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Der Roman „Angmar“
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Der Untergang Númenors
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Zeittafel




Abenddämmerung



5. Kapitel

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Schon von Weitem hörte Aduial die Musik, die die warme Abendluft mit ihrem Klang erfüllte. Er folgte ihr und fand bald das Speisezimmer. Zimmer war der falsche Ausdruck – es glich eher einem Saal. Die Decke war hoch und verschwand in der Düsternis. Eine der vier Wände wurde von einem breiten Kamin eingenommen, in dem das Feuer bereits loderte. Fackeln an den Wänden und silberne Schalen, in denen ebenfalls Feuer brannte, sorgten für weiteres Licht. In der Mitte standen zwei lange hölzerne Tische an denen bereits Dutzende von Elben ihren Platz gefunden hatten. Aduial wunderte sich ein wenig. Asgar hatte davon gesprochen, dass es hier in Bruchtal noch ein paar Elben gab, doch diese hier waren weit mehr als ein paar. Manche standen auch in kleinen Gruppen vor dem Kamin oder den mit Feuer gefüllten Schalen, lachten, schwatzten und amüsierten sich. Einige hatten Instrumente dabei und gaben ihr Können zum Besten. Dies hier hatte nichts mit der Gemeinschaft zu tun, die Aduial kennen gelernt hatte. In seinem Heimatdorf half man allen und jeden so gut es ging in schlechten Zeiten, ansonsten blieb man gerne unter sich. Zwar kannte man jeden und es wurde auch gemunkelt, wenn etwas Ungewöhnliches geschah, was aber kaum der Fall war, aber am besten war es über die Angelegenheiten anderer und nicht über die eigenen. Hier dagegen war die Stimmung ausgelassen, man sprach offen über alles Mögliche, ohne auch nur etwas verbergen zu wollen. Zaudernd ging er ein paar Schritte weiter. Obwohl er fast die selbe Kleidung trug wie alle anderen merkte er trotzdem, dass er auffiel. Hier und da wurde das Tuscheln etwas heimlicher, hinter seinem Rücken warf man ihm neugierige Blicke zu. Zu seiner eigenen Unruhe spürte Aduial auch einige feindselige Blicke. Er überlegte, ob es tatsächlich eine gute Idee gewesen war, hier her zu kommen, da hörte er schon eine ihm vertraute Stimme: „Aduial!“
Er reckte sich ein wenig und warf einen Blick durch den Saal. Am Kopfende eines Tisches entdeckte er Sinda, die ihm aufgeregt winkte. Sie hatte ihr Gewand gegen ein weißes, knöchellanges Kleid getauscht. Im Schein des Feuers schimmerte es in allen möglichen Farben und Farbfacetten. Ihr helles Haar hatte sie so gut es ging hoch gesteckt. Es wurde von einer weißen Spange in Blütenform gehalten. Neben ihr saß Asgar. Auch er hatte seine Kleidung gewechselt und trug nun ein weites, spitzenbesetztes Hemd und eine rotbraune Lederhose, dazu eine bestickte Weste in der gleichen Farbe. Obwohl er lächelte, blickten seine Augen doch unnatürlich kalt. Ein Schauer jagte über Aduials Rücken. Es war seltsam, aber ihm behagte Asgars Anwesenheit nicht.
Neben Sinda erkannte er zwei weitere Elben, die sich ebenfalls von den anderen Gästen unterschieden. Beide hatten sehr langes dunkles Haar und graue Augen. Der eine trug eine lange, dunkelblaue Robe, die mit silbernen Muster bestickt und verziert war, der andere, anscheinend der jüngere von beiden, eine dunkelrote mit goldenen Verzierungen. Beide machten einen erhabenen und strengen Eindruck. Als Aduial näher trat, lächelten sie aber ebenfalls und nickten ihm leicht zu. „Das hier sind Herr Elrohir und Herr Elladan, die ehrenwerten Söhne von Herrn Elrond“, stellte Sinda die beiden vor.
Aduial wusste nicht so recht, wie er sie grüßen sollte, darum verbeugte er sich einfach tief.
„Mae govannen die mîn adab Imladris, rhandir“*, erwiderte der rechte, Elladan, auf seine Verbeugung.
„Seid herzlich willkommen“, wiederholte Elrohir noch einmal.
„Danke.“
„Setz dich doch.“ Sinda nahm ihm beim Arm und führte ihn zu dem freien Platz, der ihr gegenüberlag.
„Guten Abend, Asgar“, grüßte er den Elb.
Asgar nickte zurück. Aduial versuchte, Asgar anzusehen, doch er schafft es nicht, seinem Blick standzuhalten. Ein Gefühl von Unbehagen und Wachsamkeit beschlich ihn. Wieder musste er an den Schatten denken. Er beschloss, aufmerksam zu bleiben. Erst jetzt fielen ihm auch die versteckten Blicke auf, die die Elben in unmittelbarer Umgebung auf ihn warfen. Diese Blicke waren wie die Asgars, abweisend und kalt. Und irgendwie gleichgültig. Je länger sich Aduial darauf konzentrierte, desto öfter fiel ihm auf, dass einige der Anwesenden ihn gar nicht zu bemerken schienen. Zwar sahen sie zu ihm hin, doch es war, als würden sie ihn gar nicht wahrnehmen. Elrohir schien seine stetig wachsende Ungeduld zu bemerken, denn er meinte: „Fürchtet die Blicke nicht, Aduial. Es ist, weil Ihr... anders seid. Viele, die hier leben, haben kaum Auswärtige wie Euch gesehen. Es tut mir leid, das sagen zu müssen, aber man fürchtet Euresgleichen in diesen Landen. Besonders nach den Zeiten des Ringkrieges, die momentan noch sehr unruhig sind.“
„Viele sind noch immer ins Sorge um die Zukunft. Sie fürchten, eine ähnliche Schreckensherrschaft wie die Saurons könne erneut aufkommen“, warf Elladan dazwischen.
Aduial nickte leicht, sagte jedoch nichts dazu. Nein, es ist nicht wie die Herrschaft Saurons, dachte er. Es ist schlimmer. Gerne wollte er Elladans und Elrohirs Entschuldigungen glauben, aber vielleicht war er der einzige, der die Wahrheit wusste. Diese Erkenntnis machte ihn jedoch nicht stolz, ganz im Gegenteil – er fühlte sich eher allein und machtlos.
In den folgenden Stunden fragten ihn die Brüder über seine Herkunft, sein bisheriges Leben und seine Reisegründe aus. Geduldig beantwortete er alle Fragen. Nur bei der Frage nach dem Grund seiner Reise wich er aus. Aduial hätte sein schreckliches Geheimnis gerne mit jemanden geteilt, doch er spürte, dass die Zeit dazu noch nicht reif war. Ab und zu blickte er verstohlen zu Sinda, die gebannt an seinen Lippen hing. Es tat ihm leid, auch ihr die Wahrheit zu verschweigen, doch er konnte nicht anders. Immer öfter fing er auch Asgars Blicke auf, die dieser immer wieder in seine Richtung warf. Erwiderte Aduial durch Zufall einen dieser Blicke, wandte er sich schnell ab und tat so, als würde er sich mit seinem Nachbarn, einem hoch gewachsenen, dunkelblonden Elben reden. Auch die Blicke des Elben streiften Aduial des öfteren, aber in ihnen lag keine Feindseligkeit, sondern nur höfliches Interesse.
Die Nacht war bereits fortgeschritten. Aduial fühlte sich müde und erschöpft. Auch spürte er ein leichtes Stechen in der Schulter. Er hatte nicht viel gegessen und auch den Wein kaum angerührt. Die meiste Zeit hatte er von seiner Heimat erzählt, doch nun war er den Gesprächen müde. Darum wandte er sich an Elladan: „Verzeiht mir, Ihr Herren von Bruchtal, doch ich würde mich gerne zurückziehen, wenn Ihr erlaubt.“
„Ja, ruht Euch aus, Aduial. Ich hoffe Ihr entschuldigt unser Benehmen, Euch gleich am ersten Tag Eurer Genesung so mit Fragen gelöchert zu haben.“
Aduial nickte dankbar. Dann stand er auf und verabschiedete sich, indem er die Hände auf der Brust kreuzte und sich verbeugte. Elladan und Elrohir erwiderten diesen Gruß. Auch Sinda verbeugte sich kurz, dann stand sie ebenfalls auf. „Ich werde ihn auf sein Zimmer begleiten.“
„In Ordnung, Sinda.“
Lächelnd nahm Sinda Aduial am Arm und führte ihn aus der Halle. Als Aduial sich noch einmal kurz umdrehte, sah er Asgar kurz an. Ein Schauer lief ihm über den Rücken. Die Feindseligkeit, die der Elb ihm mit einem Mal entgegenbrachte, hatte sich in blanken Hass gewandelt und schlug ihm nun offen entgegen. Sinda schien davon nichts zu merken, denn sie zog ihn einfach weiter.
Draußen auf dem Gang waren die Geräusche nur noch gedämpft und verklangen bald, je weiter sie sich entfernten. Bald waren nur noch ihre Schritte auf dem steinernen Boden zu hören. Schweigend gingen sie nebeneinander her, jeder in seine eigenen Gedanken versunken. Noch immer spürte der Dunkelelb die Blicke in seinem Rücken. Er schaffte es einfach nicht, sie zu vertreiben. Im Vorbeigehen sah er durch die hohen Fenster, die den Gang auf einer Seite in regelmäßigen Abständen unterbrachen. Der Nachthimmel wirkte wie ein großes blauschwarzes Samttuch, auf dem jemand silbernen Staub verteilt hatte. Die Sterne schienen um die Wette zu funkeln. Auch der Mond stand groß und voll am Himmel. Aduial spürte, wie sein Herz schwer wurde. Seit jeher hatte er den Anblick der Sterne am meisten geliebt und jedes Mal beim Betrachten eine tiefe Wehmut empfunden. Auch heute erging es ihm nicht anders. Sein Blick hing am Himmel, so dass er fast an seiner Zimmertür vorbeigelaufen wäre, hätte Sinda ihn nicht darauf aufmerksam gemacht.
„Aduial...“
„Oh, entschuldige, ich war in Gedanken.“ Er lächelte sie an.
Der bleiche Mond warf sein milchig weißes Licht auf ihr Gesicht und ließ es strahlen. Ihre Haut sah aus wie Samt, ihre Augen waren groß und dunkel. Auch ihre roten Lippen wirkten dunkler. Das blonde Haar, das ihr Gesicht einrahmte, schimmerte fast weiß. Ohne dass er etwas dagegen machen konnte, versank er in ihrem Blick, tauchte ein in die unergründlichen Tiefen ihrer wunderschönen Augen. Für einen kurzen Moment kam es ihm vor, als würde er direkt auf den Grund ihrer Seele blicken. Einem unwiderstehlichem Drang folgend streckte er die Hand aus, um ihr Gesicht zu berühren, ihre weiche Haut und ihr Haar zu spüren. Doch auf halben Weg verharrte er. Nein, er durfte sie nicht anfassen. Tief in seinem Herzen spürte er, dass er sie damit in große Gefahr bringen würde. Er wollte und durfte sie nicht in seine Mission hineinziehen. Ruckartig riss er sich von ihr los, drehte sich um und ging ins Zimmer.
Auch Sinda blinzelte nun und blickte ihm ein wenig verwirrt nach. „Aduial...“
„Gute Nacht, Sinda“ Schnell warf er die Tür zu und ließ die Elbe einfach im Gang stehen.
Im Inneren des Zimmers lehnte er sich an die Tür und atmete tief durch. Es tat ihm leid, ihr das antun zu müssen, aber immerhin, er hatte keine Wahl. Deutlich spürte Aduial dass seine Gefühle für Sinda tiefer gingen als nur Freundschaft oder Vertrauen. Ja, er war dabei, sich in die junge Elbe zu verlieben. Bei diesem Gedanken musste er innerlich lachen. Konnte jemand wie er so etwas wie Liebe überhaupt empfinden?
„Es entspricht nicht unbedingt dem guten Ton, eine Dame vor der Tür einfach stehen zu lassen...“
Augenblicklich versteifte sich Aduial. Auf dem Bett hockte eine Gestalt, die nun aufstand und ins Mondlicht trat. Im selben Moment erkannte er den Elb, der beim Abendessen neben Asgar gesessen war. Breitbeinig stand er nun vor ihm. Obwohl Aduial selbst nicht klein war überragte ihn sein Gegenüber um gut einen halben Kopf.
„Was wollt Ihr hier?“, fragte er argwöhnisch, während er sich schon überlegte wie er schnell zu dem Stuhl kam auf dem sein Gürtel und der Dolch lagen.
„Ich möchte mich mit Euch unterhalten. Und wenn Ihr das hier sucht“, er wog den Dolch in seiner Hand, „dann möchte ich Euch gleich sagen, dass ich keine bösen Absichten verfolge. Ihr werdet diese Waffe hier und jetzt nicht brauchen.“
Aduial holte hörbar Luft. Entweder der Fremde hatte damit gerechnet, dass er zu seinen Waffen greifen würde, oder er war ein Hellseher. Auf jeden Fall war er Aduial im Moment überlegen. Diesem blieb nichts anderes übrig, als auf seine Waffe zu verzichten und zu hoffen, dass der Elb ihn tatsächlich in ‚guter’ Absicht aufgesucht hatte. Also löste er sich von der Tür, zündete ein paar Kerzen, die auf dem kleinen Tisch standen, an, um etwas mehr Licht zu schaffen und ließ sich aufs Bett sinken.
„Na bitte.“ Der Elb legte den Dolch wieder dahin zurück, wo er schon vorher gelegen hatte. Dann setzte er sich gegenüber von Aduial auf einen Stuhl und blickte ihn offen an. „Ich bin Laurelim, Landirs Sohn, aus dem westlichen Düsterwald. Einst zog ich mit meinen Brüdern und Freunden in die Schlacht gegen Sauron. Alle fielen früher oder später, ehe der Ring vernichtet wurde, nur ich überlebte. Seitdem bin ich hier und habe versucht, meinen Frieden zu finden.“, begann er zu erzählen. „Doch als ich Euch heute sah, wusste ich, dass Ihr jemand besonderes seid. Auch Ihr befindet Euch auf einer Mission, nicht wahr, Aduial?“
Aduial nickte langsam. Langsam fasste er Vertrauen zu diesem merkwürdigen Laurelim. Dieser fuhr nun fort: „Ihr seid nicht der einzige, der um die Bedrohung weiß. Auch ich spüre es, schon seit langem: Etwas nähert sich, lautlos, schleichend. Und es ist schlimmer als Sauron oder Morgoth und Ungoliath.“
„Ja, das ist wahr...“ Aduial konnte nicht mehr an sich halten. Zu lange hatte er die letzten Worte seiner Mutter unter Verschluss gehalten. Nun sprudelte es geradezu aus ihm heraus, als er Laurelim alles erzählte. „Es ist das Vergessen, Laurelim. Das leere Nichts.“
Laurelim schien immer aufgeregter zu werden. „Aber wenn das wahr ist... wenn du recht hast...“ Er vergaß sogar die höfliche Form, in der er Aduial zuerst angeredet hatte. Dann beruhigte er sich rasch wieder und lächelte sogar ein wenig verlegen. „Entschuldige. Ich reagiere wohl zu eifrig.“ Dann wurde er wieder ernst. „Weißt du, warum man Euch Dunkelelben so hasst?“, fragte er plötzlich.
„Nein, ich weiß es nicht.“, gab Aduial ehrlich zurück. „Ich habe gehört, dass viele glauben, wir haben den Dunklen Herrscher im Krieg unterstützt und auf seiner Seite gekämpft, aber das ist schon alles.“
„Ja, dass mag ein Grund sein. Aber es gibt noch einen weiteren. Viele glauben, dass ihr der Quell allen Übels seid. Am Anfang waren die Elben geeint, doch später spalteten sie sich auf. Viele zogen nach Valinor, in das Licht, zu den Bäumen. Ein geringer Teil blieb zurück. Die Moriquendi, weil sie unschlüssig waren, aber auch die Avari, die sich von Anfang an weigerten, die Reise auf sich zu nehmen. Sie blieben unter den Sternen, in der Dunkelheit. Später dann, als viele der anderen zurückkehrten, erblickten sie hässliche, verzerrte und grausame Kreaturen. Orks. Es wurde angenommen, dass dies in Wirklichkeit verwilderte, gefolterte und verstümmelte Avari waren, die der Dunkle Herrscher so lang quälte, bis sie zu einer entstellten und nach Rache dürstenden Lebensform wurden. Sie vermehrten sich rasend, schon bald wurde Mittelerde von einer wahren Welle überschwemmt, die nichts als Chaos und Zerstörung hinterließ. Die Elben und Menschen begannen, die Dunkelelben zu verachten und zu verjagen. Bis heute sitzt die Angst vor ihnen tief. Dies ist der Grund, warum sie auch noch heute verfolgt werden.“
Aduial hatte Laurelim kein einziges Mal unterbrochen, aber er spürte, wie sich in seiner Brust ein eisiger Knoten bildete. „Ist das wahr?“, fragte er leise.
Laurelim nickte, dann schüttelte er den Kopf. „Das ist alles, was man sich über sie erzählt. Die meisten haben sie vergessen.“
Beim letzten Satz schreckte Aduial zusammen. Laurelim hatte es einfach so herausgesagt, ohne große Betonung auf die Worte, trotzdem schienen sie von einer düsteren Resonanz unterlegt zu sein. Die Stille, die anschließend folgte, kam Aduial lang und unerträglich vor. Er wollte etwas sagen, diese ganzen Vorwürfe abweisen, doch er konnte nichts darauf erwidern. Tief in seinem Herzen wusste er, das Laurelim die Wahrheit sprach.
Plötzlich sprang der Elb auf und warf seinen Umhang zurück. Erst jetzt sah Aduial das kurze Schwert, das er an der Seite trug. Laurelims Hand zuckte hoch und umklammerte den Knauf des Schwertgriffes. „Wir sind nicht alleine...“, flüsterte er.
Schnell schnappte sich Aduial den Dolch und zog ihn ein Stück aus der Scheide. Die Klinge glänzte silbern. Kein Blau. Es war also kein Ork oder etwas ähnliches. Laurelim löschte die Kerzen, in dem er die Flamme mit den Fingern einfach ausdrückte. Dann wartete er ab. Auch Aduial stand komplett still. Neben sich hörte er das gepresste Atmen des Elben in der Dunkelheit. Und dann das Lachen. Ein gedämpftes, kaltes Lachen, das ihn zum Frösteln brachte. Er umklammerte den Dolch mittlerweilen so fest, dass seine Fingerknöchel weiß hervortraten.
„Du willst sie, aber du wirst sie nicht bekommen...“
Er kannte diese Stimme. „Asgar?“, fragte er vorsichtig.
Wieder dieses Auflachen. „Ja, ich bin es.“
Tatsächlich trat Asgar aus dem Schatten in das Mondlicht, das durch die Fenster fiel, so dass sie ihn sehen konnten. Sein Gesicht war nicht mehr so freundlich wie am Tag, stattdessen ähnelte es einer verzerrten Fratze. In der rechten Hand hielt er ebenfalls eine Waffe, ein kunstvoll geschmiedetes Schwert mit kostbar verziertem Griff und einer schmalen silbernen Klinge, die nun gefährlich aufblitzte. „Du wirst sie nicht bekommen...“, wiederholte er noch einmal.
„Wen bekommen?“, erkundigte sich Aduial ruhig. Nach außenhin bewarte er seine Unerschütterlichkeit, aber innerlich war er ziemlich aufgewühlt.
„Ich spreche von meiner Schwester Sinda. Glaubst du, ich wäre blind? Ich sehe sehr wohl, wie du sie mit deinen gierigen Blicken geradezu verschlingst. Du willst sie zu einer Braut der Dunkelheit machen, aber das lasse ich nicht zu, Morgoth, niemals.“ Mit einem bösen Lächeln hob er das Schwert. „Darum stirb!“
Ehe Aduial sich versah sprang Asgar mit erhobener Waffe auf ihn zu...
*Sei gegrüßt in unserem Hause Bruchtal, Wanderer.

(Ramona)