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Der Roman „Angmar“
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Der Untergang Númenors
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Zeittafel




Abenddämmerung



7. Kapitel

Zum tänzelnden Pony


Am Abend des dritten Tages erreichten sie den Ort Bree. Schon von weitem sahen sie die Lichter der Stadt, die in der heraufziehenden Dunkelheit aufflammten. Ehe sie den Wald, durch den sie geritten waren, verließen, hielt Laurelim Alfiriel noch einmal an und drehte sich zu seinen Gefährten um. „Ich würde vorschlagen, die Nacht hier zu verbringen. Es hätte keinen Sinn, in der Dunkelheit weiter zu reiten, zumal sogar mir diese Gegend hier weitgehend unbekannt ist. Wer weiß, was uns für Gefahren erwarten.“
Aduial und Sinda stimmten zu. Gemeinsam ritten sie langsam an das wuchtige Holztor heran. Laurelim reckte sich ein wenig und klopfte dagegen. „Was ist?“
Mit einem scharrenden Geräusch öffnete sich eine Luke in der Tür. Ein altes, von Runzeln durchzogenes, wettergegerbtes Gesicht schaute ihnen entgegen. Zottiges weißes Haar, das strähnig unter der Kapuze hervorschaute, umrahmten es. Die Augen des Mannes waren zusammengekniffen, so dass sie vollkommen im Schatten lagen. Tief in den Höhlen jedoch glitzerte es wachsam und vor allem misstrauisch. Er bewachte das Tor schon so lange, dass er aufgehört hatte, die Jahre zu zählen. Viele Leute gingen Tag aus Tag ein hier hindurch, doch in der Nacht war er vorsichtig. Übles Gesindel trieb sich hier herum. Vor allem fremden Reitern hatte er gelernt, zu misstrauen, seit einem Vorfall vor vielen Jahren.
Laurelim beugte sich hinunter, so dass der alte Mann ihn sehen konnte, und sprach: „Wir sind reisende Elben, die von Bruchtal kommen und um Einlass bitten.“
„Elben?“, brummte der Alte. Er hielt seine Laterne noch etwas höher. „Tatsächlich, ein Elb. Hab hier schon seit Jahren keine mehr gesehen. Seien alle fort, sagt man. Anscheinend doch nicht,“ murmelte er, während er sich am Tor zu schaffen machte.
Wenige Sekunden später schwang das schwere Tor nach innen und Laurelim ritt hindurch, dicht gefolgt von Aduial und Sinda. „Entschuldigt, die Herren, ich wollte keinesfalls unfreundlich sein. Aber man muss Obacht geben, vor allem in der Nacht...“
Bei diesen Worten musterte er sie scharf. Unwillkürlich zog Aduial seinen Umhang noch etwas fester um sich. Ihm behagten die Blick des Alten gar nicht. Schließlich musste ihn nicht gleich jeder als Dunkelelb erkennen, zumal ihm die Worte Laurelims wieder einfielen: „Viele glauben, dass ihr der Quell allen Übels seid. Die Elben und Menschen begannen, die Dunkelelben zu verachten und zu verjagen. Bis heute sitzt die Angst vor ihnen tief.“ Zu seiner Erleichterung warf ihm der Mann aber nur einen kurzen Blick zu, bis er sich wieder abwandte und in sein Pförtnerhäuschen zurückging.
Trotz der späten Stunde herrschte noch immer reges Leben auf der Straße. Fast vergaß Aduial seine Bedenken, als er den bunten Haufen sah, der sich ihm präsentierte. Menschen, Zwerge und viele weitere, merkwürdig anmutende Wesen aller Klassen und Schichten bewegten sich hier in diesem lebhaften Treiben. Von Bettlern, die in Lumpen gehüllt an den Hausecken hockten und auf ein paar Groschen hofften bis hin zu den gehobenen Bürgern und Kaufleuten war hier alles vertreten. Mit einem leisen Staunen besah sich Aduial die grobschlächtigen, in lederne und metallene Rüstungen gekleidete Zwerge, die einem normalen Menschen gerade mal bis über die Hüfte gingen. In ihren breiten Gürteln steckten kurzstielige Äxte, deren breite Schneideblätter sogar in der Dunkelheit glänzten. Alle trugen Bärte; manche hatten sie zu mehreren kleinen oder einem dicken Zopf geflochten, andere wiederum trugen sie offen.
Auch den einen oder andren ‚Halbling’ bekam er zu Gesicht. Diese Geschöpfe waren noch verwunderlicher als Zwerge. Zwar waren sie kleiner, machten jedoch keinen finsteren und kämpferischen Eindruck. Vielmehr schienen sie nach der Gemütlichkeit zu leben. Sie waren klein und stämmig, dennoch flink und geschickt. Sie trugen einfache Kleidung, jedoch keine Schuhe. Pelziges Haar bedeckte ihre Füße und schützte sie so vor Kälte und Nässe. Auch ihre Gesichter waren rund und gerötet und nicht wenige pfiffen fröhlich vor sich hin. Am vielfältigsten jedoch waren die Menschen. Aduial mochte sie gar nicht erst einzuteilen, dazu war jeder einzelne zu verschieden.
Schon von weitem sah er das Wirtshausschild, auf dem ein dickes, weißes Pony abgebildet war, das auf den Hinterbeinen stand und fröhlich grinste. „Zum tänzelnden Pony“ stand darunter, mit weißer Farbe geschrieben, die langsam abblätterte. Laurelim hielt genau darauf zu. Vor der Tür stiegen sie ab und banden die Pferde an. Sindas Blick wanderte ein wenig kritisch an der Hausfront entlang. Sie schien nicht recht begeistert zu sein über die Tatsache, dass sie in diesem Gasthaus die Nacht überdauern sollten. „Keine Sorge, ich kenne den Wirt von früher, auch, wenn er sich wahrscheinlich nicht mehr an mich erinnern kann.“ Laurelim grinste. „Der gute Gerstenmann Butterblume ist leider ziemlich vergesslich.“
Schwungvoll stieß er die Tür zur Schenke auf. Licht strömte heraus und fiel für einen kurzen Moment auf die ausgetretene Türschwelle. Aduial fühlte die Wärme des Kaminfeuers auf seiner kalten Kleidung und roch den intensiven Geruch von Tabak und Rauch, Bier und brennendem Holz. Das Gasthaus war gut besucht; viele Leute saßen am Feuer zusammen und lauschten einem grobschlächtigen Zwerg, der Geschichten zu erzählen schien. In einer anderen Ecke gab einer ein Lied zum besten. Die umstehenden johlten und klatschten und schienen sehr guter Dinge zu sein. Alles wirkte ausgeglichen und zufrieden. Trotzdem entgingen Aduial auch hier die misstrauischen Blicke nicht, die ihnen zugeworfen worden. Einige Augenpaare wandten sich ihnen interessiert zu, und es waren nicht nur neugierige. In einem einzelnen Tisch entdeckte er einen nicht gerade vertrauensseligen Burschen, der schon direkt zu ihnen hinüber stierte. Sein schwarzes, fettiges Haar wurde bereits von helleren, grauen Strähnen durchzogen. Der Großteil seines Gesichts wurde von einem ungepflegten Vollbart bedeckt. Seine Kleidung war ebenso speckig wie sein Haar und sah abgerissen und zerlumpt aus. Sie schienen wie eine Fahne um seinen dürren, schmächtigen Körper zu wehen, wenn er sich ein wenig bewegte. Sein Blick wanderte zu Laurelim, den er von Kopf bis Fuß musterte. Dann schwirrten seine Augen zu Sinda, die ebenfalls eingehend untersucht wurde. Zu letzt blieb er an Aduial hängen und saugte sich an der Gestalt des Dunkelelben fest. Krampfhaft versuchte er, sich nichts anmerken zu lassen. Der Fremde betrachtete ihn länger und eingehender als die anderen beiden, bis er schließlich von ihm abließ. Aduial wollte innerlich schon aufatmen, doch dann rief er sich zur Vernunft. Schließlich war die Gefahr keinesfalls gebannt. Zu viele weitere Blicke ruhten auf ihm, und sie ließen auch nicht von ihm ab, als er Laurelim und Sinda quer durch den Raum folgte. „He, Gerstenmann Butterblume!“
Ein Mann, der einen Kopf kleiner war als Laurelim und einen gewaltigen Bierbauch vor sich hertrug, watschelte auf sie zu. „Womit kann ich dienen, mein Herr?“
„Drei Zimmer für die Nacht und ein gutes Abendessen.“
„Selbstverständlich, Herr... wie war gleich noch mal Euer Name?“
„Laurelim, aus dem Düsterwald.“
Jetzt weiteten sich die Augen des Wirtes und er sah Laurelim überrascht an. „Da hol mich doch... Ihr seid es wahrhaftig, Herr Laurelim!“ Auf seinem Gesicht breitete sich ein breites Lächeln aus, dass sogar seine hintersten Zahnreihen entblößte.
„Ja, ich bin es.“
„Wann wart Ihr das letzte Mal hier, Herr? Wartet mal, es war vor zehn Jahren... nein, vor fünfzehn... ich erinnere mich jedenfalls genau daran. Ihr sagtet damals zu mir...“
„Verzeiht, dass ich Euch unterbreche, werter Gerstenmann, aber meine Freunde und ich sind müde und hungrig, und wir würden gerne unsere Zimmer beziehen, wenn es recht ist.“
„Natürlich. Folgt mir bitte.“
Sie stiegen eine schmale Holztreppe hinauf, Butterblume mit einem Talglicht voran, hinter ihm die Elben. Aduial ging am Schluss. Er war froh, aus dem Schankraum raus zu kommen. So wurde er wenigstens nicht die ganze Zeit angestarrt.
Während sie durch einen düsteren Gang gingen redete der Wirt ununterbrochen. Er erzählte von den Gästen, die in den letzten Tagen hier waren und kam irgendwann wieder auf Laurelims ersten Aufenthalt in Bree zu sprechen. Dieser ließ das Gerede ruhig und schweigend über sich ergehen. Anscheinend war es unklug, Butterblume in seinem Redefluss zu unterbrechen. Auch Aduial und Sinda sagten nichts.
Die Zimmer waren trotz aller Vorurteile sauber und geräumig. Die Einrichtung war schlicht: Jeweils ein schmales, aber bequemes Bett, ein Tisch mit einem Hocker, eine Kommode, auf der eine Waschschüssel stand und ein Brett an der Wand, auf dem die Habseligkeiten und das Talglicht abgestellt werden konnten. Aduial setzte sich auf das Bett und warf einen Blick in das Zimmer hinein. Er fühlte sich mit einem Mal sehr kraftlos und müde. Seine Hand glitt in den Ausschnitt seines Hemdes und zog die Kette und den Anhänger hervor. Der Stein schimmerte in der Dunkelheit in einem fast hellen Licht. Er schien von innen heraus zu strahlen. Stimmte es? War es wirklich ein Bruchstück der sagenumwobenen Silmarill? Aber wie war seine Mutter an diesen Schatz gekommen? Aduial hatte kein Lust, sich darüber den Kopf zu zerbrechen. Also betrachtete er den Anhänger noch eine ganze Weile, dann schob er die Kette wieder zurück. Er ließ sich zurückfallen und streckte sich auf dem Bett aus. Gedankenverloren starrte Aduial gegen die Decke, bis ein Klopfen an der Tür ihn in die Wirklichkeit zurückriss. Kurz darauf öffnete sich die Tür und Sindas Kopf erschien. „Kommst du mit runter in die Gaststube?“
Zuerst hatte er den Kopf schütteln wollen, doch dann überlegte er es sich anders und nickte zögernd. Wenn er Sinda eine Freude damit machen konnte, dann wollte er mitkommen. Insgeheim erhoffte sich Aduial, vielleicht aus dem einen oder anderen Gespräch etwas aufzuschnappen, was ihm weiterhelfen könnte.
Hätte er geahnt, dass sich dieser kurze Aufenthalt zu einer handfesten Katastrophe ausweiten würde, wäre er wohl auf dem Zimmer geblieben. So jedoch folgte er Sinda und Laurelim die Treppenstufen hinunter.
Obwohl es schon sehr spät war, hatte sich die Anzahl der Gäste kaum verringert. Im Gegenteil, es waren sogar noch welche hinzugekommen. Schon auf den ersten Blick stellte Aduial fest, dass sie die einzigen Elben waren. Der Rest der munteren Gesellschaft bestand aus Menschen, ein paar Zwergen und Hobbits. Der Lärmpegel hatte sich noch gesteigert. Jemand hatte ein Instrument hervorgeholt, eine Art Flöte, auf der er mehr schlecht als recht versuchte, eine Melodie zu spielen. Das jedoch tat dem Spaß kein Ende, im Gegenteil – es wurde gejohlt, geklatscht und mitgesungen. Eine Gruppe von Waldläufern stand an der Theke, jeder mit einem Bierkrug in der Hand und unterhielten sich. Um den Kamin saßen mittlerweilen eine ganze Menge Leute, und der Mann gab mit wilder Gestik eine Geschichte nach der anderen zum Besten.
Unwillkürlich senkte Aduial den Kopf, um sein Gesicht ein wenig zu verbergen. Er hatte das Gefühl, von allen Seiten mit Blicken durchbohrt zu werden. Das hier war nicht seine Welt. Auch Sinda wirkte verunsichert. Kein Wunder, schließlich hatte sie diese Atmosphäre nie kennen gelernt. Einzig Laurelim schritt unbeeindruckt voran, direkt auf einen abseits gelegenen Tisch, der in einer Nische stand. Kaum saßen sie, kam schon Gerstenmann Butterblume und brachte ein hölzernes Tablett, auf dem sich ein Laib Brot, ein Stück Räucherschinken, eine große Ecke Käse und eine Karaffe mit Rotwein und Bechern befand. Er stellte alles auf den Tisch und entfernte sich dann wieder, um die anderen Gäste zu bedienen. „Also dann... greifen wir zu.“
Sie aßen meist schweigend. Aduial kaute lustlos auf einem Stück Brot und nippte ab und zu an dem Wein. Er schmeckte schwer und süßlich und der Elb merkte, wie er langsam schläfrig wurde. Schließlich durchbrach Sinda die Stille, die zwischen ihnen herrschte. „Wie wird es nun weitergehen, Laurelim?“
Wie auf ein Stichwort hin zog Laurelim eine zusammengefaltete Karte aus einer Tasche seines Gewands. „Die habe ich mitgehen lassen – ich hoffe, die Herren Elladan und Elrohir werden mir verzeihen.“
Vorsichtig faltete er sie auseinander. Das alte Pergamentpapier raschelte und knisterte zwischen seinen Fingern. „Dies ist eine die die Regionen Eriador, Rhovanion, Gondor, Rohan, Haradwaith und Mordor umfasst. Zumindest zum Teil. Wir befinden uns... hier.“ Sein Finger fuhr über die Karte und verharrte dann an einem Punkt. „Und das wird unser Ziel sein.“ Mit dem Zeigefinger der anderen Hand tippte er auf einen größeren Punkt. ‚Minas Tirith’ stand dort in verschlungenen Runen. „Die Hauptstadt Gondors. Die Stadt des Königs. Hier sitzen die Weisesten der Weisen, und König Elessar selbst. Vielleicht finden wir hier sogar die Antwort, und wenn nicht, dann wenigstens ein paar hilfreiche Anhaltspunkte.“ Jetzt runzelte Laurelim die Stirn. „Allerdings wäre es ratsam, einen Umweg zu gehen. Zwischen uns und Gondor befindet sich Dunland. Zwar gibt es inzwischen ein Übereinkommen zwischen den dort lebenden Menschen und dem Königreich, trotzdem können wir der Gegend nicht trauen. Es treiben sich dort noch immer eine große Anzahl von Orks herum.“
„Wieviel Zeit würden wir dafür in Kauf nehmen müssen?“, fragte Aduial.
„Ich schätze, ein paar Wochen müssen wir schon mit einbeziehen,“ antwortete Laurelim. „Ich fürchte nur, dass das zu viel ist. Wir sollten so schnell wie möglich..,“ erwiderte Aduial. Doch er kam nicht dazu, den Satz zu vollenden.
Butterblume war zu ihnen an den Tisch getreten und meinte nun: „Herr Laurelim, die Leute möchten, dass Ihr Euch zu ihnen ans Feuer gesellt und ein wenig erzählt, was in der Welt vor sich geht.“
Laurelim lehnte dankend ab, doch der Wirt ließ nicht locker. Immer und immer wieder drängte er darauf, und schließlich musste sich der Elb geschlagen geben. So folgten die drei ihm durch die Menschenmenge. Schon auf dem Weg zum Kamin wurden sie mit wohlwollenden Zurufen und gelegentlichem Geklatsche empfangen. Die Leute schienen begierig darauf, Neuigkeiten zu hören. Sie ließen Ihnen kaum Zeit, sich hinzusetzen, sondern bestürmten sie schon von vorn herein mit Fragen: „Wie sieht es aus, in der Welt außerhalb? Ist es wahr, dass alle Elben weg sind? Der Ringträger soll mit ihnen gezogen sein...“
Laurelim und Sinda setzten sich direkt ans Feuer, so dass sie alle gut sehen konnten, nur Aduial setzte sich etwas abseits hin. Er wollte nicht, dass ihn sofort jemand als Dunkelelb erkannte. Er hatte erlebt, wie die Elben auf ihn reagiert hatten. Die meisten hatten es vermocht, ihren Schrecken und ihr Misstrauen zu unterdrücken, doch er wusste nicht, wie die Menschen reagieren würden. Schlimmstenfalls würde die ganze Meute in Panik geraten, und das würde haarsträubende Konsequenzen mit sich bringen. Zum ersten Mal bereute er es, sein Zimmer verlassen zu haben.
Laurelim erzählte und erzählte. Sinda saß meistens ebenfalls nur Schweigend daneben, da sie ja nicht viel berichten konnte, bis auf das, was an Nachrichten nach Bruchtal gekommen war. Die Leute um sie herum waren ganz still geworden und sogen jedes Wort in sich auf. Nach etwa einer Stunde, die Aduial wie eine halbe Ewigkeit vorgekommen war, wurde der Elb schließlich von einem großen, kräftigen Mann mit dunklem Haar und ebenso dunklen Augen unterbrochen. „Ich danke Euch im Namen aller, Herr Elb, für Eure Erzählungen, und auch Euch, Herrin, möchte ich danken. Aber was ist mit Eurem Kameraden? Er sitzt in der Ecke und ist so still. Was hat er zu berichten?“
Es wurde totenstill. Alle Blicke richteten sich auf Aduial. Dieser konnte das Holz im Kamin knacken hören, wenn die Scheite langsam zusammensackten, das Prasseln der Flammen und das Klopfen seines Herzens. Plötzlich überkam ihn ein Gefühl von Angst, dass ihm die Kehle zuschnürte. Schnell warf er einen hilflosen Blick in Laurelims Richtung, doch der Elb schaute ebenso ratlos zurück.
„Kommt doch etwas näher ans Feuer, so das wir Euch besser sehen können,“ meinte der Dunkelhaarige nun mit freundlicher, aber unnachgiebiger Stimme.
Ehe Aduial den Kopf schütteln und einen Einwand bringen konnte, rettete Sinda die Situation. „Verzeiht, aber er ist sehr erschöpft. Wir wurden auf der Reise von Orks angegriffen und dieser hier ist verletzt worden. Er hat sich von seinen Wunden erholt, trotzdem braucht er noch Ruhe.“
Damit hatte Sinda zwar verhindert, dass er vor den Leuten hier etwas sagen musste, aber sie hatte gleichzeitig ungewollt ein neues, aufregendes Diskusionsthema geschaffen. Augenblicklich brach der Tumult los. „Orks! Hab ihr gehört – Orks!“
„Ich dachte, die gibt es nicht mehr!“ „Wo seid ihr angegriffen worden? Doch nicht etwa hier in der Nähe?“ „Wie furchtbar!“ „Wenn sie nun unser Dorf überfallen?“ „Ich habe Angst...“
Laurelim hob beschwichtigend die Hände und wollte etwas sagen, doch er schaffte es nicht, seine Stimme über die aufgebrachte Menge zu erheben. Schließlich ging er auf Aduial zu, der aufgestanden war, und meinte leise: „Ich denke, es ist Zeit zu gehen.“
Schnell schob er Sinda in Richtung Treppe. Jedoch war es kein leichtes Durchkommen. Die meisten waren aufgesprungen und riefen laut und wild gestikulierend durcheinander. Das Chaos war perfekt. Aduial ging die ganze Zeit mit gesenktem Kopf, so das er keinem ins Gesicht schauen musste.
Als sie den Treppenabsatz erreicht hatten, spürte er jedoch plötzlich eine Hand auf seiner Schulter, die ihn zurückriss. „Ihr wollte doch nicht schon gehen? Bleibt doch – Ihr müsst uns das ganze genau erzählen...“
Aduial hatte den Kopf so gedreht, dass er den Mann ansah. Für einen kurzen Moment fiel der Lichschein des Feuers auf sein Gesicht. Er bemerkte es zu spät. Die Augen des Mannes weiteten sich erstaunt und er japste nach Luft. Schnell drehte Aduial den Kopf wieder weg, riss sich los und rannte die Treppe hinauf.

(Ramona)