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Der Roman „Angmar“
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Der Untergang Númenors
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Zeittafel


Sehr geehrte Damen und Herren, Elben, Hobbits und Zwerge,
es ist eine heute nur noch wenigen bekannte Tatsache, dass Tolkien weite Passagen seiner Erzählungen einer nordischen Sagen- und Mythensammlung aus der Zeit des europäischen Matriarchats, der Emma (fälschlich oft: Edda) entlehnt hat. Dies betrifft in besonderem Maße "sein" Hauptwerk Der Herr der Ringe (ursprünglich: Das Damenkränzchen). Durch einen glücklichen Zufall war ich in der Lage, den Originaltext fast vollständig  wiederherzustellen und sehe es nun als meine Pflicht an, diesen der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Ein erstes Kapitel finden Sie anbei. Bitte teilen Sie mir mit, ob Sie eine Veröffentlichung dieses zweifelsohne brisanten und für manche Tolkien-Fans wohl auch schmerzlichen Textes in Ihrem Medium riskieren möchten. In diesem Fall behalte ich mir vor, Ihnen zur Wahrung meiner Persönlichkeitsrechte sowie insbesondere meiner heilen Knochen ein Pseudonym zu nennen, unter dem die Veröffentlichung sodann erfolgen darf.
In Erwartung Ihrer geschätzten Antwort verbleibe ich
Uta G Obermeyer
und leider ganz ohne akademischen Titel.



Geradenwegs zu den Pilzen

Am Morgen wachte Frieda total verkatert auf. Sie lag in einer Laube, die aus einem lebenden Baum bestand und aus Zweigen, die miteinander verflochten waren und bis zum Boden hinabreichten. Ihr Bett war aus Farn und Gras, tief und weich und seltsam duftend. Irgendwo in all dem Grünzeug begraben mussten noch ein, zwei angebissene Camemberts von gestern Abend liegen, und überall zwischen den feinen Kettenmaschen ihres Mithril-Spitzenbodys pieksten sie winzig kleine lembas-Krümel. Oh Gollum, was für eine Party ...
Ein metallisches Klicken ließ Frieda zusammenzucken. Auf Händen und Knien kroch sie ins Freie und blinzelte nicht ganz kampfbereit in die Morgensonne. Klick!
"Ach, du bist das!"
Erleichtert ließ sich Frieda zurückfallen, während ein paar Schritte weiter Mary die Verschlüsse ihres stahlgürtelverstärkten Sport-BHs einen nach dem anderen einrasten ließ. Klick! Klick! Nur dieses Mieder, eine Sonderanfertigung der Zwerge vom Einsamen Berg, war in der Lage, Marys üppige Oberweite zu bändigen und hatte ihr schon bald nach Erwerb den Spitznamen "die eiserne Jungfrau" eingetragen. Seitdem waren bei Brandybocks oft fesche junge Hobbits aus allen Teilen des Auenlandes zu Gast, die meisten von ihnen, so hörte man, Auszubildende in der metallbearbeitenden Industrie.
"Gut, dass ich doch nicht mit Dick Bolger nach Krickloch vorausgezogen bin", meinte Mary mit versonnenem Lächeln, "ich hatte ja keine Ahnung ..."
Frieda pulte sich eine Cocktailkirsche aus dem Ohr, schnippte sie ins Gebüsch und ließ den noch leicht benebelten Blick umherschweifen. Sie erkannte Samantha, die auf dem Gras in der Nähe des Waldrands saß und ihr goldenes Haar kämmte. Pippi stand und beobachtete den Himmel und einen ihrer langen Strümpfe, der auf unerklärliche Weise einige Meter hoch über ihrem roten Wuschelkopf in einem Baum gelandet war. Von den Elben war keine Spur zu sehen.
"Sie haben uns Früchte und einen Trunk dagelassen und Brot," rief Pippi Frieda zu.
"Früchte?" Dunkel erinnerte sich Frieda an den seltsamen Fruchtsaft, kühl wie eine klare Quelle, golden wie ein Sommernachmittag – obst-ler in der Sprache der Hochelben –, dem sie gestern so eifrig zugesprochen hatte.
"Was denn für Früchte?"
"Na ja, eigentlich nur Bananen. Elbenhumor, vermute ich."
Mit einem bedauernden Blick auf Frieda, die den Kopf tief in den Händen vergraben hatte, wandte Pippi sich um und verschwand im Laufschritt im Wald. Kurz darauf stürzte ein Baum um, glücklicherweise nicht allzu laut. Die Erde bebte, Fels knirschte auf Fels.
Frieda brach sich ein Stück Brot ab und begann vorsichtig zu kauen.
Samantha legte ihren Kamm beiseite, ein kostbares Modell von L'OrkReal aus Gondor, das ihr Bilbo zu seinem einundelfzigsten Geburtstag geschenkt hatte. Sie nahm die eine Hälfte ihres Haares, zählte sorgfältig bis drei und begann zu flechten. Blonde Zöpfe, so überlegte sie dabei, schienen ganz besonders viel Zeit zu brauchen. Die anderen drei waren mit ihren braunen, schwarzen und roten Mähnen immer viel schneller fertig. Da steckte etwas höchst Sonderbares dahinter. Sie hatte ganz recht, aber niemals hat sie mehr darüber herausgefunden.
Drüben am Waldrand wurden zwei Holunderbüsche niederwalzt, und dahinter erschien Pippi, mit jeder Hand einen versteinerten Troll vor sich herrollend. Davon, so hatten die Hobbits feststellen müssen, gab es jede Menge in den umliegenden Wäldern, manche halb verborgen im Unterholz, und das war gar nicht lustig für barfüßige Hobbits, denn Trolle sind bekanntlich gerade in versteinertem Zustand unglaublich spitz. Die meisten dieser bedauernswerten Kreaturen gingen auf das Konto von Gandalf, der seit ein paar tausend Jahren kreuz und quer durchs Auenland streifte und sich hin und wieder einen Spaß daraus machte, sich als Abgeordneter auszugeben und die Trolle bis zum Morgengrauen in politische Diskussionen zu verwickeln.
Am Baum angekommen stapelte Pippi die Trolle am Stamm auf, um von oben aus an den niedrigsten Ast heranzureichen. Schnell und sicher wie ein Äffchen kletterte sie sodann von Ast zu Ast und erreichte bald den Strumpf, der schwarz wie eine Piratenflagge im Sommerwind flatterte. Sorgsam rollte sie das zarte Netzgewebe aus feinstem Kankralon auf und verstaute ihn mit dem anderen in ihrer Kitteltasche – bis zur nächsten Party.
"Ausguck meldet Strapse zurück Bord!" johlte sie zu den anderen hinunter und machte sich auf den Rückweg. Ihr Vater Ephraim war Admiral der Schnellen Zugreifflotte und so erfolgreich, dass unlängst das Taka-Tuk-Archipel südlich von Belfalas nach ihm benannt worden war. Eine gewisse Begeisterung für die Seefahrt musste ihr deshalb nachgesehen werden.
Frieda winkte also nur gequält ab und wandte sich stattdessen Samantha zu.
"Nun, Samantha, magst du die Elben immer noch, nachdem du sie jetzt aus der Nähe gesehen hast?" fragte sie, während Pippi neugierig herbei flitzte.
"Sie sind ganz anders, als ich erwartet habe", antwortete Samantha langsam und begann verträumt, einen Zopf um den Finger zu drehen, "erst ganz locker, und dann plötzlich total steif-"
"Gewonnen, gewonnen!" brüllte Pippi und rammte Mary den Ellbogen in die Seite, dass Mary und ihr Mieder hell aufquietschten, "He, du schuldest mir fünf Riddermark! - Und, weiter?"
"Gar nichts weiter. Nach dem ersten Becher obst-ler bin ich umgekippt und eingeschlafen. Ihr etwa nicht?"
"Doch, doch, irgendwann schon", seufzte Frieda und blickte Samantha völlig ratlos an. In der Tat war überhaupt keine Veränderung mit ihr vorgegangen – sie war immer noch exakt dieselbe Rosinenschnecke wie bei ihrer Abreise aus Hobbingen. Es würde nicht leicht werden, ihr ein bisschen dolcevita beizubringen, und dunkel ahnte Frieda, dass diese Aufgabe sie weit über die Grenzen des Auenlandes hinausführen würde.
"Das ist übrigens immer noch mein Zopf", knurrte Mary.
"Oh, tatsächlich. Ganz schwarz. Ich hatte mich schon gewundert..."
Kurze Zeit später hatten sie zusammengepackt.
"Ich will so schnell wie möglich zur Bockenburger Fähre kommen", erklärte Frieda entschlossen, "dass heißt, wir gehen von hier aus nicht zurück zur Straße, sondern geradenwegs durch das Land." Das klang gut, das zeigte echte Führungsstärke – andererseits, wo bitteschön sollte sie auf einem Marsch quer durch die Wildnis endlich die passenden Ohrclips zu ihrem neuen Ring finden?
"... aber spätestens in Bree gehen wir dann richtig schick einkaufen!" schob sie daher schnell nach und nickte bekräftigend dazu. Aua, aua, aua ....
"Schade, dass wir nicht wenigstens ein Stückchen reiten können", meinte Pippi, die ihr getupftes Pony nach langen Diskussionen daheim in der Höhle Dunkelbunt in der Obhut von Tomtom und Annika zurückgelassen hatte.
"Besten Dank," brummte Frieda, "vom Reiten habe ich fürs erste genug. Dieses stundenlange Durchgeschütteltwerden..."
Mary und Pippi tauschten einen Blick aus.
"Obst-ler", sagte Mary.
"Gildor", ergänzte Pippi.
"Und ich dachte, du magst Ponies!" krähte Samantha.
Die Hobbits kletterten eine steile grüne Böschung hinunter und verschwanden unten zwischen den dicken Bäumen. Bald stellte sich heraus, dass das Gebüsch dichter und unwegsamer war, als es zuerst den Anschein gehabt hatte, und ihre Laune sank. Kaum wagten die Hobbits, einander anzusehen aus Angst, dass das viele Grün ihren Teint unvorteilhaft blass erscheinen lassen könnte. Ja, schlimmer noch – Frieda, die die Umgebung aufmerksam beobachtete, musste zu ihrem Schrecken feststellen, dass das satte Blaugrün der Tannen aus der Herbst-/Winterkollektion des vergangenen Jahres stammte.
Samantha schaute zurück. Durch eine Lücke zwischen den Bäumen konnte sie den Gipfel des grünen Steilhangs sehen, den sie heruntergekommen waren.
"Schau!" rief sie und zupfte Frieda am Arm. Sie schauten alle, und auf dem Grat hoch über ihnen sahen sie gegen den Himmel ein Pferd. Neben ihm bückte sich eine schwarze Gestalt.
"Der schon wieder!"
Schnell kramten alle vier ihre Sonnenbrillen hervor und setzten sie auf. Puh, gerade noch mal geschafft! Jetzt konnte sie ganz bestimmt niemand mehr erkennen.
"Ich kann mir nicht vorstellen, dass er versuchen würde, sein Pferd den Steilhang hinunterzubringen", meinte Pippi, "mit einem Geländepferd wäre das ja kein Problem, da würde er einfach den Allhufantrieb reinhauen ... aber das da oben scheint mir eher die Sorte zu sein, die jeden Samstag gewaschen und stundenlang poliert wird. Jede Wette, der reitet hübsch ordentlich auf der Straße weiter."
"Na, dann können wir uns ja Zeit lassen", sagte Frieda, und die anderen nickten erleichtert. Ihnen hatte schon bei dem Gedanken geschaudert, abends ganz verschwitzt und zerzaust im Hotel anzukommen.
"Er ist ziemlich hartnäckig", gab Pippi zu bedenken.
" ... wer immer er auch sein mag", nickte Samantha, die wie die meisten jungen Hobbitdamen auf dem letzten Jahrmarkt eine Begegnung mit einem dunklen und geheimnisvollen Fremden prophezeit bekommen hatte.
"Wenn es ihm wirklich nur um den Ring geht, den hätte er ruhig haben können", grollte Frieda, "Der ist mir sowieso ein bisschen weit, und ehrlich gesagt, an einer Kette um den Hals sieht er reichlich dämlich aus. Aber jetzt kriegt er ihn ganz bestimmt nicht mehr. Nicht nach dem, was gestern Abend vorgefallen ist."
Die anderen drei schwiegen betreten.
"Ich meine, er hat ge-schnüf-felt!" erboste sich Frieda, "Der tut gerade so, als ob ich Körpergeruch hätte! So eine bo-den-lo-se Unverschämtheit! Jetzt kann er uns meinetwegen hinterherlaufen, bis ... bis ... bis ans Ende aller Dinge!"
Sie gingen weiter, vielleicht noch ein paar Meilen. Dann kam die Sonne wieder durch die Wolkenfetzen, und die Hobbits wurden sehr, sehr durstig. Die Elben hatten ihre Flaschen mit bacardirum gefüllt. Dieser in Verbindung mit den Sonnenbrillen erschwerte die Orientierung zwar ganz erheblich, aber nach einigen Schlucken schien das nicht mehr so wichtig zu sein, und die Schlangenlinien des Pfades vor ihnen passten auf einmal ganz großartig zu den Schlangenlinien, die ihre pelzigen Füße von allein vollführten. So erreichten sie schließlich äußerst beschwingt den Rand eines riesigen Rübenfeldes. Pippi blieb stehen. Die anderen drei purzelten schimpfend über sie hinweg.
"Ich kenne diese Felder, und auch das Tor da hinten", verkündete Pippi, "Wir sind auf dem Land vom alten Bauer Maggot."
"Stimmt", bestätigte Mary, die mitten in ein Grüppchen Pilze gefallen war.
"Oh je - soweit ich mich erinnere, hat der drei scharfe Hunde", stöhnte Frieda.
"Er hat vor allem vier scha- äh, vier schrecklich nette Söhne. John, Paul, George und-"
"Rrrringo", gurrte Mary und strich seufzend das Lederwams über ihren Hüften glatt.
"Ja, genau. Als Kinder nannten wir sie immer die Pilzköpfe, weil sie nur Pilze im Kopf hatten. Mittlerweile spielen sie auch ganz passabel Schalmei."
"... und Doktor", nickte Mary.
"Ja, und bei Pilzgerichten ist es immer gut, wenn ein Arzt in der Nähe ist", wusste Samantha.
"Also schön, dann sind wir uns ja einig", meinte Frieda, nahm den letzten Schluck bacardirum aus ihrer Flasche und tupfte sich einen Tropfen hinter die flauschigen Ohrläppchen, "heute abend machen wir Bauernsalat."
Und vorteilhaft beleuchtet von den sanften Strahlen der untergehenden Sonne zogen die Hobbits weiter, neuen Abenteuern entgegen ...

(Uta)