. Jetzt verlässt sogar schon dieses verdammte Pack sein dreckiges Land und kommt hier her...“
Einer der Elben hatte gesprochen. Er war etwas kleiner als die anderen und anscheinend der jüngste. Sein Haar war strohblond und seine Augen so blau wie der Sommerhimmel. Ohne es zu merken hatte Aduial die Fackel stärker umklammert. Ein dunkler Schatten hatte sich über seine Augen gelegt, als er den Elb anblickte. Dieser erwiderte seinen Blick spöttisch. Schon setzte er zu einer weiteren provozierenden Erwiderung an, da schnitt ihm der Anführer mit einer raschen Bewegung das Wort ab. „Sei still, Urui. Ich erbat Gastfreundschaft, und die habe ich bekommen, also sollten wir uns auch wie Gäste benehmen und ihm Dank erweisen.“
Seine Augen funkelten. „Verzeih Uruis törichte Worte. Ich bin Galwen, und das sind Urui, Magol und Gwaloth. Wir befinden uns auf der Durchreise und sind anscheinend vom Weg abgekommen. Wir wollen Euch wirklich keine Schwierigkeiten bereiten.“
„Nein, das tut Ihr nicht.“, erwiderte Aduial ruhig.
Er rang sich sogar zu einem Lächeln durch und wies auf das Feuer und den Platz drumrum. „Ruht Euch aus, ich versorge derweilen Eure Pferde...“
„Magol!“
Magol, ein Elb mit etwas dunklerem Haar und schmalgeschnittenen Augen stieg ab, führte die Pferde zur Seite und begann sie zu versorgen. Galwen und die anderen nahmen am Feuer Platz. „Magol wird die Pferde versorgen. Setzt Euch doch zu mir... ähm... “, sagte er und deutete auf die freie Stelle neben ihm.
„Aduial. Mein Name ist Aduial.“
„Aduial... bitte fasst es nicht als Beleidigung auf, aber seid Ihr wirklich ein Dunkelelb?“, erkundigte sich Galwen freundlich.
„Ja, ich bin ein Dunkelelb.“
Aduial hatte Galwen nicht direkt angeschaut, sondern hatte aus den Augenwinkeln Urui beobachtet. Die Augen des Elben blitzten seltsam, aber er schwieg.
„Woher kommt Ihr?“
„Aus Kheleandrà...“, antwortete Aduial, „...aus Angmar“, fügte er mutig noch hinzu.
Es entging ihm nicht, das Galwen leicht zusammenzuckte, doch er Elb hatte sich schnell wieder gefangen. Rasch wechselte er das Thema: „Was führt Euch von eurer Heimat fort, Aduial?“
„Ich habe einen Auftrag... es hat sich da etwas zugetragen... etwas für das wir auch keine Erklärung haben...“, antwortete er zaudernd.
Sein Gegenüber schien jedoch zu verstehen, was er meinte, denn er erwiderte: „Ich denke, ich weiß wovon Ihr sprecht. Es gehen Veränderungen im Lande vor sich, die sich nicht erklären lassen. Die Völker werden sich fremd.“
Galwen schaute gedankenverloren ins Feuer. „Missgunst und Hochmut sind häufige Auslöser dafür. Früher wurde jeder geachtet, auch wenn er von einem anderen Volk kam.“
Bei diesen Worten streifte sein Blick wie zufällig Urui. Dieser hielt dem Blick Galwens kurz stand, dann sah er wieder weg. „Und doch sollten wir an den Vergehen nicht hängen bleiben. Ist es nicht ein Anfang wenn wir lernen, zu verzeihen?“
„Ihr seid sehr weise, Galwen.“, flüsterte Aduial so leise, das man die Worte kaum verstand.
Galwen lachte laut. „Oh nein, Aduial, ich bin nicht weniger weise als Ihr. Es ist nichts weiteres als eine Ansicht, die ich hier vertrete.“ Er schüttelte den Kopf. „Aber genug davon. Ihr sagtet, Ihr habt einen Auftrag. Erzählt mir davon.“
Langsam fasste Aduial Vertrauen zu den Elben. Er erzählte von dem Tod seiner Mutter und seinem Entschluss, wegzugehen. Allerdings verschwieg er ihre letzten Worte und das, was sie ihm über den Schatten verraten hatte. Galwen war weise, aber auch hier war das gegenseitige Misstrauen schon zu spüren und Aduial hielt es für klüger, sich zurück zu halten.
Als er geendet hatte schwiegen die Elben sehr lange. Schließlich ergriff Galwen das Wort: „Das ist eine ergreifende Geschichte. Euer bisheriges Leben war sehr bewegt, Aduial, Finlass Sohn, und auch euer zukünftiges wird es sein. Das verspreche ich Euch.“
Aduial schwieg und dachte über die Worte nach. Lange Zeit sagte niemand ein Wort. Später erkundigte sich Aduial, was sie denn in diese Gegend, so weit abseits von den Zentren Mittelerdes, verschlagen hatte. Nun erfuhr er in einem ausführlichen Bericht, dass sich die kleine Gruppe der Elben im Auftrag von Fürst Celeborn und Fürstin Galadriel, den Herrschern von Lothlorien, aufgemacht hatten, um mit den Zwergen vom Eisernen Berg den Friedensvertrag zu festigen und zu verlängern. Je weiter sie jedoch nach Norden gekommen waren, desto abweisender waren die Menschen, Elben und alle anderen Bewohner dieser Gegenden geworden. „Ich versichere Euch, Aduial, Ihr seid der weitaus Ehrbarste und Freundlichste, dem wir auf unserer Reise begegnet sind.“
Aduial ging nicht weiter auf das Kompliment ein, sondern wollte stattdessen mehr über Lothlorien, Galadriel, Celeborn, den Eisernen Berg und die Zwerge erfahren. Nicht lange und er hockte starr am Feuer, die Knie angezogen, den Kopf in die Hände gestützt und lauschte andächtig. „Über Lothlorien lässt sich nicht viel sagen. Es ist zu prächtig und zu eindrucksvoll, um es mit Worten beschreiben zu können.“ Ein träumerischer Ausdruck trat in seine Augen. „Die Bäume sind hoch, so hoch, das man die Kronen manchmal nur entfernt erahnen kann. Die Stämme sind glatt und hell, und das Laub funkelt wie reines Gold. Im Sommer wie im Winter tragen sie Laub, nur im Frühjahr werfen sie es ab, um neues zu treiben. Dann glänzen nicht nur die Bäume sondern auch der Boden. Es ist, als würde man durch einen reichen Traum wandeln. Stetig rauscht der leise Wind und des Baches Rauschen ist wie ein nie enden wollendes Lied, ein stetiger Strom, der Geschichten aus aller Welt erzählt.“
Mitternacht war weit überschritten, das Feuer fast heruntergebrannt, als sie sich endlich zur Ruhe legten. In dieser Nacht träumte Aduial von hohen, goldenen Bäumen und Städten aus filigranem Silber, die sich weit über die Bäume erstreckten. Und eine wunderschöne Elbe in königlichen Gewändern, mit langem blonden Haar und sanften Augen lächelte ihm zu.
Als er am nächsten Morgen erwachte musste er feststellen, dass er alleine war. Zuerst glaubte er, dass seine Begegnung letzte Nacht nur ein Traum war, doch dann entdeckte er die Spuren der Pferdehufen. Galwen und seine Leute mussten noch vor Morgengrauen aufgebrochen sein.
Aduial aß schnell ein paar Bissen Brot, dann verwischte er die Spuren des Feuers, packte seine Sachen zusammen, zäumte Gwairon auf und ritt wenig später in den jungen Morgen hinein.


* Sei gegrüßt, Freund des Baumvolkes

(Ramona)