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Das Böse bei Tolkien

Der "Herr der Ringe" ist eine Geschichte vom ewigen Kampf zwischen Gut und Böse, dem Licht und der Dunkelheit. Dieses Motiv durchzieht einen Grossteil von Tolkiens Werken, und macht einen Gutteil von deren Faszination aus. Es macht seine Werke zeitlos, denn sie sind eben KEINE Allegorien sondern mythische Erzählungen, die in unserer Welt und Wirklichkeit als imaginäre, tatsächliche existiert habende Vorzeit eingebettet wurden.
Darum imitiert auch nicht Tolkiens "Herr der Ringe" Ereignisse unserer Welt, wie manche glauben, etwa die des 2. Weltkrieges, wohl aber kann man Gestalten und Ereignisse aus dieser Zeit (und anderen!) mit den mythischen Grundtypen im "Herr der Ringe" vergleichen und durch wiederentdecken bestimmter Charakterzüge und Verhaltensweisen in Teilen identifizieren. Treue, Mut, Opferbereitschaft, Liebe, Güte, Heimatverbundenheit, Gerechtigkeit, Weisheit und Vergebung findet man dort ebenso wie Grausamkeit, Verrat, Mord, Krieg, Hass, Lüge, Furcht, Habgier, Egoismus, Feigheit und Engstirnigkeit oder Arroganz.
Während sie in "Der Herr der Ringe" in mythologischer Form in einzelnen Personen und Fabelwesen getrennt und deutlich Gestalt annehmen, sind sie in der wirklichen Welt in den Menschen zu finden, und das häufig gemischt und bis zur Unkenntlichkeit verrührt. Gibt es in der Idealwelt Schwarz und Weiß, die sich als Licht und Dunkel gegenüberstehen, so gibt es in der Realität oft nur Mischformen. "Black and White, that's how it should be, but shades of Grey is all I see", sagte ein berühmter Dichter. Oder nach Alexander Solschenzyn: "Die Linie, die Gut und Böse trennt, verläuft nicht zwischen Klassen und nicht zwischen Parteien, sondern quer durch jedes Menschenherz. Diese Linie ist beweglich, sie schwankt im Laufe der Jahre. Selbst in einem vom Bösen besetzten Herzen hält sich ein Brückenkopf des Guten. Selbst im Gütigsten Herzen - ein uneinnehmbarer Schlupfwinkel des Bösen."
Öfter als Hell gegen Dunkel gibt es also Hellgrau gegen Dunkelgrau.Und öfter als "die" Wahrheit bei einer Partei gibt es die Wahrheit "zwischen" den Parteien, die sich im vermeintlich schlechteren, weil mittelmäßigen, zwischen den Kontrahenten abgeschlossenem Kompromiss dann nur umso deutlicher und besser entfaltet. Mit ein Grund warum die Demokratie auf die Dauer für alle befriedigender funktioniert als alle anderen Regierungsformen.
Aber macht das die Schwarz-Weiß Zeichnungen in den Mythologien, wie eben bei Tolkien, etwa wertlos? Meiner Meinung nach nein, denn Mythologien sollen uns zum Denken und Träumen anregen, Werte vermitteln und helfen grundlegende Wahrheiten zu verdeutlichen und zu erkennen. Und diese kann man dann wieder, nachdem man das Prinzip erkannt hat, auf ihre komplexeren Vorkommen in unserer Welt anwenden.
Tolkien setzte sich in seinen Werken, und in wenigen anderen so wie in denen seiner Welt Mittelerde, mit dem Bösen auseinander, besonders viel dazu findet man im Essay in "Morgoth's Ring".
Ich konnte es so, wie er es beschrieb, unter anderem in der Realität wiederfinden als ich durch die engen unterirdischen Tunnel in einem Lager für politische Häftlinge wanderte (von den Nationalsozialisten in der Tschechei nach der Besetzung errichtet), und dabei ständig an die Orktunnel denken musste, in denen Sklaven sich für ihre Herren zu Tode schufteten.
J.R.R. Tolkien hatte eine christlich-katholische Weltsicht und zeigte sich als Linguistik - Professor auch geschichtlich interessiert.
Ist euch aufgefallen das Tolkien anscheinend verschiedene Prinzipien des Bösen kannte?
Das tyrannisch organisierte, pervertierende von Sauron und das chaotisch, zerstörerische der Balrogs.
Das von Morgoth, das all dies umfasste, aber bei dem Chaos und Zerstörung Mittel zum Zweck der Herrschaft und Tyrannei waren (bei der andere Wesen gequält, Morgoths Willen unterworfen und erniedrigt wurden).
Und das Böse von Ungolianth, der ewig-gierigen Dämonenspinne die das Licht hasste nach dem sie hungerte, das auf totale Zerstörung und Verspeisung all dessen hinauslief, was nicht sie selbst war.
Und am Ende auf Selbstzerstörung (Tolkien sagt, man erzähle sich, sie habe sich am Ende selbst verspeist).
Morgoth wollte z.B. die Silmaril (das Licht und die Schönheit die Feanor als größter aller Elben erschuf) für sich allein in Besitz nehmen und trug sie in seiner Eisenkrone.
Interessanterweise hätte Ungolianth (laut Tolkien ein Geist der die urzeitliche Dunkelheit - das Nichts? - personifizierte) den Kampf gegen ihn gewonnen und ihn mitsamt der Silmaril verschlungen wenn ihm nicht die Balrogs (Feuergeister, Energie) zur Hilfe geeilt wären.
Man könnte daraus eine ganze Menge herauslesen:
Das Böse stellt laut Tolkien ja ein negatives Abweichen vom positiven Willen Erus da.
Das kann man im "Silmarillion" und im Werdegang Melkors/Morgoth erkennen, den gefallenen Valar (Luzifer in der Bibel), der in der "Großen Musik", bei der in Ea Zeit, Raum, und alles Sein erschaffen wurde, einen eigenen Gesang von Macht und Herrschaft im Gegensatz zum Willen Eru-Illuvatars, des Einen Gottes, begann, und so das Böse in die Welt brachte.
Im "Silmarillion" steht auch das Sauron seinem Herrn "auf demselben Trümmerpfad hinab ins Nichts" folgte.
Also scheint das Böse immer in letzter Konsequenz Zerstörung als Ergebnis gehabt zu haben.
Erst Pervertierung und Unterdrückung (als Mittel zum Erreichen dieser Ziele wird Zerstörung genutzt) und dann Zerstörung und Tod als Endergebnis auf lange Sicht.Und sei es Selbstzerstörung wie bei Ungolianth, Melkor (er wurde zu Morgoth...) und Sauron.
Immerhin konnte das Bösen (zuerst bei Melkor, als er "in einem grossen Brand herunterfuhr") nicht neues mehr hervorbringen oder neu Erschaffen, nur pervertieren bzw. "nachäffen" wie der Ent "Baumbart" sagte, und alles für sich selbst allein wollen.
Dann kommt man zu dem Ergebnis:
Leben = GUT
Tod, Zerstörung = Böse
Egoismus, Machtgier, Neid und Rache als Ziele oder Beweggründe des Bösen sind also die Wege die zu Tod und Zerstörung führen (also sind Tod und Zerstörung die Mittel die das Böse einsetzt und die am Ende zu dessen Ergebnissen werden).
In diesem Fall wäre das Böse ein Widerspruch in sich selbst: Es will beherrschen, zerstört aber das was es beherrschen will und am Ende (oder vorher schon) auch sich selbst. Es bleibt nichts... also das Gegenteil von dem was Eru wollte als er mit Ea etwas Existentes erschuf.
Im "Silmarillion" gibt es auch ein Lied von Beren indem so etwas angedeutet wird.
Aber man könnte auch einen optimistischen Schluss daraus ziehen: Ungolianth verliert gegen Melkors Balrogs, weil deren Feuer zu stark ist, stärker als ihre Dunkelheit.
Feuer ist Energie und Bewegung, Dunkelheit würde ich mit Tod, Zersetzung und Erstarrung gleichsetzen (siehe Schattennetze Ungolianths).
Melkor verliert mit seinen Perversionen der Orks und gefallenen Maiar, gegen die wahren Wesen, die Elben und guten Maiar, die die Valar senden, Sauron stürzt durch den aus Machtgier erschaffenen eigenen Ring (Selbstzerstörung).
Das Böse verliert auf lange Sicht zwangsläufig, weil das Gute mehr ist als das Böse, was Mangel oder Perversion oder Zerstörung darstellt. Das Gute erschafft neu, das Böse nicht.
Das Böse aber hat eine Art Fortwirkung als Schattenseite des Guten, oder negatives Prinzip das sich ständig weiter fortpflanzt "die Saat von Furcht und Lüge, die ihre dunkle Frucht weitertragen wird bis zum Ende aller Tage" laut "Silmarillion", oder die von Ungolianth aus dem Licht erschaffene Dunkelheit, die deshalb ein eigenes Unheimliches Leben hat, während sie früher nur "leer" (also die Abwesenheit von Licht) war.
Das Böse erzeugt Böses, so wie das Gute Gutes erzeugt. Auch ein Mangel, kann sich, wie eine Krankheit weiter ansteckt, weiterverbreiten.
Aber selbst das Böse ist in Tolkiens Universum auf die Dauer machtlos, denn es passt sich nur in den Gesamtplan des Einen Gottes Illuvatar ein, der zu groß und umfassend ist, als das er durchkreuzt werden könnte. Obwohl die Wesenfreiheit der "Eruhini", der Kinder Gottes, zu denen alle denkenden Wesen wie Menschen, Elben, Zwerge, Ents und selbst die Maiar und Valar (also auch Melkor!) gehören auch ihre Freiheit im Willen und der Handlung deutlich macht, die Missbraucht werden kann, wird dadurch an der kosmologischen Entwicklung, dem großen "Gesamtplan" nichts geändert.
Schon am Anbeginn der Zeit nämlich sprach Illuvatar, als die große Musik gesungen war: "Mächtig sind die Ainur, und am mächtigsten unter ihnen Melkor; dass er's aber wisse, er und alle Ainur, dass ich Illuvatar bin, will ich euch jene Dinge zeigen, die ihr gesungen, und möget ihr sehen, was ihr getan. Und du, Melkor, sollst sehen, kein Thema kann gespielt werden, das nicht in mir seinen tiefsten Grund hätte, noch kann das Lied einer ändern, mir zum Trotz. Denn wer dies unternimmt, nur als mein Werkzeug wird er sich erweisen, um Herrlicheres zu schaffen, von dem er selbst nichts geahnt."
Letztendlich, und das ist meine Sicht, hat das Böse immer nur kurzfristig Erfolg, auch wenn die sich des Bösen bedienende Einzelperson zuweilen als Gewinner durchs Leben gehen mag.
Aber auch diese durch den Egoismus-Faktor bedingten Taten fallen in unserer heutigen modernen Gesellschaften als Regel- und Gesetzesverstöße immer öfter auf den Urheber zurück. Sogar auf internationaler Ebene, und das sollte zu Optimismus Anlass geben.
Letztendlich setzt sich das Leben durch. Das zeigt sich in Evolution und Geschichte, und auch die letztere gibt meiner Meinung nach in ihren letzten Entwicklungen zu Optimismus Anlass.
Sogar Frodo sah im "Herr der Ringe" in den Sternen eine Schönheit, die selbst er Schatten nicht erreichen und zerstören konnte weil sie seinem Zugriff entzogen waren.
Zum Abschluss ein Zitat Vaclav Havels, tschechischer Präsident (In Anspielung auf die Zeit unter der kommunistischen Diktatur und sowjetischen Oberherrschaft):
"Man kann das Leben lange und sehr gründlich vergewaltigen, verflachen, abtöten - und trotzdem kann man es nicht zum Halten bringen. Und solange man das Leben nicht definitiv vernichten kann, kann man auch nicht die Geschichte zum Halten bringen. Unter der schweren Decke der Starre und des Pseudogeschehens fließt ihr kleiner, geheimer Strom weiter und unterwühlt langsam und unauffällig die Decke. Es kann lange dauern, aber eines Tages muss es kommen. Die Decke kann keinen Widerstand mehr leisten und fängt an zu bersten."
Tolkiens Beschreibung des Zeitalters der zwei Bäume im "Silmarillion", als das Böse mit Melkor nach Arda (der Erde) zurückgekehrt war und seinen ersten Frühling beendet hatte, zeigt besonders schön, wie weit seine Gedanken gediehen sein mussten wenn sie in märchenhafter Form eben diese Gedanken Havels wiedergeben konnten. In dieser Zeit zerstörte Melkor die lichtspendenden Säulen der Valar, tauchte das von ihm beherrschte Mittelerde in Schatten und Kälte, schuf Ungeheuer und Perversionen der Geschöpfe Yavannas und unterdrückte die von ihm beherrschten Lande mit seinen Geistern und Truggebilden. Aber das Leben glomm in schwacher Form weiter fort, und Yavannas sorgte dafür das es nicht verlosch, sondern auf die Zeit des Erwachens warten sollte die noch kommen würde. Und Varda schickte das Licht ihrer Sterne, und als sie aufgingen erwachten weit im Osten unbemerkt die Elben, die schließlich Ursache für Melkors Sturz durch die Valar wurden.

(Holger)